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Laphroaig: Der Geschmack von Islay

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Master Distiller John Campbell "Japanischer Whisky? Seltsame Frage."

John Campbell ist Master Distiller bei der schottischen Whiskybrennerei Laphroaig. Die gehört seit kurzem einem japanischen Konzern - demselben, der laut "Whisky Bible" den besten Whisky der Welt herstellt. Ein Gespräch über Aromen, Trends und Traditionen.

mm: Herr Campbell, was ist Ihr liebster japanischer Whisky?

Campbell: Japanischer Whisky? Seltsame Frage. Aber gut. Wahrscheinlich der Hibiki 17 Years old.

mm: So seltsam ist die Frage nicht - es gibt ja einen aktuellen Anlass: Erstmals taucht in Jim Murrays "Whisky Bible" auf den ersten fünf Plätzen kein einziger schottischer Whisky auf. Auf Platz eins kam ein Japaner, der Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013.

Campbell: Das ist die Meinung eines einzelnen Mannes. Wenn man andere Leute fragt, was ihr Lieblingswhisky ist, bekommt man wahrscheinlich andere Antworten. Jeder sollte für sich selbst entscheiden.

mm: Japan spielt aber auch für Laphroaig eine wichtige Rolle - seit April gehört Ihre Brennerei zum japanischen Suntory-Konzern. Was hat sich für Sie dadurch geändert?

Campbell: Nichts. Und es wird sich auch nichts ändern. Wir sind seit 200 Jahren erfolgreich mit dem, was wir tun und wie wir es tun. Warum sollten wir etwas ändern? Wir sind eine der erfolgreichsten Single-Malt-Marken und die absatzstärkste im Bereich torfiger Whiskys - es wäre töricht, wenn wir irgendetwas anders machen würden.

mm: Vielleicht nicht am Produkt. Hat sich die Unternehmenskultur geändert?

Campbell: Das ist aber das Wichtigste für mich: Am Produkt ändert sich nichts. Wir hatten schon amerikanische Eigentümer, britische, kanadische - aber wir machen auf Islay unseren Whisky einfach so wie immer. Klar, wir unterliegen jetzt japanischen Gesetzen, vorher waren es amerikanische. Und natürlich hat ein Eigentümerwechsel immer auch Einfluss auf die Firmenkultur - aber dem wollen wir uns auch gar nicht verschließen: Bei guten Ideen ist es doch egal, ob sie aus Amerika, England oder Japan kommen. Wir lernen gerne.

mm: Sie haben gerade mit dem Select einen neuen No Age Statement Whisky auf den Markt gebracht, einen Single Malt ohne Altersangabe. Warum ist das so ein wichtiger Trend?

Campbell: Wir waren schon 2004 eine der ersten Destillerien, die einen non-age stated Whisky auf den Markt gebracht haben, unseren Quarter Cask. Dieser war auf Anhieb unheimlich erfolgreich. Innerhalb der letzten zehn Jahre war das der Laphroaig, dessen Nachfrage am stärksten gestiegen ist. Die No Age Statements sind zum Teil auch eine Reaktion darauf, dass die Nachfrage nach Single Malts in den vergangen Jahren extrem gestiegen ist. Darauf müssen wir reagieren. Natürlich finden sich in vielen Abfüllungen auch jüngere Whiskys. Das heißt aber nicht, dass sie schlechter sind! Viele Leute mögen diesen Geschmack sogar lieber als den der älteren. Wenn man nur auf das Alter des Whiskys achtet, bringt man sich um viele andere Kriterien, die genauso wichtig für die Qualität sind. Man sollte einfach ausprobieren, was einem schmeckt.

mm: Aber das Alter hat sich ja über Jahrzehnte als eines der wichtigsten Kauf- und Qualitätskriterien bewährt.

Campbell: Ja, und für viele Leute wird es das auch bleiben. Das ist völlig okay. No Age Statements sind ja nicht besser oder schlechter, es ist einfach ein anderer Ansatz. Die Zielgruppe ist sehr viel breiter und vielschichtiger. Wir geben ihnen damit verschiedene Qualitäten an die Hand. Gleichzeitig müssen wir unseren Kunden auch vermitteln, was wir tun und warum wir es tun. Mit dem Laphroaig Select, der übrigens überwiegend ältere Whiskys enthält, gehen wir im Grunde auf das zurück, was wir schon vor hundert Jahren gemacht haben. No Age Statements geben uns Master Distillern mehr Freiheiten, Aromen zu kombinieren, mit Abfüllungen und Fasssorten zu experimentieren, ohne immer nur aufs Alter schauen zu müssen.

