Mittwoch, 11. Dezember 2019

Großwinzer Miguel A. Torres "Wir machen immer denselben Wein, keine Spielchen"

Torres: Das Weltweinunternehmen aus Spanien
Torres

Miguel A. Torres ist Präsident des größten familiengeführten Weinherstellers Spaniens. Im Gespräch mit manager magazin erklärt er, wieso man lieber Wein aus Chile trinken als Fleisch essen sollte - und wie sich das Unternehmen den Herausforderungen des Klimawandels stellt.

mm: Sie handeln in mittlerweile 150 Ländern mit Wein. Besteht weltweit Einigkeit darüber, was ein wirklich guter Wein ist?

Torres: Guter Wein ist überall gut. Chinesen haben aber natürlich einen anderen Geschmack als etwa Amerikaner. Wer wirklich Ahnung hat, Sommeliers etwa, hat aber international denselben Maßstab. Und wir bei Torres machen sowieso unseren Wein auf unsere Weise.

mm: In China können Sie sich über jährliche Umsatzzuwächse von 30 Prozent freuen. Wie tickt diese Klientel?

Torres: Sehr reiche Chinesen kaufen gerne sehr teure Weine, einfach, weil sie teuer sind. Die gucken auch im Restaurant auf die Karte und wählen dann ganz einfach den Wein aus, der am meisten kostet.

mm: Das ist ja eine erfreuliche Kundschaft für Sie.

Torres: Aber eine sehr kleine. Es sind ja nicht alle Chinesen reich, und nicht nur die Reichen wollen Wein trinken. Auch die Mittelschicht möchte sich gerne etwas gönnen, die kaufen dann vielleicht mal eine Flasche Wein pro Woche. Die suchen sie sorgfältig aus. Normalerweise ist das ein Rotwein, der sehr aromatisch ist. Säuerliche Noten sind in China total unbeliebt. Vor einigen Jahren hätten Sie in China auch noch Leute gefunden, die einen sehr teuren Mas La Plana mit Eis oder Cola getrunken haben. Es hat sich aber erfreulicherweise mittlerweile herumgesprochen, dass man das besser nicht tut.

mm: Weltweit gehen viele Winzer ungewohnte Wege - etwa der Amerikaner Charles Smith, der seine hochpreisigen Weine gern "Boom Boom" oder "The Velvet Devil" nennt. Wie hält ein Traditionsunternehmen wie Torres da mit?

Torres: Das ist ganz einfach: Gar nicht. Wir machen immer denselben Wein, keine Spielchen. Das ist unsere Politik, und das läuft gut so. Ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern.

mm: Welches Preissegment wächst denn am stärksten?

Torres: Grob gesagt haben wir drei Segmente. Über das Preissegment unterhalb von fünf Euro müssen wir nicht reden - das ist nicht unser Geschäft. Dann gibt es ordentliche Weine zwischen fünf und zehn EuroDiese Kunden schätzen gute Weine und guten Genuss und lassen sich auch oft an höhere Qualitäten heranführen. Am oberen Ende haben wir Spitzengewächse ab 50 Euro aufwärts. Da sind natürlich auch die Herstellungskapazitäten begrenzt. Das mittlere Segment darunter wächst am stärksten, auch, weil wir hier in den BRIC-Staaten eine ganz neue Klientel heranziehen - in Brasilien und Indien reift eine ganz neue Klientel heran.

mm: Sie engagieren sich stark für den Klimaschutz. Was bedeutet der Klimawandel für den Weinbau?

Torres: Jede Rebe braucht eine bestimmte Temperatur. Wenn die Temperatur dauerhaft nur ein oder zwei Grad steigt, sinkt die Qualität der Trauben. Der Klimawandel ist für uns also nichts Abstraktes, sondern eine sehr reale Bedrohung - in den vergangenen 40 Jahren ist beispielsweise die Temperatur in der Penedès-Region um ein Grad gestiegen, so dass wir dort jetzt zehn Tage früher ernten müssen als noch vor 20 Jahren. Das ist ein reales Problem.

mm: Könnten Sie nicht in höhere Lagen ausweichen?

