Donnerstag, 19. September 2019

Master Distiller John Campbell "Japanischer Whisky? Seltsame Frage."

Laphroaig: Der Geschmack von Islay
Laphroaig

John Campbell ist Master Distiller bei der schottischen Whiskybrennerei Laphroaig. Die gehört seit kurzem einem japanischen Konzern - demselben, der laut "Whisky Bible" den besten Whisky der Welt herstellt. Ein Gespräch über Aromen, Trends und Traditionen.

mm: Herr Campbell, was ist Ihr liebster japanischer Whisky?

Campbell: Japanischer Whisky? Seltsame Frage. Aber gut. Wahrscheinlich der Hibiki 17 Years old.

mm: So seltsam ist die Frage nicht - es gibt ja einen aktuellen Anlass: Erstmals taucht in Jim Murrays "Whisky Bible" auf den ersten fünf Plätzen kein einziger schottischer Whisky auf. Auf Platz eins kam ein Japaner, der Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013.

Campbell: Das ist die Meinung eines einzelnen Mannes. Wenn man andere Leute fragt, was ihr Lieblingswhisky ist, bekommt man wahrscheinlich andere Antworten. Jeder sollte für sich selbst entscheiden.

mm: Japan spielt aber auch für Laphroaig eine wichtige Rolle - seit April gehört Ihre Brennerei zum japanischen Suntory-Konzern. Was hat sich für Sie dadurch geändert?

Campbell: Nichts. Und es wird sich auch nichts ändern. Wir sind seit 200 Jahren erfolgreich mit dem, was wir tun und wie wir es tun. Warum sollten wir etwas ändern? Wir sind eine der erfolgreichsten Single-Malt-Marken und die absatzstärkste im Bereich torfiger Whiskys - es wäre töricht, wenn wir irgendetwas anders machen würden.

mm: Vielleicht nicht am Produkt. Hat sich die Unternehmenskultur geändert?

Campbell: Das ist aber das Wichtigste für mich: Am Produkt ändert sich nichts. Wir hatten schon amerikanische Eigentümer, britische, kanadische - aber wir machen auf Islay unseren Whisky einfach so wie immer. Klar, wir unterliegen jetzt japanischen Gesetzen, vorher waren es amerikanische. Und natürlich hat ein Eigentümerwechsel immer auch Einfluss auf die Firmenkultur - aber dem wollen wir uns auch gar nicht verschließen: Bei guten Ideen ist es doch egal, ob sie aus Amerika, England oder Japan kommen. Wir lernen gerne.

mm: Sie haben gerade mit dem Select einen neuen No Age Statement Whisky auf den Markt gebracht, einen Single Malt ohne Altersangabe. Warum ist das so ein wichtiger Trend?

Campbell: Wir waren schon 2004 eine der ersten Destillerien, die einen non-age stated Whisky auf den Markt gebracht haben, unseren Quarter Cask. Dieser war auf Anhieb unheimlich erfolgreich. Innerhalb der letzten zehn Jahre war das der Laphroaig, dessen Nachfrage am stärksten gestiegen ist. Die No Age Statements sind zum Teil auch eine Reaktion darauf, dass die Nachfrage nach Single Malts in den vergangen Jahren extrem gestiegen ist. Darauf müssen wir reagieren. Natürlich finden sich in vielen Abfüllungen auch jüngere Whiskys. Das heißt aber nicht, dass sie schlechter sind! Viele Leute mögen diesen Geschmack sogar lieber als den der älteren. Wenn man nur auf das Alter des Whiskys achtet, bringt man sich um viele andere Kriterien, die genauso wichtig für die Qualität sind. Man sollte einfach ausprobieren, was einem schmeckt.

mm: Aber das Alter hat sich ja über Jahrzehnte als eines der wichtigsten Kauf- und Qualitätskriterien bewährt.

Campbell: Ja, und für viele Leute wird es das auch bleiben. Das ist völlig okay. No Age Statements sind ja nicht besser oder schlechter, es ist einfach ein anderer Ansatz. Die Zielgruppe ist sehr viel breiter und vielschichtiger. Wir geben ihnen damit verschiedene Qualitäten an die Hand. Gleichzeitig müssen wir unseren Kunden auch vermitteln, was wir tun und warum wir es tun. Mit dem Laphroaig Select, der übrigens überwiegend ältere Whiskys enthält, gehen wir im Grunde auf das zurück, was wir schon vor hundert Jahren gemacht haben. No Age Statements geben uns Master Distillern mehr Freiheiten, Aromen zu kombinieren, mit Abfüllungen und Fasssorten zu experimentieren, ohne immer nur aufs Alter schauen zu müssen.

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