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Champagnertest: Die Sieger aller Kategorien im Überblick

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Der große Champagner-Test Die besten Bruts

Der große Champagner-Test von mmo-Autor Christian Wenger nimmt in diesem Jahr die besten Bruts unter die Lupe. Hier kommen die besten Weine für ein prickelndes Weihnachtsfest und Silvester.
Von Christian Wenger

Hamburg - Die Brut-Champagner sind das Brot-und-Butter-Geschäft der Champagnerhersteller. Diese Standard-Cuvées machen gut 97 Prozent der nach Deutschland gelieferten Produktion aus. Die Bezeichnung "Brut" besagt, dass dem Champagner, bevor er auf den Weg zum Kunden geht, eine abrundende Dosage aus Zuckerlikör verabreicht wird, die ihn etwas runder und fülliger macht als er mit einer ganz geringen oder mit Null-Dosage wäre.

Die Lust auf Champagner kannte schon der britische Premierminister Winston Churchill. Wo immer er auf längeren Reisen hinfuhr, sollen ihn einige Flaschen seines Lieblingsgetränks begleitet haben. Kein Wunder, dass er seine Generäle im zweiten Weltkrieg ermahnte: "Remember Gentlemen, it's not just France we are fighting for, it's Champagne!". Die Marke Pol Roger dankte ihm die Treue mit der Prestigecuvée Sir Winston Churchill, die mit viel Pinot Noir nur in besonders guten Jahren hergestellt wird.

Besonders die großen Marken sind darauf bedacht, dass ihre Weine jedes Jahr den Geschmack und die Stilistik aufweisen, die für das Champagnerhaus und die Marke charakteristisch sind. Da jedes Weinjahr anders ausfällt und ein Markenchampagner manchmal mehreren hundert Weinen komponiert wird, ist dies eine Aufgabe, die enorme Erfahrung, eine unbestechliche Nase, ein perfektes, täglich trainiertes Geruchsgedächtnis und viel Fingerspitzengefühl verlangt.

Es gilt schließlich, jedes Jahr aufs Neue die typische Mischung zusammenzustellen, einerseits für die die Standardweine, Brut Sans Année, und die nur in exzellenten Jahren hergestellten Jahrgangschampagner, die Millesimées.

Die Komposition der Grundweine ist eine hohe Kunst

Die Grundweine (Vins Clairs) für die Komposition kommen einerseits aus unterschiedlichen Rebbergen und Lagen des aktuellen Jahrgangs und wurden separat ausgebaut; zum andern aus Tanks, in denen Weine aus früheren Jahren, die sogenannten Reserveweine, bei kühlen acht bis zehn Grad Celsius aufbewahrt werden.

Veuve Clicquot lagert seine Reserveweine in mehr als 1200 Tanks, während sie bei Bollinger in Magnumflaschen lagern. Die für die Komposition der Cuvée verantwortlichen Kellermeister sind denn auch hoch angesehene (und gut bezahlte) Angestellte eines Champagnerhauses und gehören in der Regel zum Direktorium.

Die Vorbereitung und Auswahl treffen stets mehrere Önologen unter Leitung des Kellermeisters. Bei der Mischung oder Assemblage müssen sie berücksichtigen, wie sich die vorgeschriebenen 15 Monate Reifezeit, in denen die Flaschen die zweite Gärung durchmachen, in das Ergebnis einbringen und wie sie den Geschmack beeinflussen.

Jahrgangschampagner müssen mindestens 30 Monate reifen, meistens aber sind es acht bis zehn Jahre - entsprechend komplex und geprägt von den durch die Reifung entstehenden Sekundäraromen sind die Ergebnisse.

Mit der Dosage kann viel geschönt werden

Die Assemblage aus den Vins clairs wird in gläsernen Messbechern, wie man sie aus dem Chemieunterricht kennt, in vielen Einzelschritten komponiert, verworfen, aufs Neue komponiert und anschließend in den gleichen Proportionen in riesigen Tanks zusammengeführt, gründlich gerührt und nach der Zuckerdosage (für die zweite Gärung) auf Flaschen gezogen.

Dann folgen Reifung für viele Monate und das Degorgement, bei dem die Heferückstände entfernt werden. Erst die Abrundung mit dem für das Haus typischen "Liqueur d'Expedition", dessen Rezept als Firmengeheimnis streng gehütet wird, vollendet den Champagner. Erlaubt sind bei einem "brut" maximal 15 Gramm Restzucker pro Liter, bei einem "extra brut" maximal 6 Gramm. Wie viel Dosagelikör beigegeben wird, hängt ab vom Säuregehalt und dem Körper des laufenden Jahrgangs.

