Großer Schaumwein-Test Champagner für alle!

Zum Jahresende knallen die Korken. manager magazin online hat die besten Schaumweine für die Feiertage gefunden: Champagner, Crémants, Winzersekte, Cavas und prickelnde Weine aus Franciacorta und Trentodoc, die ihren Preis wert sind.
Von Christian Wenger
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Schaumwein-Test: Das sind die besten Champagner

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Hamburg - Schaumweine sind beliebt. Die Bläschen sind lebhaft und erfrischend - besonders zu den Festtagen und vor allem Sylvester. Es ist die Kohlensäure, die das Prizzeln macht. Die aufsteigenden Bläschen transportieren Geruchs- und Geschmacksaromen, erfrischen den Gaumen, sind angenehm in der Nase und beflügeln Gedanken und Worte.

Schaumweine können staubtrocken sein und leicht, mit prickelnder Säure, stahlig-herb mit markantem Körper, auch luftig, hellgelb, von feiner Süße mit cremig-sanften, kleinen Bläschen oder mit einer schon zum dunkelgelb tendierenden Farbe und einer leichten Altersnote, die als sogenannter Firn durchaus ihre Liebhaber hat.

In den Nachbarländern werden flaschenvergorene, hochwertige Schaumweine und Champagner viel häufiger getrunken. In Italien bietet eine gute Bar neben allen Arten von Kaffee und appetitlichen Häppchen zur Apéro-Stunde auch ein umfangreiches Angebot an Schaumweinen: Champagner von kleinen, ausgesuchten Produzenten und einheimischen Spumante aus dem Piemont und der Franciacorta. Stets auch glasweise ab fünf Euro.

Ein guter Schaumwein präsentiert sich im Glas leuchtend und funkelnd, weil durchsetzt von vielen feinen, zarten Bläschen. In der Nase vermittelt er viel Frische und lebendige Aromen nach Zitrusfrüchten, Apfel, Aprikosen, weißen Blüten und, je nach Typ und Alter, Anklänge an rote Beeren, Blutorangen, Trockenfrüchte, Röstaromen, Brioche, Honig und exotische Früchte. Eine straffe Mineralität kann er haben, im Gaumen soll er elegant zwischen Säure und Süße balancieren, cremig, finessenreich und unaufdringlich sein, ein klares, intensives Mundgefühl vermitteln, Tiefe und Länge haben und insgesamt Lust auf ein nächstes Glas machen.

Die Deutschen trinken gerne Schaumwein

Die Zahl der jährlich in der Bundesrepublik verkauften Schaumweine ist imposant. 34 Herkunftsländer verzeichnet die Schaumwein-Einfuhrstatistik. Rund 430 Millionen Flaschen wurden 2013 in der Bundesrepublik getrunken. Die Deutschen neigen dabei zu den günstigen Produkten. Im Ranking der meistgekauften Getränke in der Bevölkerung im Jahr 2014 rangieren Sekt und Prosecco mit 23,7 Prozent vor Weiß- und Roséwein und sehr deutlich vor Champagner, der mit 2,5 Prozent das Schlusslicht in der Statistik bildet.

Dafür führen die Deutschen die Rangliste im Billigtrinken an: Der durchschnittliche Wert pro Flasche ausländischem Schaumwein liegt mit 2,31 Euro beziehungsweise 1,36 Euro für einfache Qualitäten (jeweils ohne Handelsspannen, Sektsteuer von 1,02 Euro und Mehrwertsteuer) bei den nicht steuerpflichtigen Perlweinen wie Prosecco Frizzante bei knapp 1,15 Euro pro Flasche - bei Champagner sind es 14,83 Euro. Der durchschnittliche Wert von exportiertem Deutschen Schaumwein liegt seit Jahren pro Flasche bei 2.58 Euro - die Vermutung liegt nahe, dass die Inlandswerte nicht darüber liegen.

Trotz dieser Discount-Preise süffeln die Deutschen immer weniger Schäumendes: Waren es in den Jahren vor dem Millenium noch deutlich mehr als sieben Liter, so sind es derzeit nur noch 4 Liter Schaumwein und schäumende Weine pro Kopf und Jahr. Davon stammen 78 Prozent aus Deutschland, der Rest aus Frankreich, Italien und Spanien.

