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250 Jahre Hennessy: Große Fässer auf großer Tour

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Maurice Hennessy über Cognac "Vergessen Sie bitte nicht den Labrador und die Zigarre!"

mm: Herr Hennessy, können Sie sich an Ihr allererstes Glas Cognac erinnern?

Hennessy: Nein. Aber ich kann mich an das erste Glas erinnern, das ich wirklich genossen habe. Da war ich schon Anfang 20. In meiner Familie wird auch nicht mit Cognac getauft, wenn Sie das erwartet haben.

mm: Was genau ist der Unterschied zwischen "ein Glas Cognac trinken" und "ein Glas Cognac genießen"?

Maurice Hennessy
Foto: Hennessy

Maurice Hennessy ist Global Brand Ambassador der gleichnamigen Cognacmarke - sein Urahn, der Ire Richard Hennessy hatte das Haus sieben Generationen zuvor im Jahre 1765 gegründet. Maurice Hennessy besitzt selbst ein Weingut und steuert Weine zur Cognacproduktion bei.

Hennessy: Es braucht etliche Gläser, die man nicht genießt, bis man anfängt, den Geschmack und die Fülle der Aromen wirklich würdigen zu können. Man denkt nicht gleich beim ersten Glas "wow, das ist es." So funktioniert Cognac nicht. Man muss das Genießen lernen. Die meisten Leute fangen deshalb auch nicht mit purem Cognac an. Ich hatte auch erst einen Hennessy mit Tonic, bevor ich ihn pur gekostet habe.

mm: Warum?

Hennessy: Das zähmt ihn. Es ist einfacher, sich Cognac auf diese Weise anzunähern. Das ist wie mit klassischer Musik. Wenn man damit anfängt, hört man sich auch nicht als allererstes eine Fünf-Stunden-Oper von Wagner an, nicht wahr? Cognac-Cocktails sind leichter, einfacher zu genießen. Und es gibt wundervolle Mixologen, die Cognac lieben und wunderbare Drinks damit zaubern können, die den Zugang leicht machen. Leute, die Spirituosen gar nicht gewohnt sind, finden das erste Glas Cognac meist gewöhnungsbedürftig.

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Video: Maurice Hennessy über die Do's and Don'ts beim Cognactrinken (englisch)

mm: Sie haben eine sehr, sehr lange Familiengeschichte und sind in achter Generation im Unternehmen. Waren Sie nie in Versuchung, einfach Ihren Namen zu ändern und etwas ganz anderes zu machen als das, was alle von Ihnen erwarteten?

Hennessy: Nein. Wieso denn? Ich könnte mir wahrlich Schlimmeres im Leben vorstellen, als ein Hennessy zu sein.

mm: Entschuldigung, das wollte ich auch nicht unterstellen. Aber es ist ja nichts, was Sie sich selbst ausgesucht haben, oder? Da ist der Lebensweg dann doch schon sehr vorgezeichnet.

Hennessy: Aber nicht doch. Ich hatte immer die Wahl. Mein Vater war Nuklearwissenschaftler, der hatte mit dem Cognac-Geschäft nichts zu tun. Er ermunterte mich, meinen eigenen Weg zu gehen. Deshalb habe ich zunächst Landwirtschaft studiert und bin für einige Zeit nach Afrika gegangen.

mm: Wann haben Sie entschieden, Ihr Berufsleben dann doch dem Cognac zu widmen?

Hennessy: Als Landwirtschaftsstudent musste ich Praktika machen, eines davon war im Verkauf - ich arbeitete bei einer Firma, die auch Hennessy und Moët & Chandon vertrieb, Whiskys und andere Spirituosen. Ich besuchte Kunden, ich machte sogar Merchandising im Supermarkt. Ich war erfolgreich. Der damalige Hennessy-Chef meinte, wenn ich fertig damit sei, Afrika zu retten, könnte ich gern bei ihm anfangen. 1975 kam ich zurück, und ich habe meinen Platz bei Hennessy gefunden.

mm: Wie würden Sie einem Kind erklären, was ein Global Brand Ambassador macht?

Hennessy: Das ist ein Job, der viel Spaß macht! Ich bereise die ganze Welt, treffe Kunden, Journalisten, Promis, rede mit denen, erkläre, wie Cognac gemacht wird. Das ist schon toll, auch wenn es manchmal anstrengend ist.

mm: Wie stellen Sie sich Leuten vor, die Sie nicht kennen? Wenn Sie in einem Hotel einchecken, sagen Sie: "Hennessy, so wie der Cognac"?

Hennessy: Nein. Ich sage einfach meinen Namen. Hotelleute sind sehr diskret, die fragen dann auch nicht nach. Bei der Zollabfertigung passiert das schon eher, dass ich scherzhaft nach Proben oder Tipps gefragt werde.

"Man kann sich seine Kunden nicht aussuchen"

mm: In Deutschland hat Cognac eher ein Altherren-Image, der Schwenker vor dem Kamin…

Hennessy: Vergessen Sie bitte nicht den Labrador und die Zigarre!

mm: … in Amerika haben Sie viele Fans unter schwarzen Rappern, mit denen Sie zum Teil koopieren. In Asien haben Sie Fans unter reichen Geschäftsleuten - und hatten auch Kunden wie den früheren nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il, der Jahr für Jahr mehrere hunderttausend US-Dollar für feine Spirituosen ausgab.