"Ich bin eher Sender als Empfänger in den sozialen Medien"

mm: In jüngster Zeit war viel über den sogenannten Whisky Drift zu lesen - die geschmackliche Verflachung bewährter Whiskys durch subtile Veränderungen bei den Blends, größere Anteile jüngerer Jahrgänge, schlechtere Fässer, weil im Zuge des Whisky-Booms diese Ressourcen knapp werden. Wie urteilen Sie darüber?

Campbell: Ich kann nur für Laphroaig sprechen: Wir setzen auf Qualität. Über andere Marken kann ich nicht urteilen.

mm: Sie werden doch vergleichen.

Campbell: Die Leute denken immer, dass ich alles über jeden Whisky weiß! Aber das stimmt nicht. Ich weiß alles über Laphroaig, das ist meine Aufgabe. Ich trinke gar nicht so viele andere Whiskys. Meine Aufgabe ist es, die Laphroaig-DNA zu erhalten. Das ist der zentrale Punkt. Mein Referenzpunkt sind immer unsere früheren Abfüllungen, um sicherzugehen, dass ich da auf dem richtigen Weg bin. Was Medien schreiben, lese ich nicht. Ich bin in den sozialen Medien unterwegs, aber eher als Sender denn als Empfänger. Zudem haben wir das beste Korrektiv, das man sich denken kann: Unserem Kundenclub, den Friends of Laphroaig, gehören mittlerweile 640.000 Menschen an. Diesen Leuten bin ich verpflichtet, und die würden mir auch sagen, wenn etwas nicht in Ordnung wäre. Ich kenne meinen Platz. Ich halte die Fackel und hoffe, dass ich sie an die nächste Generation weiterreichen kann.

mm: Wie können Sie denn der starken Nachfrage in den neuen Märkten, etwa in Indien, nachkommen?

Campbell: Das können wir nicht. Deshalb tun wir es auch nicht. Wir gehen nicht nach Indien und China, weil unsere hiesigen Märkte so schnell wachsen, vor allem Deutschland, dass wir damit mehr als genug zu tun haben. In den USA ist die Nachfrage um 17 Prozent gestiegen. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Wir wollen wachsen, aber vor zehn Jahren konnte keiner ahnen, wie stark die Nachfrage steigen würde. Im Whiskygeschäft muss man ja immer lange voraus denken - man kann ja keinen zehn Jahre alten Whisky hurtig nachproduzieren. Das dauert nun mal seine Zeit.

mm: Was wird das nächste große Ding in der Whisky-Welt - nach den No Age Statements?

Campbell: Der geradlinige asiatische Stil findet tatsächlich immer mehr Freunde, darauf reagieren wir, etwa, indem wir für den Duty-Free-Bereich Whiskys entwickelt haben, die sehr stark auf amerikanische Eiche setzen. Laphroaig ist eine sehr traditionelle Marke, aber wir verschließen uns nicht der Innovation. Wir machen ja nichts nur nach Gefühl, sondern wir testen, wir entwickeln, wir diskutieren mit unseren Kunden. Wir haben sechs verschiedene Versionen des Select entwickelt, bevor er marktreif war -und die Friends of Laphroaig haben entschieden, welches der Beste war. Unsere Kunden gestalten die Marke aktiv mit, und das ist extrem wichtig für uns.

mm: Kommen wir doch noch einmal zurück auf Whisky-Bible-Autor Murray. Er hat gesagt, die schottische Whiskyindustrie solle sich doch auf ihre Wurzeln rückbesinnen und ein wenig Demut lernen.

Campbell: Vielleicht mag er Innovation nicht so gerne (lacht). Es gibt ja einen einfachen Weg, herauszufinden, ob wir ein gutes Produkt herstellen: Man beobachtet, ob die Leute es kaufen. Der Kunde hat immer Recht. Und unserer Firma geht es gut - unsere Kunden mögen offenbar, was wir tun.

mm: Es ist ein Trendthema, Whisky auch zu Speisen aufzutischen - wie Wein. Welche Empfehlungen geben Sie dafür?

Campbell: Das Food pairing muss lokal sein. Auf die jeweilige Kultur und deren Essgewohnheiten abgestimmt. Sonst funktioniert es nicht.

mm: Was essen Sie denn zum Whisky?

Campbell: Viel Fisch und Meeresfrüchte. Eben das, was es auf Islay ausgezeichnet gibt. Zu unserem Laphroaig 18 Years Old passt Fleisch sehr gut. Der 10 Years Old oder der Quarter Cask passt prima zu Fisch, finde ich.

mm: Und welchen Whisky würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Campbell: Den Laphroaig 10 Years old. Das ist die Essenz der Marke und die Region in einem Glas. Davon zu trinken ist wie auf Islay auf dem Pier zu stehen und die Seeluft einzuatmen. Der zehnjährige ist die Referenzgröße, an dem sich alle unsere neuen Abfüllungen messen müssen.

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