Welche Schaumweine aus diesem riesigen Angebot bieten Genuss, sind ihren Preis wert und versprechen nicht nur etwas prizzelnde Verruchtheit bei Bürofeten? Unsere Probe auf Qualität beschränkt sich auf flaschenvergorene Schaumweine. Das sind: In der Kategorie Champagner: Rosé, Champagner mit Jahrgang, Champagner; Crémants, Franciacorta, Altalanga, Trentodoc, flaschenvergorene Proseccho, Winzersekt/Sekt, Cava, andere Spumante. Nicht probiert wurden Sekte der einfachen Art, Prosecco frizzante und Perlwein. Die Champagner wurden unterteilt in Champagner rosé und mit und ohne Jahrgang.

So wurde gewertet

Lasst die Korken knallen: An den Feiertagen sprudelt der Schaumwein

Lasst die Korken knallen: An den Feiertagen sprudelt der Schaumwein

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Wie lässt sich bewerten, ob ein Wein seinen Preis wert ist? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, die alle nur ein Schätzergebnis liefern können - bei Weinbeurteilungen kein Novum. Alle zur Verkostung eingereichten 243 Weine wurden zweifach anonymisiert und in Preisgruppen verkostet. Die Jury hatte die Qualität zu jurieren und gleichzeitig den Wein einer Preisgruppe zuzuordnen.

Entsprach das angenommene dem tatsächlichen Preissegment, wurde die Beurteilung nicht verändert. Wurde der Wein einer höheren Kategorie zugeordnet, führte das zu einer Korrektur der Note pro Preissegment um 10 Prozent nach unten, gerundet auf ganze Zahlen, umgekehrt nach oben.

Beispiel: Erhielt ein Champagner 16 Punkte auf der 20er Skala und wurde dem Segment 40 bis 50 Euro zugeordnet, obwohl er zwischen 20 und 30 Euro verkauft wird, erhöhten sich die 16 Punkte um 20 Prozent auf 19,2 bzw. 19 Punkte, im umgekehrten Fall auf 13,6 bzw. 14 reduziert. Unnötig zu sagen, dass sehr teure Schaumweine bei diesem Verfahren kaum Chancen haben, sehr gut abzuschneiden.

Über Champagner und die Details seiner Herkunft wurde an dieser Stelle schon berichtet, auch über Crémants aus Frankreich muß nicht viel gesagt werden. Sie entstehen in den Gegenden, die auch für ihre Stillweine bekannt und berühmt sind. Etwas im Schatten der Champagner und eher regional verbreitet, bieten sie häufig gute Qualität oft auch ein interessantes Preis-Leistungsverhältnis.

Kein Discounter-Schampus auf dem Siegertreppchen

Im geografisch klar abgegrenzten Gebiet gleichen Namens werden Franciacorta nach strengen Ertragsbegrenzungen und ausschließlich in Flaschengärung erzeugt, auch die verwendeten Rebsorten sind die gleichen wie in der Champagne.

Trentodoc heißen die flaschenvergorenen Schaumweine aus dem Trentino, der Provinz im Norden Italiens, die zusammen mit Südtirol eine autonome Provinz bildet. Die Cavas aus Spanien demonstrieren, daß auch bei einer jährlichen Produktion von mehr als 240 Millionen Flaschen die Qualität nicht auf der Strecke bleiben muß. Weil die Spanier als erste angefangen haben, die Heferückstände in der Flasche mit sogenannten Gyropaletten automatisch in den Flaschenhals zu "rütteln", konnten sie sich auf dem Schaumweinmarkt einen Preisvorteil verschaffen, den sie freundlicherweise bis heute weitgehend an ihre Kunden weitergeben.

Die Proseccos und die Marken-Sekte aus Deutschland, die bis zum Ende in der Flasche vergoren werden, lassen sich an einer Hand abzählen. Winzersekte, mehrheitlich aus Riesling-Trauben, sind eine interessante Alternative im Schaumweinangebot. Weil sie nur in geringen Mengen und von den Winzern meist als einer unter ihren vielen Weinen angeboten werden, sind sie kaum bekannt und wenn, nur innerhalb Deutschlands. Bleiben bei den in der Flasche vergorenen Weinen noch die Spumantes und die Sparklings aus den Weinländern der neuen Welt. Interessante und recht gute Produkte produzieren die USA und Südafrika und - nicht in dieser Probe - zunehmend England als Folge der Klimaveränderungen.

