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Whisky-Tasting: Empfehlungen für zwei schottische Abende

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Anleitung zum Genuss Whisky-Tasting mit Freunden

Man kann Freunde nicht nur zum Essen einladen - Trinken geht auch. Und zwar auf höchstem Niveau. Wer seinen Gästen etwas Besonderes bieten will, zelebriert ein schottisches Whisky-Tasting. mmo-Autorin Katja Syri erklärt, wie das richtig geht.
Von Katja Syri

Hamburg - Das "Wasser des Lebens" (das bedeutet Whisky übersetzt) belohnt die Geschmacksknospen mit einer Welt neuer Aromen - vorausgesetzt, man beachtet bei der Verkostung einige Regeln. Der beste Weg, edlen Whisky zu genießen, ist, ihn zu zelebrieren wie einen guten Wein - gerne in geselliger Runde mit guten Freunden und angenehmer Atmosphäre.

Dabei bietet sich für das "Do-it-yourself" Einsteiger-Experiment zu Hause schottischer Single Malt Whisky mit seiner großen Geschmacksvielfalt an. Er wird ausschließlich aus gemälzter Gerste (Malt), Wasser und Hefe hergestellt und in kupfernen Brennblasen zwei, selten auch drei Mal gebrannt. "Single" bedeutet, dass die Destillate aus einer einzigen Brennerei stammen. Die Abfüllungen werden nicht mit Alkohol aus anderen Brennereien oder anderem Getreide-Whisky verschnitten - das wäre dann ein Blended Scotch.

Der Vorteil von Single Malt für eine Verkostung besteht darin, dass die Ecken und Kanten seiner Aromen leichter aufzuspüren, also zu riechen und zu schmecken sind, als in einem Blend. Darin besteht der Spaß, wenn Sie sich als Spirituosen-Sherlock betätigen. Lassen Sie sich beim Einkauf beraten, wo die Abfüllung herkommt und ob der Whisky aus ungetorfter oder getorfter Gerste hergestellt wurde - Sie werden den Unterschied später schmecken.

Die leichten Tropfen kommen zuerst an den Start

Außerdem ist interessant, ob das schottische Lebenswasser in Fässern aus amerikanischer Eiche oder europäischer Eiche lagern durfte. Fast immer reift Single Malt Whisky nämlich in gebrauchten Fässern und zwar für mindestens drei Jahre. Dabei nimmt er die Aromen des Holzes und der Tropfen an, die vorher darin gelagert wurden: meist Bourbon oder Sherry.

Nicht nur für Einsteiger ist es hilfreich, die meist leichteren, Ex-Bourbon-gereiften Tropfen am Anfang des Tastings zu verkosten, gefolgt von den Sherry-Abfüllungen und zum Schluss die getorften Vertreter mit ihren rauchigen Aromen zu probieren. Was Sie für eine Whiskyprobe - also ein Tasting zu Hause - noch brauchen, sind ein bis zwei Handvoll wirklich gute Freunde - und unsere Checkliste.

Los geht's:

Die Auswahl der Whiskys

Die grundlegende Entscheidung ist eine geografische. Darf es Schottland oder Irland sein, geht die Reise über den großen Teich in die USA und Kanada oder stehen Exoten auf dem Programm. Die Japaner zum Beispiel machen preisgekrönten Whisky und auch andere Nationen haben in den vergangenen Jahren beim Brennen dazugelernt, nicht zuletzt die deutschen Whiskyproduzenten. Grundsätzlich kommt der Name des Getreidebrands aus dem Gälischen von "uisge beatha", Wasser des Lebens, was dann später zu Whisk(e)y verballhornt wurde.

Whisky ohne e findet man vor allem in Schottland und Kanada, mit e in Irland und den USA. Egal ob Single Malt, Bourbon oder Whisky aus Hessen, fünf bis sechs verschiedene Abfüllungen sind für den Versuchsaufbau zu Hause ideal. Das Motto "je mehr desto besser" gilt nur, solange die Geschmacksnerven und Sinne nicht völlig betäubt sind.

