Sternekoch Thomas Martin testet Autocook, Multipfanne und Spiralschneider "Das Ding macht Spaß"

"Jeder kann kochen" ist das Motto des Autocook Pro - man muss kein Sternekoch sein. Aber man darf.

"Jeder kann kochen" ist das Motto des Autocook Pro - man muss kein Sternekoch sein. Aber man darf.

Foto: manager magazin online

Die Küche hat die Garage als Hort der Statussymbole abgelöst. Aber was kann man als ambitionierter Speisenbereiter wirklich gut gebrauchen (und an Hobbyköche verschenken), und was ist überflüssiges Gerümpel? Das hat manager-magazin.de mit Thomas Martin getestet: Der mit zwei Michelin-Sternen dekorierte Chefkoch hat, zusammen mit seinem Sous-Chef Rüdiger Mehlgarten, neue Gadgets auf den Prüfstand gestellt.

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In der Küche des Jacobs Restaurant, das zum Hamburger Luxushotel Louis C. Jacob gehört, kommen insgesamt elf Geräte unter die Lupe. In der ersten Folge haben wir vier Neuheiten für die Heißgetränkebereitung ausprobiert.

Diesmal geht es um größere Kaliber für Hauptgerichte: Einen elektrischen Spiralschneider, der Gemüse in drei verschiedene nudelartige Langformen bringen, sprich, Möhren zu Spaghetti machen kann. Eine segmentierte Multipfanne für Menschen, die am liebsten nur eine einzige Herdplatte benutzen und Abwaschen hassen. Und das teuerste Gerät im Test, den Autocook Pro Induction für 469 Euro, der auf Knopfdruck sogar ganze Gerichte zaubern kann.

Hier sind die Einzeltests mit Videos:

Autocook Pro: Tortilla vom Thermomix-Angreifer

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Kann ein Mann, der sich prophylaktisch schon mal drei Michelin-Sterne auf den Unterarm hat tätowieren lassen, Freude daran finden, eine einfache Tortilla nach Rezept zu kochen? Mit einem Gerät, auf dem ein freundlicher Aufkleber mit der Aufschrift "Jeder kann kochen" prangt?

Er kann. Rüdiger Mehlgarten, Thomas Martins Sous-Chef, beugt sich äußerst interessiert über das neue Gerät, das verspricht, zwischen 40°C und 160°C so ziemlich alle Garmethoden zu beherrschen: Kochen, Schnellkochen mit Dampfdruck, Braten, Frittieren, Backen, Dampfgaren, Sous-Vide, Joghurt-Zubereitung oder Aufwärmen. "Wirkt hochwertig", ist sein erstes Fazit beim Auspacken, "ich glaube, das Ding macht Spaß, wenn man sich erst einmal reingefuchst hat."

Mit dem Dampfdruck-Induktions-Multicooker will die Firma Bosch dem Küchenwunder Thermomix von Vorwerk Marktanteile abgraben. Der Autocook hat 50 voreingestellte Programme an Bord und kommt mit einem schicken Kochbuch mit 100 Rezepten. In der digitalen App, die auch laufend erweitert werden soll, sind es noch viel mehr.

Mehlgarten entscheidet sich für eine spanische Tortilla: "Das traue ich dem Gerät zu. Mal schauen, ob die gut wird." Das Gerät hat viele Knöpfe, Hebel und Anzeigen, aber Mehlgarten ist sichtlich technikaffin und kommt schnell zurecht. Während sein Sous-Chef die Zutaten in das Gerät wirft und dabei immer wieder in das Buch schaut, frotzelt Thomas Martin: "Machst du Tortilla nach Rezept?". Natürlich würde Mehlgarten keines brauchen - aber der Autocook kann nur mit exakten Mengen arbeiten. Das Rezept befindet Mehlgarten für gut: Kartoffeln, Zwiebeln, Eier, Petersilie und Käse kommen hinein, Öl und Salz, das Ganze soll zwei mal 20 Minuten dauern.

Man merkt dem Sous-Chef an: Es juckt ihm in den Fingern, noch mehr auszuprobieren und die verschiedenen Fähigkeiten des Geräts zu testen. "Der kann sogar Boeuf Bourguignon!", freut er sich. Eigentlich muss man nach dem ersten Knopfdruck einfach mal abwarten. Aber das fällt Mehlgarten schwer, der sich abmüht, dem Gerät eine außerplanmäßige Öffnung abzutrotzen: "Ich muss das aufmachen." Warum? "Ich muss immer reingucken. Ich bin Koch, ich muss das sehen."