Auf der Zwanzigerskala sind Unterschiede bei den besten Weinen in den einzelnen Kategorien kaum feststellbar (und selbst für Kenner nicht herauszuschmecken). Weine mit Jahrgang vermögen sich in der Regel von den Standardqualitäten abzusetzen: Die sorgfältigere Selektion des Traubenguts und die längere Reifung zeigen Wirkung: Feiner, eleganter, aromatischer, feinperliger und länger im Abgang. Leider meistens in Verbindung mit höheren Preisen.

Auch die 12- Euro-Champagner aus dem Angebot der Discounter mit den vier- oder fünf-Buchstaben-Namen wurden bei diesem Test verkostet - der Comte de Brismand, die Comtesse Marie-Louise, die Witwen Durand und Monsigny und Grand Plaisir. Alle hinterließen in der absolut blind durchgeführten Verkostung wieder einen so schlichten Eindruck, dass sie es auf kein Treppchen geschafft haben. Preiswert ist eben nicht immer seinen Preis wert.

Wein-Test: Das sind die besten Champagner (Rosé, Jahrgang, ohne Jahrgang)

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Schaumwein-Test: Das sind die besten Champagner

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Champagner stehen bei den Schaumweinen unverändert an der Spitze. Auch wenn wie in dieser Probe das Preis-Genussverhältnis im Vordergrund steht - ein bisher unbekanntes preisgünstiges "Dornröschen" hat sich in der Blindprobe allerdings nicht nach vorne arbeiten können. Hier behaupten die einschlägig bekannten Produzenten das Feld.

Das würde anders aussehen, wenn Weine verkostet worden wären, die im gerade erschienenen, kompetenten und empfehlenswerten Buch "Champagne 2015" von Gerhard Eichelmann zu den besten 300 gehören: Viele bekannte Marken aber auch zahlreiche hervorragende Winzerproduzenten, die in Deutschland (noch) keinen Importeur gefunden haben.

Wein-Test: Das sind die besten Crémants

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Schaumwein-Test: Das sind die besten Crémants

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Die Crémants aus den anderen französischen Provinzen spiegeln den Rebsortenspiegel ihrer Produktionsgegend. Entsprechend sind sie leicht oder etwas gehaltvoller. Fast ausnahmslos werden sie mit der Dosage brut angeboten, die mitunter bis an die Grenze zu den erlaubten 15 Gramm Zucker ausgenutzt werden.

Wein-Test: Das sind die besten Franciacortas

Hier geht es zu den besten Cremants.

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Schaumwein-Test: Das sind die besten Franciacortas

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Die gleichnamigen Schaumweine aus der Franciacorta sind den Champagnern hart auf den Fersen. Ihre Bekanntheit und entsprechend das Angebot auf dem Markt sind in Deutschland noch sehr überschaubar. Die besten Qualitäten preislich inzwischen im Segment der guten Champagner - aber es lohnt sich, diese Weine im Auge zu behalten.

Wein-Test: Das sind die besten Trentodocs

Hier geht es zu den besten Franciacortas.

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Schaumwein-Test: Das sind die besten Trentodocs

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Altalanga-Schaumweine zieren sich (noch) in Deutschland. Das Potential dieser Weine ist ohne Zweifel vorhanden, aber bisher hat das Consorzium noch keine Anstrengungen unternommen, die Weine im Ausland bekannt zu machen. Erschwerend kommt dazu, dass sich einige Produzenten weigern, dem Consorzium beizutreten - dieses hatte nämlich vor einigen Jahren (unter dem Druck der grossen Kellereien) entschieden, die DOCG-Produktionszone weit über die sogenannte Alta Langa hinaus aus- auszudehnen: Eine Produktion ist bereits möglich auf einer Meereshöhe von 250 Metern und geografisch nicht mehr deckungsgleich mit der Zone gleichen Namens. Ein Witz à la Berlusconi und Co.

Trentodoc heißen die Weine aus dem Trento mit einer Charakteristik, welche die Anmutung des Tals mit den steilen Seitenwänden, vom Gardasee bis zu den Dolomiten widerspiegelt. Das Territorium wurde 2009 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Trentodocs, gewonnen aus Trauben von Chardonnay-, Schwarzburgunder-, Weißburgunder- oder Schwarzriesling sind elegante, schlanke Schaumweine, die mit einer säurerbetonten Struktur aufwarten. Weil nur wenige der insgesamt 40 Kellerein auf dem deutschen Markt vertreten sind, haben die beiden Größten die Probe unter sich ausgemacht.

