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Sternekoch Thomas Martin testet Geräte für Heißgetränke "Knaller! Mega!"

Die Küche des Luxushotels Louis C. Jacob an der Hamburger Elbchaussee ist in vollem Betrieb. Kellner fahren mit Platten voller feiner Amuse Gueules über die Küchen-Rolltreppe nach oben ins Hotel, wo eine Gesellschaft bewirtet wird. In wenigen Stunden beginnt auch der abendliche Restaurantbetrieb im "Jacobs Restaurant". Aber Chefkoch Thomas Martin ist die Ruhe selbst und beugt sich interessiert über die elf Küchenneuheiten, die wir zum Testen mitgebracht haben.

Martin weiß genau, was man in der Küche brauchen kann und was nicht: Er ist mit zwei Michelin-Sternen dekoriert. Sein Sous-Chef Rüdiger Mehlgarten sogar mit dreien. Bei ihm ist das allerdings ganz wörtlich zu nehmen (und noch nicht vom Guide Michelin selbst autorisiert): Er hat sie sich knapp handtellergroß auf den Unterarm tätowieren lassen. Ein selbstbewusstes Statement, das seiner Karriere die Richtung vorgeben soll.

Im Test vom vergangenen Jahr hatte es einen Überraschungssieger unter den Testgeräten gegeben: Die Sushi-Bazooka, eine auf den ersten Blick ebenso fragwürdig aussehende wie merkwürdig benannte Konstruktion, die sich aber als ungemein nützlich erwies. Auch in diesem Jahr erwiesen sich einige Geräte, die als Favoriten ins Rennen gegangen waren, in der Praxis als eher nicht so toll - und andere, von denen man es nicht erwartet hätte, als großartige Küchenhelfer.

Wir stellen die Geräte in Einzeltests vor. In der ersten Folge: Neue Gadgets für Tee, Kaffee, heiße Schokolade und heißes Wasser.

Auf Knopfdruck Kakao: Lono Milk & Choc

Hier geht es zur zweiten Folge mit Autocook Pro, Multi-Pfanne und Spiralschneider. Vier Milchgetränke kann der Induktionsmilchaufschäumer Lono Milk & Choc zubereiten: Heißen Milchschaum, kalten Milchschaum, heiße Milch und heiße Schokolade - letzteres eine Neuerung für die Geräteserie von WMF.

An dem zylindrisch kompakten, mattgebürsteten Edelstahlgerät gefällt Martin vor allem eines: Die intuitive Bedienung. Wenn man einen heißen Kakao möchte, muss man nur zwei Teile in den Behälter stecken - dabei kann man nichts falsch machen. Und zur Bedienung gibt es nur einen Knopf. "Das ist so unkompliziert, dass Herr Martin das hinbekommt" freut sich Martin selbstironisch.

150 bis 350 Milliliter Milch dürfen hinein und, laut Anleitung, maximal 34 Gramm Schokolade. Was wohl passieren würde, wenn man 35 Gramm hineintäte? Egal: eine normale Tafel hat 100 Gramm, mit einem Drittel wäre man also auf der sicheren Seite. In der Sterneküche gibt es natürlich nur große Schokoladendrops - und portioniert wird nach Gefühl. Viermal auf den Knopf gedrückt, bis das richtige Symbol aufleuchtet, und dann fängt das Gerät an zu heizen und zu rühren.

Die fertige Schokolade: Ein Traum. Oder, wie Thomas Martin es formuliert: "Knaller! Mega!" Keine angebrannten Milchreste, keine Schokoladenschmiererei in der Kanne - und in der Tasse ein Kakao mit "toller Konsistenz, sämiger Bindung, ganz toll, würde ich mir kaufen", urteilt Martin.

Lono Milk & Choc, WMF , 99 Euro

Wer will einen Kakao? Thomas Martin hat Spaß an der neuen Maschine

Wer will einen Kakao? Thomas Martin hat Spaß an der neuen Maschine

Foto: manager magazin online

Espresso to go: Minipresso für unterwegs

Das Gerät sieht ein bisschen aus wie ein Projektil. Thomas Martin betrachtet die knapp brillenetuigroße, schwarze Kapsel skeptisch: "Helfen Sie mir, wofür braucht man das?"

Das kleine Geräte ist eine winzige Espressomaschine für unterwegs - man kann damit genau zwei Tassen Espresso zubereiten. Nur heißes Wasser braucht man, und natürlich Kaffeepulver. Das Prinzip: Man öffnet das Gerät, füllt das Pulver ein, kochendes Wasser, dann schnell wieder zusammengeschraubt und mit dem ausfahrbaren Pumpknopf solange gepumpt, bis man zwei Tässchen fertig hat.