Nach der angegeben Garzeit löst sich eine fluffige, angenehm duftende Tortilla aus dem antihaftbeschichteten Gareinsatz. Innen heiß und weich, außen knusprig: "Für so eine Autocook-Geschichte - toll", findet Mehlgarten. Und selbst Sternekoch Martin schmeckt die Tortilla nach Rezept.

Autocook Pro Induction, Bosch , rund 400 Euro; abgespeckte Variante mit 900 statt 1200 Watt rund 200 Euro

Tortilla von selbst: In den Autocook muss man nur die Zutaten hineingeben

Tortilla von selbst: In den Autocook muss man nur die Zutaten hineingeben

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Spiralschneider: Macht Nudeln aus Gemüse

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Für den schicken silbernen Spiralschneider gibt es ein paar Vorschusslorbeeren: "Die Idee ist toll, mit Gemüsespaghetti kann man tolle Sachen machen", sagt Thomas Martin, "und das Gerät sieht wertig aus.". Drei Einsätze hat der elektrisch zu betreibende "Kult X": "Die Messer sind superscharf, da muss man beim Reinigen aufpassen", stellt der Koch fest.

Dann müssen Möhre und Zucchini dran glauben - und die positive Beurteilung auch. Obwohl sich in der Sammelschüssel einige gefällige Gemüsekringel bilden, sind beide Köche unzufrieden: "Dafür, dass da eine ganze Karotte draufgegangen ist, sind mir das zu wenige Spiralen", kritisiert Martin, und Mehlgarten ergänzt: "Das Ding könnte mehr Power vertragen." Mit einer dicken Möhre hatte das Gerät schon zu kämpfen.

Beide Köche sind sich einig: In der Sterneküche bleibt man lieber bei der althergebrachten Handkurbel - "das geht besser".

Kult X Spiralschneider, WMF , rund 60 Euro

Konnte nicht überzeugen: Der "Kult X" produzierte nur wenige lange Gemüsespiralen - und einigen Ausschuss

Konnte nicht überzeugen: Der "Kult X" produzierte nur wenige lange Gemüsespiralen - und einigen Ausschuss

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Multi-Pfanne: Fünffach gebratenes Frühstück für Junggesellen

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Grinsen muss Thomas Martin schon erstmal, als er diese Pfanne sieht: Wie ein Raclette-Teller aus den 70er Jahren sieht sie aus mit ihren fünf getrennten Fächern. Als er sie zur Hand nimmt, wird er wohlwollender: "Gutes Material", urteilt der Koch über die doppelt antihaftbeschichtete Aluminiumguss-Pfanne. Der Grillabschnitt in der Mitte soll 15 bis 20 Prozent heißer werden als die beiden Seitenzonen. Das Gerät bringt auch ordentlich Gewicht auf die Waage: Bei Abmessungen von 32 mal 38 Zentimetern ist die Pfanne rund zweieinhalb Kilo schwer. "Gefällt mir."

Aber was macht man jetzt damit? Martin entscheidet sich für einen satten Cholesterinschub - und einen Ausflug in eine frühere Lebensphase: "Ich bin jetzt Junggeselle und mache mir ein Frühstück." Gutgelaunt geht der Koch zu Werk: Speck, Eier, Tomaten, Pilze und drei Würstchen wandern in die Pfanne, die im Test überzeugen kann - der Speck wird kross, die Eier brennen nicht an, die Würstchen werden knackig. Er habe selten hübschere Spiegeleier hinbekommen, meint Martin.

Für die Sterneküche ist das Gerät natürlich nichts. Aber es muss ja auch nicht immer Sterneküche sein. Ein zufällig vorbeikommender Mitarbeiter hat jedenfalls eine andere Idee: "Hey Chef, wir kaufen davon zehn Pfannen und machen uns mit einem Frühstücksrestaurant selbständig!"

Multi-Pfanne Masterpan, über Radbag,  79,95 Euro

Frühstück ist fertig: So sieht der Teller aus, wenn ein Sternekoch mal was ganz Schlichtes macht

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Die Testgeräte wurden unserer Redaktion von Händlern und Herstellern leihweise zur Verfügung gestellt.