Wein-Test: Das sind die besten Proseccos

Hier geht es zu den besten Trentodocs.

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Schaumwein-Test: Das sind die besten Proseccos

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Prosecco war der Name einer weißen Rebsorte aus der Provinz Treviso, aus der schäumende Weine und Stillweine gemacht wurden. Weil die Weine mit dem Namen Prosecco frizzante mit weniger als drei Atü Druck abgefüllt wurden, musste für sie in Deutschland keine Sektsteuer abgeführt werden, die bei einer 0.75-Liter-Flasche immerhin mit 1,02 Euro zu Buche schlägt.

In Verbindung mit der (im Gegensatz zum Namen) lieblichen Süße der meisten Weine entwickelte sich das Getränk in Deutschland zum Verkaufsschlager. Keine Bürofete ohne Prosecco frizzante, der längst nicht mehr nur im Ursprungsgebiet hergestellt wurde. Schließlich wurde es den echten Produzenten zuviel: Die Traubensorte wurde 2009 in Glera umgetauft und Prosecco wurde zur Herkunftsbezeichnung eines streng definierten Gebiets.

Für Prosecco spumante mit mehr als 3 Atü muss Sektsteuer abgeführt werden. Er ist darum unter fünf Euro pro Flasche im Handel nicht zu bekommen. Deutlich über 95 Prozent des Prosecco spumenta werden in Tankgärung erzeugt, die hierzulande erhältlichen Flaschengärungen lassen sich an einer Hand abzählen.

Hier geht es zu den besten Proseccos - und hier zu den besten Spumante und anderen.

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Schaumwein-Test: Die besten Spumante und andere

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Wein-Test: Das sind die besten Winzersekte

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Schaumwein-Test: Das sind die besten Sekte

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Winzersekt/Sekt bieten ein breites Angebot. Da viele nur direkt über das Weingut zu beziehen sind, treten in einer solchen Probe erfahrungsgemäss nur wenige an, mehrheitlich hergestellt aus der Traubensorte Riesling, die auch bei den flaschenvergorenen Sekten die dominierende Sorte ist. Der Favorit unter den Herstellern von Winzersekten, Volker Raumland, operiert auf Augenhöhe mit guten Winzerchampagnern - er ist leider in dieser Probe nicht vertreten.

Hier geht es zu den bestern Winzersekten.

Wein-Test: Das sind die besten Cavas

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Schaumwein-Test: Das sind die besten Cavas

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Cava ist beliebt in Deutschland wegen der auch bei grossen Marken unverändert freundlichen Preise. Das Geschmacksbild ist jedoch anders als bei den Produkten aus Frankreich oder Italien: Etwas runder, fülliger und die Dosagen sind auf breitere Märkte abgestimmt. Qualitativ gibt es deutliche Schwankungen und höhere Preise bedeuten nicht zwingend auch höhere Qualitäten. Auffallend war der hohe Anteil an mehr oder weniger deutlichen Korkschmeckern in dieser Probe.

Schaumwein-Typologie: Was ist was?

Hier geht es zu den besten Cavas.

Lasst die Korken knallen: An den Feiertagen sprudelt der Schaumwein

Lasst die Korken knallen: An den Feiertagen sprudelt der Schaumwein

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Viele sagen Sekt, wenn sie Champagner meinen oder sprechen von Champagner, wenn von schlichten Sekt die Rede ist. Das eine ist falsch und das zweite ignorant. Hier folgt, was Sie wissen sollten: Im wesentlichen geht es um die Frage, ob Bläschen-Gärung und Reifung in der Flasche oder im grossen Tank stattgefunden haben. In der Flasche bedeutet mehr Hand-Arbeit, mehr Qualität, höhere Kosten und daraus folgt ein höherer Preis. Im Tank geht es schneller und billiger.