Hier sind ein paar Empfehlungen, welche schottischen Single Malts Sie für ein Tasting kombinieren könnten . Die Flaschen kosten zwischen 30 und etwa 60 Euro, sind so genannte Standardabfüllungen und haben nur Beispielcharakter. Die Fülle des Angebots, gerade auch von so genannten unabhängigen Abfüllern, ist überwältigend.

Wenn Sie sich selbst eine kleine Single-Malt-Auswahl zusammenstellen wollen, ist zunächst die Einteilung in schottische Regionen hilfreich. Vereinfacht gilt: Das Lebenswasser aus den Lowlands, dem Süden, ist teilweise dreifach gebrannt und eher leichter und milder. Etwas kräftiger sind Whiskys aus den Highlands oder der so genannten Speyside - die wiederum häufig in Sherryfässern reifen und Aromen von Rosinen, weihnachtlichen Gewürzen oder Eichenholz entwickeln.

Wer Torf und Rauch mag, den führt seine Nase irgendwann zu den Abfüllungen der Hebrideninsel Islay. Allgemeingültige Regeln zum Kauf der komplexen Spirituose Whisky aufzustellen, ist unmöglich. Einige empfehlenswerte Standardmarken finden Sie in gut sortierten Supermärkten, doch die Vielfalt wechselnder Abfüllungen, gerade kleinerer Brennereien, macht die Sache schwierig und spannend zugleich. Am besten lassen Sie sich im Fachhandel beraten. Egal welchem Aroma Sie schließlich verfallen, über kurz oder lang finden Sie den Weg zum Whisky-Shop im Schlaf.

Das Drumherum: Gläser, Wasser, Häppchen

Vergessen Sie die schicken Kristallglas-Tumbler aus 60er-Jahre-Hollywood-Filmen. Humphrey Bogart wird zwar mit den Worten zitiert: "Man muss dem Leben immer mindestens einen Whisky voraus sein." Aber er ist Geschichte, genau wie die runden geraden Gläser, wenn es darum geht, die subtilen Aromen eines edlen Whiskys zu erforschen.

Bauchige, so genannte Snifter-Gläser erlauben einen klaren Blick auf den Tropfen und ermöglichen ihm die Entwicklung seiner Aromen. Der sich verjüngende Glasrand transportiert die Spirituose dann auf die Mitte der Zunge, wo sie sich am besten entfaltet.

Wasser und Eis

Eis im Glas ruiniert vor allem die leichten, flüchtigen Aromen im Whisky und betäubt die Zunge. Stilles Wasser, am besten weiches Quellwasser mit Zimmertemperatur, kann im Whisky durchaus sinnvoll sein. Ein kleiner Tropfen schließt im Glas neue Aromen auf und gibt sie frei. Bei sehr alten oder sherrylastigen Whiskys lassen Sie dennoch besser Vorsicht walten, die werden leicht flach oder sogar sauer.

Häppchen

Zwischen den verschiedenen Whiskys ist es hilfreich, den Geschmackssinn zu neutralisieren. Dazu sind Brot, gerne auch malzig dunkles, oder ungesalzene Cracker gut geeignet. Es schadet auch nicht, sich vorher (!) durch eine Gulaschsuppe oder Ähnliches eine Grundlage für das Tasting zu schaffen. Im Trend liegen auch Experimente mit kompletten Menüs zum Whisky oder Verkostungen von Schokolade zum Lebenswasser. Erlaubt ist, was dem Gaumen gefällt.

Und so wird verkostet

Wenn die Freunde am Tisch versammelt sind und jeder Gläser (am besten so viele, wie Whisky-Gänge geplant sind) vor sich stehen hat, fünf bis sechs Flaschen ausgewählt wurden sowie Wasser und Brot bereit stehen, kann es losgehen. Gießen Sie 1-2 cl Whisky in jedes der bereitstehenden Gläser und decken Sie diese, zum Beispiel mit einem Bierdeckel, ab.