Je schwieriger oder schlechter das Weinjahr, umso mehr wird auf die sogenannten Reserveweine zurückgegriffen. Sie können schon mal 50 Prozent des Endproduktes ausmachen, wenn etwa Frühlingsfröste und Hagel den Ertrag reduziert haben.

Was macht einen guten Champagner aus?

Er leuchtet im Glas, strahlt und funkelt, perlt in vielen feinen, zarten Bläschen. In der Nase zeigt er viel Frische und - je nach Typ und Alter - lebendige Aromen nach Zitrusfrüchten, Äpfeln, Aprikosen, weißen Blüten, Anklänge an rote Beeren, Blutorangen, Trockenfrüchte, Röstaromen, Brioche, Toast, Nüssen, Honig, Mokka und exotischen Früchte.

Eine straffe Mineralität kann er haben, im Gaumen soll er finessenreich zwischen Säure und Süße balancieren, cremig und unaufdringlich sein, ein klares, kompaktes Mundgefühl vermitteln, Tiefe und im Abgang mindestens 30 Sekunden Länge haben und insgesamt Lust auf ein nächstes Glas machen.

Mit der Dosage, das ist ein offenes Geheimnis, können Grundweine von schlichter Qualität maskiert werden. Damit arbeiten alle Hersteller von Schaumweinen, sei es, dass sie mit Tankgärung erzeugt werden wie Sekt, Spumante, Lambrusco und Prosecco oder mit Flaschengärung wie Crémants, Franciacorta, Alta Langa, Trentodoc, Cava, und Champagner.

Wir nehmen hier einmal an, dass die in den letzten Jahren bei einigen Markenschaumweinen zu beobachtende diskret zunehmende Restsüße hauptsächlich dem sich verändernden internationalen Konsumentengeschmack geschuldet ist.

Erste Gärung, zweite Gärung?

In beiden Fällen geht es um eine alkoholische Gärung. Die erste verläuft beim Champagner wie bei jedem anderen Wein. Weil sie in offenen Behältern verläuft, entweichen die entstehenden Kohlesäuregase in die Luft. Die zweite Gärung, angeschoben von 18 Gramm Zucker, findet in der gut verschlossenen Flasche statt. Die entstehende Kohlensäure verteilt sich im Wein und führt zu einem Druck von ziemlich genau 6 Atü unter dem Korken. Das ist deutlich mehr als ein Lastwagenreifen.

Ein "brut" ohne Jahrgang wird meistens komponiert aus den drei in der Champagne hauptsächlich verwendeten Traubensorten Chardonnay, Pinot noir und Pinot Meunier. Der Standard brut ist der preisgünstigste, der Einstiegschampagner, der je nach Exportland unterschiedlich dosiert sein kann.

Daneben produziert jedes Haus eine Reihe weiterer Champagner: In besonders guten Jahren einen Jahrgangschampagner, meist aus besonders selektionierten Trauben von ausgewählten Rebbergen oder aus nur einer besonders einzigartigen Lage.

Ähnlich entstehen die Prestige- oder Edelcuvées in aufwenig gestalteten Spezialflaschen. Ergänzend meist noch ein Rosé sowie neuerdings Spezialitäten wie rebsortenreine Champagner.

Die wichtigsten Champagnertrends

In den 1980ern tranken die Kenner einen hundertprozentigen Blancs de Blancs aus einem perfekten Jahrgang. Einen Comtes de Champagne, einen Dom Ruinart, Krug, Agrapart, Deutz, einen Joseph Perrier oder einen raren Champagne Salon.

In den Neunzigern bevorzugte man füllige, vollmundige Champagner. Weine, die ganz oder zu einem hohen Anteil aus den beiden andern, roten Champagner-Traubensorten, Pinot noir oder Pinot meunier komponiert waren, sogenannte Blanc de noirs, wie Bollinger Vieilles Vignes, Pol Roger, Pommery oder de Venoge Blanc de noirs, bevorzugt als Jahrgangschampagner.

Nach dem Milleniumswechsel war Pink angesagt: Rosa in allen Tönungen und Schattierungen. Vom eleganten Blass-, über Flamingo-, Rosenquarz- bis Lachsrosa, von Kupferrot bis zum kräftigen Himbeer-Cassisrot mutiger Produzenten von Winzerchampagnern. Die großen, auf den Weltmärkten tätigen Häuser setzten auf ein eher blasses, elegantes Rosa.

Derzeit stehen bei den Trendsettern sortenreine Chardonnays ohne jegliche Dosage hoch im Kurs. Diese ganz trockenen Champagner führen im Namen Zusätze wie zéro Dosage, ultra brut, brut sauvage, brut nature, brut intégral, brut absolu, brut extreme oder brut extra. Bezeichnungen, bei der nur ein Restzucker von maximal drei Gramm pro Liter erlaubt ist.

