Mittwoch, 13. November 2019

Wein, Käse, Butter, Olivenöl, Whisky ... US-Strafzölle auf EU-Produkte treten in Kraft

Die USA sind nach Frankreich der zweitwichtigste Exportmarkt für Parmesan. Der beliebte Käse verteuert sich in den USA nun empfindlich
Alberto PIZZOLI / AFP
Die USA sind nach Frankreich der zweitwichtigste Exportmarkt für Parmesan. Der beliebte Käse verteuert sich in den USA nun empfindlich

Kein guter Tag für Gourmets in den Vereinigten Staaten, kein guter Tag für die Erzeuger von Spitzenlebensmitteln in Europa: Denn die von den USA erlassenen Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf zahlreiche Produkte aus Europa sind am Freitag in Kraft getreten. Acht Seiten umfasst die Liste: Betroffen sind zum Beispiel Wein aus Deutschland und Frankreich, Parmesan aus Italien, Olivenöl aus Spanien sowie Butter aus Irland oder Whisky aus Schottland.

Beim Import von Flugzeugen, die ja Anlass des Handelsstreits waren, wird eine zusätzliche Abgabe von lediglich 10 Prozent fällig. Die Strafzölle werden die Einfuhr europäischer Produkte in die USA verteuern. Weichen Verbraucher dort auf günstigere Alternativen aus, könnten die EU-Exporte sinken.

Die USA hatten die Zölle Anfang Oktober als Vergeltung für rechtswidrige EU-Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus angekündigt. Schlichter der Welthandelsorganisation (WTO) hatten der US-Regierung das Recht zugesprochen, Strafzölle von bis zu 100 Prozent auf Waren im Wert von 7,5 Milliarden Dollar zu erheben.

Warum die Flugzeugindustrie glimpflich davonkommt

Die USA haben also das ihn rechtlich zustehende Maß bei weitem nicht ausgenutzt. Im Fall importierter Flugzeuge oder Flugzeugteile aus Europa gibt es eine einfache Erklärung: Die europäische und die US-amerikanische Flugzeugindustrie sind eng miteinander verwoben. Zölle auf Importe aus Europa würden dann auch die Flugzeugindustrie in den USA belasten. Nicht zuletzt sind etliche US-Fluggesellschaften Airbus-Kunden. Zölle auf Teile oder Maschinen würde ihr ohnehin schon hart umkämpftes Geschäft noch erschweren.

Brüssel droht nun mit Vergeltung, denn die Europäische Union hatte in einem ähnlichen Verfahren um Subventionen für den US-Luftfahrtkonzern Boeing Recht bekommen. Die EU könnte daher im kommenden Jahr ebenfalls Strafzölle in ähnlicher Höhe erheben - die WTO-Entscheidung dazu wird aber erst 2020 fallen.

Nächste Eskalationsstufe - Zölle auf Autos aus Europa

Am Parmesan aus Italien lassen sich die Auswirkungen der jüngsten Strafzölle gut ablesen. Amerikaner müssten dann nicht mehr rund 40 US-Dollar pro Kilo zahlen, sondern 45 US-Dollar. Die USA sind nach Frankreich der zweitwichtigste Exportmarkt für Parmesan.

Das Handelsvolumen zwischen der EU und den USA inklusive Dienstleistungen betrug nach US-Angaben 2018 rund 1,3 Billionen US-Dollar. Für die USA sind die EU-Länder zusammen der wichtigste Exportmarkt.

Doch trotz der Bedeutung der gemeinsamen Handelsbeziehungen droht schon Mitte November neuer Ärger: Die US-Regierung will dann über die Einführung von Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU entscheiden. Sollte es dazu kommen, würde die EU wohl ebenfalls Zölle verhängen. Damit wäre eine massive Eskalation des Handelskonflikts der beiden großen Volkswirtschaften wohl unvermeidbar.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die USA Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU eingeführt. Brüssel verhängte daraufhin Importabgaben für US-Produkte in etwa gleicher Höhe.

rei/dpa

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