Hennessy: Mag sein. Aber sicher nicht nur für Hennessy. Man kann sich seine Kunden nicht aussuchen. Klar ist: Asiaten, übrigens auch Südkoreaner und Chinesen, kaufen gerne teure Spirituosen, wenn sie sie sich leisten können. Die kaufen immer das Beste. Es ist ein bisschen simpel, zu sagen: Kim Jong-Il war ein Hennessy-Fan. Der hat alles mögliche gekauft.

mm: Wer wäre Ihnen als Kunde denn wirklich unangenehm? Bei wem würden Sie innerlich zusammenzucken, wenn Sie ihn mit einem Glas feinstem Hennessy in der Hand sehen würden?

Hennessy: Wie will ich denn wissen, wer unseren Cognac kauft? Es gibt ja auf der Welt nicht nur nette Leute. Die atmen dieselbe Luft wie wir, die leben auf demselben Planeten, manche trinken auch Cognac. Das kann man ja nicht verhindern. Was ich aber weiß, ist: Wenn wir unseren Cognac verkaufen, dann profitieren die richtigen Leute davon. Unsere Weinbauern, die anständig produzieren. Wissen Sie denn, wer alles Ihre Artikel liest? Da sind vielleicht auch welche dabei, mit denen Sie persönlich Probleme hätten.

mm: Sie haben ja selbst auch ein recht großes Weingut, aber Sie produzieren selbst keinen Cognac. Warum nicht?

Hennessy: Hennessy macht das einfach besser, als ich es könnte. Cognac ist ja eine komplexe Spirituose aus vielen einzelnen Elementen. Das lässt sich mit einem philharmonischen Orchester vergleichen, da kommen auch viele einzelne Instrumente zusammen. In diesem Orchester spiele ich mit meinen Weinen vielleicht die Piccolo-Flöte - ich bin stolz darauf, dabei zu sein. Ich muss kein Solist sein.

mm: Und wie genießt man Cognac am besten? Die Franzosen machen sich ja gerne mal über die Deutschen lustig, die Cognac aus "Aquarien" trinken - riesigen, bauchigen Schwenkern…

Hennessy: Das sind nicht nur die Deutschen. Viele eher altmodische Cognactrinker in Belgien, Frankreich, der Türkei machen das auch so. Wir bei Hennessy glauben, dass das nicht optimal ist. Man sollte besser ein tulpenförmiges, nicht allzu großes Stielglas benutzen, ein Nosing-Glas, damit sich die Aromen nicht verlieren. Manche Leute trinken ihn nur als Longdrink. Oder im Kaffee. Es gibt Leute, die würden ihn nie pur trinken. Ein guter Mixologe bekommt es hin, den Cognac auch als Cocktail würdig zu inszenieren. Wenn Sie anfangen, pur zu trinken, trinken Sie ihn erstmal on the rocks. Das geht vorzüglich.

mm: Welche Landesküche passt am besten zu Cognac?

Cognac

Hennessy: Asiatische passt ganz hervorragend. Besonders zu einem XO. Aber europäische Küche geht auch - dunkle Schokolade, Orangenfilets, das passt sehr gut zusammen. Und man kann Cognac sehr gut zum Kochen verwenden. Aber bitte, bitte keinen billigen. Auch nicht zum Flambieren. Vielleicht keinen XO, aber ein VS sollte es schon sein. (Siehe Kasten links)

mm: Ihre groß angelegte Wanderausstellung zum 250. Firmengeburtstag startete im chinesischen Guangzhou. Wäre Irland nicht die logischere Wahl gewesen? Schließlich war es ein Ire, Richard Hennessy, der die Firma 1765 gründete.

Hennessy: Wir haben tatsächlich zur Feier des Jubiläums zuerst rund 200 unserer Distiller nach Irland eingeladen. Wenn Sie so wollen, ein Besuch der Basis an der Basis. Die Ausstellung geht weiter nach Moskau, New York, Johannesburg und Paris.

mm: In China hatten Sie zuletzt Probleme - der Gewinn brach um 16 Prozent ein, seit das Anti-Korruptions-Gesetz dort in Kraft trat, das auch das Verschenken teurer Spirituosen an Geschäftsfreunde und Partner in Behörden unter Strafe stellt. Wie will Hennessy dieses Problem lösen?

Hennessy: Die chinesische Regierung will Korruption bekämpfen. Das ist eine sehr gute Idee. Aber das heißt ja nicht, dass wir in China keinen Cognac mehr verkaufen. Besonders unter jungen Leuten ist das dort eine sehr beliebte Spirituose. Auf lange Sicht begrüßen wir das Gesetz, auch wenn es uns erst einmal Umsatz gekostet hat. Es ist nie eine gute Idee, eine Ökonomie auf Korruption aufzubauen.

mm: Kommen wir noch einmal auf die heterogenen Zielgruppen zurück: Chinesische Geschäftsleute, junge Rapper, ältere Herren mit Labrador. Wo schlägt Ihr Herz?

Hennessy: Man trinkt ja nie alleine. Und damit meine ich nicht den Labrador! Ich mag Cocktails immer noch, und Bars sind ein wunderbarer Ort, um Cognac zu genießen - genauso wie der Sessel am Kamin. Das hat alles seine Berechtigung.

mm: Sie sprechen davon, dass Cognac eine Seele hat, einen Charakter. Wenn Sie sich Ihren XO als Menschen vorstellen, was wäre das für ein Mensch?

Hennessy: Ein Mann, sicherlich. Keine Krawatte, eher sportlich. Wahrscheinlich wäre er ein guter Ruderer. Oder ein Boxer.

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