Großer Feinschmecker-Test Das sind die neun besten Olivenöle der Welt

manager-magazin.de: Wie kann man gutes Olivenöl im Supermarkt erkennen?

Kersten Wetenkamp: Man hat leider fast keine Chance, weil die exzellenten Qualitäten meist gar nicht in den Supermärkten stehen. Die kann man meist nur online bestellen. Es ist aber schon mal ein gutes Zeichen, wenn auf dem Etikett ein Jahrgang steht und der Hersteller klar benannt ist, so dass man sehen kann, wo das Öl hergestellt wurde. Auch wenn man dann immer noch nicht weiß, ob die Qualität toll ist. Am besten findet man einen Händler, dem man vertrauen kann - so funktioniert es bei Wein ja auch.

mm.de: Dann andersherum: Kann man schlechte Öle erkennen?

Kersten Wetenkamp
Foto: Der Feinschmecker

Der stellvertretende "Feinschmecker"- Ressortleiter für den Wein, Küche und Lebensart ist ausgewiesener Olivenölexperte: Den renommierten Test, bei dem etliche hundert Öle auf den Prüfstand kommen, leitete er in diesem Jahr schon zum 15. Mal.

Wetenkamp: Man kann erkennen, ob ein Öl Massenware ist. Bei Industrieöl von großen Marken wie Bertolli oder Carapelli steht im Kleingedruckten, dass die Oliven "aus dem Mittelmeerraum" kommen - das heißt im Klartext: aus Nordafrika, nicht aus der EU. Man hat keine Qualität, wenn verschiedene Regionen und oft sogar verschiedene Jahrgänge vermischt werden.

mm.de: Wie testet der "Feinschmecker"?

Wetenkamp: Wir verkosten blind, also mit verdeckten Flaschen. Wir verkosten pur. Brot und Äpfel werden nur zur Neutralisierung zwischen den Ölen gereicht. Man muss oft husten, weil die neuen Öle scharf sind im Rachen - Bitterkeit und Schärfe sind bei neuen Ölen ein Zeichen für Frische. Fehler sind meist schon im Duft erkennbar - etwa, wenn die Oliven zu warm gepresst wurden oder die Bäume von der Olivenfliege befallen waren. Dann bewerten wir das Öl mit null Punkten.

mm.de: Wie teuer ist gutes Öl?

Wetenkamp: Das hängt stark davon ab, wo es herkommt. Italien ist am teuersten, Spanien ist günstiger, Griechenland und Nordafrika liegen preislich noch darunter, aber qualitativ leider meist auch. In Italien kommen die größten Mengen aus dem Süden, aus Kalabrien, Apulien und Sizilien. Für zehn Euro pro halbem Liter bekommt man da ein sehr vernünftiges Öl. In der Toskana ist es gleich mindestens doppelt so teuer, die Erntemengen sind niedrig, die Haine sind terrassenförmig angelegt und es wird von Hand geerntet - das kostet. Preise bis 100 Euro pro Liter sind keine Seltenheit.

"10 bis 15 Prozent sind gut, der Rest ist Schrott"

mm.de: Warum ist Olivenöl so beliebt?

Wetenkamp: Weil es toll ist. Es gehört mit Rapsöl zu den gesündesten Ölen und hat sein gutes Image zu Recht. Es schmeckt sehr gut und man kann es für alles verwenden: Salate, Antipasti - und es lässt sich auch problemlos als Bratöl verwenden. Viele Leute denken, dass man Olivenöl nicht erhitzen sollte, das ist Unsinn. Bis zu 180 Grad sind kein Problem. Ein gutes Olivenöl würde ich immer kalt und warm probieren, um die verschiedenen Aromen kennenzulernen. Wenn Sie ein gutes Öl in eine heiße Pfanne geben, ist das fast schon eine Aromatherapie.

mm.de: Sie haben den großen Olivenöltest jetzt zum 15. Mal gemacht. Welche Trends gibt es?

Noch mehr gutes Öl gefällig? Hier geht es zum Test des Vorjahres.

Wetenkamp: Im Laufe der vergangenen Jahre gibt es eine tolle Entwicklung zu mehr Qualität. Die spanischen Öle werden immer besser, und es gibt mittlerweile tolle Öle aus Slowenien und Kroatien. Erfreulicherweise geben immer mehr Hersteller die Olivensorten auf der Flasche an - so wie man beim Wein die Traube angibt. Wenn man sich ein bisschen auskennt, weiß man dann, welchen Geschmack man erwarten kann. Ob es eher bitter ist, eher scharf oder eher lieblich. Es ist ja leider noch nicht so verbreitet, dass man Öle vor dem Kauf verkosten kann. Da könnten die Erzeugerländer noch viel mehr tun, Promotion-Touren machen und Verkostungsstände in Märkten und auf Messen.

mm.de: Die Stiftung Warentest hat kürzlich Olivenöle aus dem Supermarkt getestet. Von 24 waren zehn mangelhaft, auch die besten drei kamen nur auf die Note "befriedigend". Wie groß ist der Anteil von guten Ölen überhaupt?

Wetenkamp: Es gibt gigantisch viel schlechtes Öl auf dem Markt. 10 bis 15 Prozent sind gut, der Rest ist Schrott, glaube ich. Im Grunde ist es traurig, weil so wenig Leute überhaupt mit tollem Öl in Berührung kommen. Die wissen gar nicht, wie es schmecken kann. Die geben einem einigermaßen guten Öl keine Chance, wenn es einen halben Euro mehr kostet.

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