Schritt 1, die Farbe: Nehmen Sie das Glas am Stiel und schauen Sie sich zunächst die Farbe an. Grundsätzlich erzählt sie einem Kenner viel über Art und Dauer der Lagerung. Goldene Töne sind typisch für die Lagerung in ehemaligen Bourbon-Fässern. Je rötlicher beziehungsweise bernsteinfarbener, desto länger ist der Whisky meist im Sherryfass gereift. Aber Achtung: Viele große Firmen helfen mit so genanntem Zuckerkulör nach, ihr Produkt auf einen Einheitslook zu trimmen.

Schritt 2, die Schlieren: Anhand der Schlieren, der so genannten Kirchenfenster, die Sie sehen, wenn Sie das Glas neigen, drehen und dann die Spirituose zurück ins Glas fließen lassen, lässt sich einiges über den Alkoholgehalt und das Alter des Stoffes sagen. Grundsätzlich gilt: rinnt das Tröpfchen zügig in schmalen Schlieren herunter, ist es wohl eher hochprozentig und jünger. Ist der Inhalt des Glases eher ölig, erwartet Sie ein komplexer und länger gealterter Malt.

Schritt 3, die Nase: Decken Sie Ihr Glas nun für zehn Sekunden mit der Hand zu. Ein wesentlicher Punkt bei Whisky ist die Nase, das Aroma. Aber Vorsicht, wer das komplette Organ sofort tief ins Glas hängt, wird spätestens bei Whisky Nummer drei schlapp machen. In etwa so, wie wenn Sie eine halbe Stunde in der Parfümerie zubringen. Jetzt schwenken Sie das Glas leicht und riechen.

Wichtig ist: Es gibt kein "richtig" und kein "falsch". Die Spanne reicht von blumig, fruchtig über würzig, pfeffrig bis erdig, rauchig. Wenn Sie der Geruch an Mutters Apfelkuchen, einen nassen Hund oder Ihre besten Lederschuhe erinnert, sagen Sie das! Unsere Nase hat oft gerade die Gerüche der Kindheit gespeichert, die müssen erst hervorgeholt und in Worte gefasst werden.

Schritt 4, der Geschmack: Jetzt nippen Sie - aber nicht zu zögerlich - am Glas und lassen den Whisky eine Weile über Ihre Zunge gleiten. Sie dürfen das Lebenswasser fast schon kauen. Wo schmecken Sie was? Wo süß, wo bitter, wo vielleicht sogar salzig? Hält der Geschmack, was die Nase verspricht, kommen neue Aromen auf der Zunge hinzu? Sie werden feststellen, dass ein paar Tropfen stilles Wasser im Glas sowohl den Geruch als auch den Geschmack der Spirituose verändern. Experimente sind erlaubt und erwünscht. Spaß macht es auch, zur Orientierung ein Whiskybuch mit so genannten Tasting Notes, also Verkostungsnotizen hinzuzuziehen. Was schmeckt der Experte, was finden Sie davon in Ihrem Glas wieder?

Schritt 5, der Abgang: Damit ist nicht Ihre plötzliche Flucht durch die Hintertür gemeint. Im Gegensatz zum Wein dürfen und sollen Sie Whisky schlucken, denn auch der Nachklang oder Abgang ist Teil des Genusses. Ist er kurz, mittel oder lang, kommen Aromen zurück, was bleibt im Mund haften?

Schritt 6, der Vergleich: Wiederholen Sie das Prozedere mit dem nächsten Glas in der Reihe, aber nicht ohne Ihren Gaumen mit stillem Wasser und ein wenig Brot zu neutralisieren. Später am Abend ist es spannend, die ersten, idealerweise leichteren Abfüllungen in der Reihe mit den Folgenden zu vergleichen, denn Whisky verändert sich im Glas bei Kontakt mit Sauerstoff. Küren Sie am Schluss den Favoriten. Sie werden feststellen, über Geschmack lässt sich trefflich streiten - auch unter Freunden!

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