Es sind keineswegs nur weiße Trauben, die zu Schaumweinen verarbeitet werden. Ganz im Gegenteil: Viele Schaumweine verdanken Stilistik, Fülle und ihren Aromenreichtum dem weißen Saft roter Traubensorten. Für Rosés bleiben diese bei der einsetzenden Vergärung gerade solange mit den Beerenhäuten zusammen, bis sich daraus die ersten Farbstoffe gelöst haben.

Während Engländer fragen, wann sie einen Wein trinken können, wollen Deutsche als erstes wissen, wie lange sie ihn lagern können: Da Schaumweine grundsätzlich trinkfertig sind, wenn sie auf den Markt kommen, gilt als Faustregel: Weine, deren Etikett keine Auskunft gibt über Traubensorten, Herkunftsgebiet, Jahrgang bzw. deren gesetzliche Definition dazu wenig oder nichts vorschreibt, sollten innerhalb eines Jahres getrunken werden.

Mit und ohne Jahrgang

Bei den in Flaschengärung erzeugten Schaumweinen sind viele ohne Jahrgang. Sie werden meist aus mehreren Traubensorten und Grundweinen mehrerer Jahrgänge komponiert. Ziel der Kellermeister ist es, auf diese Weise mit jeder Charge und jedes Jahr den typischen Gout und Stil des Hauses zu treffen. Die so erzeugten Schaumweine, meist deklariert als trocken oder brut, sind die Basisweine jedes Produzenten und im Preis am günstigsten.

Im Tank vergärte Sekte und Spumante sind stets ohne Jahrgangsangabe. Schaumweine mit Jahrgangsangabe müssen gemäß EU-Weingesetz zu mindestens 85 Prozent aus Weinen des genannten Jahrgangs bestehen. Sie werden deshalb nur in Jahrgängen mit erstklassigem Traubengut erzeugt. 15 Prozent Reserveweine und die Minimengen für die Lager- und Versanddosage dürfen aus älteren Jahren stammen. Mit der gezuckerten Lagerdosage und etwas Hefe wird die zweite Gärung in der Flasche eingeleitet, die Fülldosage rundet den entheften (degorgierten) Wein vor dem Versand ab und gibt ihm die gewünschte Geschmacksrichtung auf den Weg.

Flaschen- und Tankgärung

Die erste (alkoholische) Gärung wandelt den Zucker in den Trauben in Alkohol. Ergebnis ist ein Stillwein mit etwa 12 Prozent Alkohol. Sie erfolgt meistens im Stahltank. Die zweite Gärung, die mit der Fülldosage (Wein, exakt 24 g Zucker und Hefe für einen späteren Druck von 5-6 Atü) ausgelöst wird und für die sprudelnden CO2-Bläschen verantwortlich ist, bringt weitere 1,3 bis 5 Prozent Alkohol und erfolgt bei hochwertigen Produkten nur in der Flasche.

Einfacher, billiger und deshalb viel verbreiteter als die Flaschengärung, ist die Tankgärung, nach ihrem Erfinder auch Charmat-Methode genannt. Hier wird erst auf Flaschen abgefüllt, wenn die Mischung aus den verschiedenen Grundweinen (Cuvée oder Assemblage) von der Hefe befreit, also filtriert wurde. Wird ein Verfahren dazwischen angewendet, die Transvasiermethode, gären die Weine zwar in der Flasche, werden aber im Tank gemischt und gefiltert und dann wieder auf Flasche gefüllt. Die Bezeichnung Flaschengärung ist erlaubt, weil die zweite Gärung in der Flasche stattgefunden hat.

Daneben gibt es schäumende Weine, die in nur einer, der ersten Gärung, in der Méthode rurale, erzeugt werden, wie Asti spumante, dürfen sich aber weder Schaumwein noch Sekt oder Crémant nennen. Haben sie weniger als 3 bar Überdruck, heißen sie Frizzante, Perlwein oder in Frankreich Vin pétillant, dafür entfällt die Sektsteuer von 1,02 Euro pro Flasche.

Zu dieser Gruppe gehören der Moscato aus dem Piemont und der Prosecco Frizzante (im Gegensatz zum edleren Prosecco spumante) oder der süssere Cartizze aus dem norditalienischen Veneto, den man hierzulande leider fast nur als billiges Bürofetengetränk kennt. Nicht weiter erwähnenswert sind die imprägnierten Schaumweine. Hier werden Stillweine oft zweifelhafter Herkunft lediglich mit etwas Kohlensäure aufgepeppt.