Martin und Mehlgarten probieren: Genießbar ist er, der Espresso, allerdings bemängeln sie, dass er nicht richtig heiß ist - das allerdings mag vor allem daran liegen, dass die beiden noch eine Weile miteinander diskutiert haben, während das mit heißem Wasser gefüllte Gerät geduldig seiner Bedienung harrte.

Nur eines versteht Martin nicht: "Wenn ich einen Espresso will, kann ich doch einfach zum nächsten Bäcker gehen, die gibt es doch überall." Offenbar bewegt sich der Mann selten in der Wildnis. Fazit: Ein lustiges und auch funktionierendes Gadget, aber wer braucht das?

Minipresso, 64,95 Euro, überRadbag.de 

Und jetzt auf in die Wildnis: Die Sterneköche beim Testen der Minipresso

Und jetzt auf in die Wildnis: Die Sterneköche beim Testen der Minipresso

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Wasserkochen für Fortgeschrittene: iKettle 2.0

Ein Wasserkocher, der erstmal die Emailadresse will? Wer denkt, dass alle nur mit Wasser kochen, weiß nicht, dass auch das ein überraschend komplexer Hightech-Prozess sein kann. Jedenfalls für Nerds, die auch ihren Wasserkocher noch per App übers Smartphone kontrollieren wollen.

In der Basis des iKettle, der stattliche 1,8 Liter fasst, ist ein WLAN-Modul verbaut, das sich mit dem heimischen Netzwerk verbindet. Die passende App gibt es fürs iPhone und für Android-Smartphones in den jeweiligen Stores.

Man kann damit aus der Ferne (oder vom Bett aus) den Wasserstand kontrollieren, eine Wunschtemperatur zwischen 23 und 100 Grad Celsius auswählen und das Wasser auch warmhalten. So kann man exakt temperieren, etwa für grünen Tee oder Babybreie. Außerdem gibt es einen Timer und eine Abkochfunktion. Sollte nicht ausreichend Wasser im Gerät sein, schaltet es sich automatisch ab.

Der Wasserkocher kann sogar als Wecker fungieren - und man kann ihn auch so einrichten, dass er automatisch anfängt zu brodeln, wenn man nach Hause kommt und das eigene Handy sich im WLAN anmeldet. Wer alleine wohnt und sich einsam fühlt, kann wenigstens mit seinem Wasserkocher kommunizieren.

Thomas Martin lobt das Design. Schick sieht er ja aus, der iKettle, ein matter Edelstahlzylinder mit solider Deckelklappe, die auf Knopfdruck aufspringt. Natürlich kann man ihn auch mit einem Knopf einschalten, ganz ohne Handy. Das Gerät sei "witzig für Geeks und Computerfans", urteilt Martin: "Für mich als Pragmat ist das aber eher schwierig." Er fragt zwei Mitarbeiter, ob sie sich so ein Gerät zulegen würden: "Nette Idee, aber würde ich mir nicht holen", sagt der eine, "ich trinke nur Kaffee", winkt der andere ab.

Gut, der iKettle kostet zehn Mal soviel wie ein einfaches Gerät. Aber das muss kein Ausschlusskriterium sein - schließlich gibt es ja jedes Konsumgut vom Kaffeebecher bis zum Auto in den unterschiedlichsten Preisklassen.

iKettle 2.0, Smarter, 109 Euro, über Coolstuff.de 

Kocht auch nur mit Wasser: iKettle

Kocht auch nur mit Wasser: iKettle

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Tee mit Temperaturkontrolle: Tee- und Wasserkocher 2in1

Meist geht Teekochen so: Wasserkocher an, Teebeutel oder -sieb mit losem Tee in die Kanne, aufgießen, ziehen lassen, fertig. "Teekochen ist halt Teekochen" stellt Rüdiger Mehlgarten gelassen fest. Versucht WMF, mit dem "Tee- und Wasserkocher 2in1" ein Problem zu lösen, das niemand hat?

Das gläserne Gerät bietet eine Vorauswahl der wichtigsten Temperaturstufen und ein Teesieb in vernünftiger Größe, das man direkt in den Kocher absenken kann, sobald das Wasser brodelt (oder die für grünen Tee erforderlichen 70 Grad erreicht hat). Alles ist solide verarbeitet, die Handhabung macht Spaß. Wenn der Tee fertig ist, kann man das Sieb mit einer Magnethalterung am Deckel fixieren - das wirkt alles gut durchdacht. "Und der Tee bleibt länger heiß, weil das Stövchen quasi integriert ist", lobt Mehlgarten. "Sieht auch schön aus" findet Martin.

Lono Tee- und Wasserkocher 2in1,WMF , 129 Euro

Abwarten und Tee kochen: Thomas Martin mit kombiniertem Tee- und Wasserkocher

Abwarten und Tee kochen: Thomas Martin mit kombiniertem Tee- und Wasserkocher

Foto: manager magazin online
Die Testgeräte wurden unserer Redaktion von Händlern und Herstellern leihweise zur Verfügung gestellt.