Torres: Nun ja, wir haben schon Anbauflächen dazugekauft, die in 1200 Metern Höhe liegen. Da kann man jetzt noch keinen Wein anbauen. Aber in 20 Jahren könnte das unter Umständen eine gute Lage für Riesling sein. Nur: Beim Weinbau geht es ja allein in Spanien um mehr als eine Million Hektar. Die kann man ja nicht alle einfach nach oben verschieben.

mm: Was tut Ihr Unternehmen konkret?

Torres: Wir wollen weitestgehend CO2-neutral produzieren. Bis 2020 werden wir die Emissionen pro produzierter Flasche um 30 Prozent senken - damit liegen wir 10 Prozent über dem Ziel, das das von uns mitbegründete Symposium "Wineries for Climate Protection" für seine 150 Mitglieder festgeschrieben hat. Wir haben das Gewicht unserer Flaschen um 17 Prozent gesenkt, wir haben einen Großteil unserer Flotte auf Hybridfahrzeuge umgestellt, wir haben mehr als 12.000 Quadratmeter Solarenergiepanels und wir haben im Januar den ersten elektrischen Solar-Touristen-Zug für unsere Weingutsführungen in Betrieb genommen. Wir nutzen das, was bei uns an Biomasse anfällt, zur Energiegewinnung. Wir sind führend in der Weinbranche, was diesen Punkt angeht. Ökologie ist uns wichtig.

mm: Aber Ihre Weine reisen um die ganze Welt. Das ist ja nicht sonderlich nachhaltig.

Torres: Wenn man einmal in der Woche eine Flasche Wein aus Chile oder Kalifornien trinkt, ist das für die eigene Ökobilanz weniger prägend als etwa übermäßiger Fleischkonsum. In meiner Familie essen wir nur einmal die Woche Fleisch - meist Geflügel, weil für die Rinderhaltung Regenwald abgeholzt wird. Für jedes Gramm Fleisch braucht man zehn Gramm Pflanzenfutter. Wir essen lieber Linsen. Und man muss vielleicht auch nicht immer in die Karibik fliegen, wenn man Urlaub machen will.

mm: Sie haben das Unternehmen in vierter Generation geführt und sind jetzt Präsident. Vor zwei Jahren gab es den Generationswechsel, seitdem leitet Ihr Sohn das operative Geschäft. Was bedeutet Familie für Sie?

Torres: Wir sind eine Weinfamilie. Das ist schon etwas Besonderes. In unserem Geschäft muss man sehr langfristig denken, mit Leidenschaft dabei sein und Produkte entwickeln, bei denen der Gewinn vielleicht erst in 20 Jahren kommt. 95 Prozent unserer Erträge werden im Unternehmen reinvestiert. Wenn man für sich selbst richtig viel Geld verdienen will, geht man besser ins Immobiliengeschäft. Wir haben jede Woche eine Versammlung, und ich habe meist eine Liste mit Ideen, was wir anders oder besser machen könnten. Und meist behalte ich diese Liste einfach für mich. Ich sage nie: "Das ist ein Irrtum." Meist sind die Probleme nach einem Monat auch ohne mein Mitwirken behoben.

mm: Es gibt ja ein Familienprotokoll bei Torres. Was ist darin festgelegt?

Torres: Das haben meine Geschwister und ich vor 15 Jahren gemacht, ja. Mein Vater konnte schwer loslassen, der Übergang zur nächsten Generation war schwierig damals. Das wollten wir besser machen, damit das Unternehmen gut für die Zukunft aufgestellt ist. Jetzt ist der Zeitpunkt für den Ruhestand festgelegt - mit 67 Jahren ist Schluss mit der Leitung des operativen Geschäfts. In dem Protokoll ist alles haarklein festgelegt - von unseren übergeordneten ökologischen und sozialen Zielen bis sogar hin zu der Zahl der Flaschen, die jeder für den privaten Gebrauch mit nach Hause nehmen darf.

mm: Und wie viele Flaschen sind das?

Torres: 300 im Jahr.

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