Schnörkelloses für erfahrene Champagnertrinker

Weil diese Weine leicht sind, elegant, frisch und oft mit knackiger Säure, eignen sie sich hervorragend als Aperitif - und haben knapp die Hälfte der 120 Kalorien eines Glases brut. Diese präzisen und schnörkellosen Weine sind allerdings etwas für erfahrene Champagnertrinker - besonders dann, wenn auch noch auf die malolaktische Gärung verzichtet wurde, um dem Wein noch mehr Säure mitzugeben, wie es Lanson oder Anselm Selosse praktizieren. Erfahren Sie darüber mehr im letztjährigen großen mmo-Test über Champagnerspezialitäten.

Übrigens: Nur wenige der großen Markenchampagner haben genügend eigene Rebberge - sie müssen deshalb Trauben zukaufen, zu brutal hohen Preisen. So wurden 2012 für ein Kilo Champagnertrauben im Grand Cru-klassifizierten Ort Avize 5,77 Euro bezahlt, 2013 waren es 5,95 Euro.

Für eine Flasche Champagner werden 1,2 Kilo Trauben benötigt. Angekauft werden von den derzeit 15.756 Weingärtnern Trauben oder aber auch bereits durchgegorener Most.

Das Motto der diesjährigen Blindprobe: "Wintertime"

Das Motto der diesjährigen Blindprobe heißt "Wintertime", weil in der kühleren und kalten Jahreszeit die etwas fülligeren Champagner lieber getrunken werden. Probiert wurde in sechs Kategorien:

1. Blanc de Blancs
2. Blanc de Noirs
3. Cuvées aus allen drei in der Champagne verwendeten Rebsorten
4. Millésimé (Jahrgangschampagner): Blanc de Blancs
5. Millésimé (Jahrgangschampagner): Blanc de Noirs
6. Millésimé (Jahrgangschampagner): Cuvées aus allen drei in der Champagne verwendeten Rebsorten .

Korrekt gesehen sind auch die Blanc de Blancs und die Blanc de Noirs Cuvées oder Assemblagen - nur einige wenige Lagen-Champagner entstehen aus den Trauben nur einer Lage, alle andern werden aus verschiedenen Grundweinen komponiert.

Weil die Beschaffung in Frankreich bei kleinen Mengen unverhältnismäßig hohe Transportkosten mit sich zieht, haben wir uns bei diesem Test auf die von Importeuren und Händlern in Deutschland gehandelten Weine beschränkt.

Kategorie 1: Blancs de Blancs

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Champagnertest, Kategorie 1: Blancs de Blancs brut

Foto: Christian Wenger

In der Kategorie 1 - "Blancs de Blancs" - Weine ausschließlich aus den weißen Chardonnay-Trauben gab es durchweg erfreuliche Ergebnisse. Die ersten fünf Plätze, zum Teil punktgleich, erreichten die Champagner von Agrapart, Alfred Gratien, Pierre Gimmonet, Pascal Doquet und Pommery. Auch die folgenden lagen nur unwesentlich auseinander, einige wiederum punktgleich.

Kategorie 2: Blancs de Noirs

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Champagnertest, Kategorie 2: Blanc de Noirs brut

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In der 2. Kategorie, den "Blancs de Noirs", zeigte sich, dass Pinot noir und der ebenfalls rotbeerige Pinot Meunier nicht zusammen auftreten wollen: alle eingereichten Weine waren sortenreine Pinot noirs. An der Spitze, weinig, weich und kraftvoll die Weine von André Clouet, Coessans, einem vielversprechenden Newcomer aus der l'Aube sowie Janisson&Fils.

Kategorie 3: Cuvées

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Champagnertest, Kategorie 3: Cuvées brut

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In der erwartungsgemäß größten 3. Kategorie traten Champagner gegeneinander an, die aus den Traubensorten der Champagne komponiert sind: Chardonnay plus Pinot Noir und Pinot Meunier, wie die Pinot Noir eine Traube mit roten Beeren aber weißem Saft.

Noch vor dreißig Jahren war die Pinot Meunier-Traube, deutsch Schwarzriesling oder Müllerrebe, die dominierende Traube in der Champagne. Sie folgte der ursprünglich meistangebauten Sorte Gamay, die in der AOC 1927 verbannt und nach einer wegen des Kriegs verlängerten Übergangsfrist 1980 endgültig eliminiert wurde.

Die Pinot Meunier-Traube liegt heute hinter Pinot noir auf Platz zwei und der Tag ist nicht fern, an dem sie vom Chardonnay überholt werden wird. Vielleicht gewinnt sie deswegen immer mehr Fans und gilt bei einigen jungen Winzern als Rebsorte für ausdrucksstarke, eigenwillige Champagner. Die vier weiteren, in der Champagne zugelassenen Sorten Pinot blanc, Pinot gris, Arbanne und Petit Meslier spielen nur bei ausgesprochene Spezialitäten eine Rolle - aber mit steigendem Anteil.

