Sonntag, 21. April 2019

Weingläser Eine Frage des Stiels

Weingläser: Eine Formenkunde
TMN

Im Urlaub schmeckt der Wein auch aus dem kleinen Wasserglas. Zu Hause wählt der Genießer gerne edles Kristall, um einen guten Tropfen zu servieren. Vielfältig sind die Formen der Gläser, notwendig sind die zahlreichen Formen jedoch nicht.

Mainz/Berlin - Das Wissen um den Wein wächst schnell. Auch für önologische Laien gilt Goethes Maxime: "Das Leben ist viel zu kurz, um einen schlechten Wein zu trinken." Heute ist nicht rot oder weiß die Frage, sondern mineralisch oder fruchtbetont. Gourmets und Experten diskutieren über Terroir, Barrique oder Bouquet und kennen sogar die eingesetzte Weinhefe beim Namen. Doch für den Genuss ist nicht nur entscheidend, was da in Fass und Flasche heranreift. Wichtig ist auch, in welchem Glas der Wein serviert wird.

"Ohne das richtige Glas bleibt ein wichtiger Teil der Aromenfülle eines Weines unentdeckt oder geht auf der Strecke zwischen Glas und Nase verloren", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. "Es ist Aufgabe des Glases, dem Wein seine volle Entfaltung zu ermöglichen und seine Aromen in die richtigen Bahnen zu lenken." Das Weintrinken ist nämlich vor allem auch ein Akt des Riechens. Deshalb erfüllt ein gutes Glas den Zweck, die Aromen des Weins zu bündeln und als olfaktorischen Reiz an das Gehirn zu übermitteln.

Die vier Kriterien eine guten Weinglases

Die Form des Glases beeinflusst also über den Geruch auch den Geschmack des Weins. "Es ist sehr wichtig, dass sich ein Weinglas nach oben hin verjüngt und genug Volumen hat, so dass sich das Aroma des Weins an der Luft entfalten kann", erklärt Julia Gold, Sommelière in der Weinhandlung Paasburg's in Berlin. "Wichtig ist auch, dass das Glas über eine gewisse Stiellänge verfügt. Erstens, damit sich nicht Gerüche von der Haut mit in das Aroma des Weins mischen, und zweitens, damit man das Glas auch bequem am Stiel halten kann und nicht am Kelch anfassen muss."

Generell gelten vier Kriterien für ein gutes Weinglas: Sauber, dünnwandig, langstielig und glasklar sollte es sein. Die Weinexperten gestehen einem filigranen Glas einen objektiv besseren Trinkgenuss zu, erläutert Büscher. "Der Kontakt zum Wein erfolgt unmittelbarer. Denn man spitzt beim Trinken aus einem dünnwandigen Glas die Lippen, so dass sich der Wein von der Zungenspitze aus im Mund verteilt und so alle Geschmackspapillen auf der Zunge in den Genuss des Weins kommen." Auch die Temperatur werde von einem dünnen Glas weniger beeinflusst.

Extra Gläser für Rosé und Bordeaux

Hersteller hochwertiger Kristallgläser wie Riedel aus Österreich oder Stölzle aus der Lausitz vereinen in ihren Glasserien diese Funktion mit klassischem oder auch modernerem Design. Aus dem Jahr 1973 ist eine der erfolgreichsten handgemachten Glasfabrikate, die Linie "Sommeliers" von Claus Riedel. Sie wird bis heute ständig erweitert. 18 verschiedene Weingläser umfasst die Serie, dazu gesellen sich Gläser für Wasser, Spirituosen und andere alkoholische Getränke.

Für den Genuss von Bordeaux empfiehlt die Firma Riedel etwa ein stolze 27 Zentimeter hohes Glas mit hochgezogenem Kelch, dessen Fließverhalten sich für Weine mit "Körper, hoher Extraktkonzentration und süßen, runden Tanninen" eigne. Vergleichsweise klein erscheint dagegen das Rosé-Glas mit 18 Zentimetern und einem kurzen Kelch, der sich nach oben hin erst verjüngt und dann wieder öffnet.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung