Montag, 22. Juli 2019

Bier, Senf und Käse aus Eigenproduktion Teurer Spaß

Do it Yourself: Selbermachen ist schick
Effilee

Ob Bier, Senf oder Käse - Hobbyköche wagen sich mittlerweile an Eigenproduktionen, die sonst vorgefertigt in die Küche kommen. Wer ohne größere Vorkenntnisse mitmachen will, greift zum Do-it-yourself-Kit. "Effilee"-Autorin Nina Anika Klotz hat sich an fünf Produkte gewagt.

Berlin - Da ist Darm in meinem Kühlschrank. Ein hässliches, angeknülltes Plastiktütchen voll unansehnlich geknüllter Därme. Die machen mir Angst.

DIY, do it yourself, ist fürchterlich hip. Nicht erst seit gestern, seit zwei, drei Jahren mehren sich Bastel-, Bau- und Selbermachblogs, und ob nun Pinterest zuerst da war oder der Trend, ist Henne und Ei. Urban Gardening, Upcycling, Hackerspaces, FabLabs, Etsy und Dawanda - alles Ausgeburten ein- und desselben Zeitgeists: Der moderne Mensch sehnt sich danach, etwas mit seinen eigenen Händen herzustellen.

"Gerade weil wir so gut wie alles fertig kaufen können, wächst das Bedürfnis, Sachen selber zu machen", sagt Verena Kuni, Professorin für visuelle Kultur an der Goethe Universität in Frankfurt. Gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Tine Nowak und der Veranstaltungsmanagerin Annabell Hornung hat sie vergangenes Jahr eine Ausstellung zu dem Phänomen organisiert, DIY: Die Mitmach-Revolution.

Diese Revolution scheint mittlerweile auch in der Küche angekommen zu sein. Da gibt es Blogs und Bücher (empfehlenswert: "Food DIY: How to Make Your Own Everything: sausages to smoked salmon, sourdough to sloe gin, bacon to buns" von Tim Hayward) und berühmte Vorreiter: Barack Obama braut sein eigenes Bier. Und seine Frau ist mit ihrem Kräuter- und Gemüsebeet im Garten des Weißen Hauses auch DIY-isch unterwegs. Vielleicht macht sie auch ein. Pickeling war der große Food-DIY-Trend des vergangenen Jahres. Fermenting ist 2013, the next level quasi.

Wir wollen selber machen, weil wir nicht müssen

Ich will das auch. Ich will mein Essen selber machen. Mitten in Berlin. Und zwar mehr als Brot und Marmelade. Ich will Salami, Speck, Käse, Tofu, Senf. Und Bier. Das Problem nur: Ich kann das eigentlich nicht. Woher auch. Als Kind einer Generation von Vätern und Müttern, für die Supermärkte und Fertiggerichte Fortschritt und Befreiung bedeuten, habe ich solche Sachen nie gelernt. Meine Eltern kämen nicht auf die Idee, sich freiwillig jene Arbeit zu machen, die ihre Eltern ständig hatten.

Wir wollen selber machen, weil wir nicht müssen. Aber können. Vielleicht. Mit etwas Hilfe. Für fast alles, was das Selbermachherz begehrt, gibt es nämlich ein Kit mit abgemessenen Zutaten und Equipment.

Mit dem Make Your Own Mustard Kit vom Brooklyn DIY Supply, einem Laden, dessen ganzes Geschäftsmodell auf der DIY-Begeisterung fußt, kann man eigentlich nichts falsch machen. Über Etsy bestellt, superschnell geliefert, kommen zwei Tütchen Senfsamen, hell und dunkel, eine Tüte gelbes Mustard Powder, etwas brauner Zucker, eine leeres Schraubverschlussglas und ein sechsseitiges Erklärheftchen.

Darin werden die eigentlich sehr einfachen Schritte (Samen einweichen, Essig, Zucker, Salz rein, mörsern, fertig) ausführlich erklärt. Nach drei Tagen habe ich ein Glas dünnflüssigen, nicht ganz appetitlich beigen und verdammt scharfen Senf. Gewinnt keinen Preis, ist aber - in kleinen Dosen - durchaus genießbar.

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