Strahlender Sieger in der 3. Kategorie die Cuvée Paradis von Alfred Gratien, gefolgt von Veuve Fourny, Bruno Paillard, Heidsieck-Monopole, Taittinger, Duval-Leroy und Gosset. Dichtauf und punktgleich: Louis Roederer, Laurenti, Vranken, Savart, Duval-Leroy und Nicolas Feuilatte. Auch die restlichen Weine in dieser Kategorie gefielen gut; leicht getrübt von drei Korkschmeckern und zwei Flaschen, die möglicherweise zu lange im Licht gestanden hatten. Sie wiesen die bei einem "coup de lumière" häufig auftretenden Bittertöne auf.

Kategorie 4: Blancs de Blancs, Jahrgangsweine

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Champagnertest, Kategorie 4: Blanc de Blancs brut Jahrgang

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In den drei gleichen Kategorien, aber als Jahrgangsweine, dominierten, wie erwartet, die Blancs de Blancs. Sie sind in sehr guten Jahrgängen langlebiger als Champagner aus Pinot noir oder Cuvées.

Auf dem Siegerpodest die beiden Jahrgänge des Prestigechampagners von Pommery, Cuvée Louise. Subtil, elegant und strahlender Reinheit. Leider auch im Preis. Dicht gefolgt von Agrapart und dem Comte de Champagne, der Prestigecuvée von Taittinger und von Duval-Leroy. Das weitere Feld ziemlich dicht dran und z.T. mit gleichen Bewertungen.

Kategorie 5: Blancs de Noirs, Jahrgangsweine

In der Kategorie 5 gab es nur zwei Kandidaten. Jahrgang und Pinot Noir passen nur in exzellenten Jahren richtig gut zusammen. Hier platzierte sich André Clouet vor Henri Quenardel.

Brut Millésimé Grand Cru, André Clouet, Bouzy

Brut Millésimé Grand Cru, André Clouet, Bouzy

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Blanc de noirs Grand Cru brut, Henri Quenardel, Verzenay

Blanc de noirs Grand Cru brut, Henri Quenardel, Verzenay

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Kategorie 6: Cuvées, Jahrgangsweine

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Champagnertest, Kategorie 6: Cuvées Jahrgang

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Bei den Cuvées mit Jahrgang der Kategorie 6. stehen ganz vorne die Prestigecuvée von Gosset, Célebris, gefolgt von Alfred Gratien, Pol Roger, Nicolas Feuilatte, Taittinger, Duval-Leroy und Lanson.

Das Fazit der Verkostung

Das Fazit dieser Verkostung: Auf der Hunderterskala sind Unterschiede bei den besten Weinen in den einzelnen Kategorien kaum feststellbar (und selbst für Kenner nicht herauszuschmecken). Deutlicher sind die Unterschiede zwischen den Blancs de Blancs und den reinsortigen Pinot Noirs. Die Cuvées liegen erwartungsgemäß dazwischen.

Bemerkenswert, wie sich die Weine mit Jahrgang von den Standardchampagnern absetzten: Die sorgfältigere Selektion des Traubenguts und die längere Reifung zeigen Wirkung: Feiner, eleganter, aromatischer, feinperliger und länger im Abgang. Leider meistens in Verbindung mit höheren Preisen.

Fast vergessen: Weil auch nach diesem Test wieder gefragt werden wird, ob die 12- Euro-Champagner aus dem Angebot der Discounter mit den vier- oder fünf-Buchstaben-Namen bei diesem Test auch dabei waren? Ja, die Grafen und Witwen waren alle dabei: der Comte de Brismand, die Comtesse Marie-Louise und die Witwen Durand und Monsigny. Alle drei hinterliessen in der absolut blind durchgeführten Verkostung einen so schlichten Eindruck, dass sie es auf kein Treppchen geschafft haben. Mehr darüber unter dem Stichwort Billigchampagner.

Das Gerücht, wonach diese Discounterbrausen unter den Champagnern das beste Preis-Leistungsverhältnis brächten, wird sich dennoch nicht ausrotten lassen. Jedenfalls nicht solange sie von der teilstaatlich finanzierten Stiftung Warentest jedes Jahr aufs Neue hochgejubelt werden. Aber das kennen wir ja auch beim Olivenöl.

Hier geht es zur Fotostrecke mit den besten Champagnern in den sechs Kategorien im Gesamtüberblick.

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Champagnertest: Die Sieger aller Kategorien im Überblick

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