Dienstag, 23. April 2019

Zigarrenclubs für Frauen Qualm für die Seele

Damenwahl: Frauen, die Zigarren rauchen
Habanos

Die Welt der Zigarren ist nicht nur Männern vorbehalten. In Raucherclubs und Lounges zelebrieren Frauen das Schmauchen und Paffen. Ganz unter sich diskutieren sie den Geschmack der Zigarren, stellen politische und wirtschaftliche Fragen und feiern den stilvollen Gesellschaftsklatsch.

Biel - Die Raucherlounge in einem kleinen Restaurant im schweizerischen Biel: Zehn zierliche Frauen sitzen in schweren, ledernen Armsesseln, scheinen beinahe in dem blassen Licht des niedrigen Raumes mit dem Interieur zu verschmelzen, wenn da nicht die Rauchwolken und Nebelringe wären, die jede in einem mäßigen zeitlichen Abstand in die Luft bläst und denen sie manchmal gedankenverloren hinterher schauen, manchmal mit einem Ausdruck der Anerkennung bedenken.

Zigarrenclubs sind nicht mehr nur männlich besetzt, auch Frauen drängen in die so genannte "Gentleman Industry" und schätzen den herben Geschmack einer dicken Zigarre. "Nach einem guten Essen wähle ich meine Zigarre danach, wie ich mich an dem Tag fühle", sagt Patricia Leisi aus Solothurn in der Schweiz.

Leisi ist eine Aficionada und raucht, wenn sie Zeit und Muße hat, sich ein geeigneter Ort findet und sie in angenehmer Gesellschaft ist. Die Schweizerin ist Mitglied im "Ladies Cigar Club", der einmal im Monat zumeist in Biel, aber auch in Genf oder Zürich in den Raucherlounges von Hotels oder Restaurants zusammenkommt und deren Mitglieder ausschließlich Frauen sind.

"Wir reden über eine Zigarre, die neu auf den Markt kommt, über das Accessoire beim Zigarre rauchen", sagt Patricia Leisi, deren derzeitige Lieblingszigarre die honduranische Vegafina ist. Die Treffen sind immer gut vorbereitet und dank der Kontakte der Gründerin Therese Rihs, die in Biel und Solothurn einen Tabakladen betreibt, immer auch ein wenig spektakulär.

Die Zigarre als Ausdruck der Emanzipation

So haben die rauchenden Frauen die Zigarrenmanufaktur Villiger in Pfeffikon in der Schweiz besichtigt, sind auf dem Schiff des Zigarrenmoguls Davidoff auf dem Zürichsee geschippert und - ein Höhepunkt im Jahr - besichtigen auf eigene Faust und Kosten während des alljährlichen Festivals Tabakplantagen in der Dominikanischen Republik.

Frauen haben schon lange den Männern das Vorrecht auf Zigarren streitig gemacht - und das auffällige Genussmittel gezielt zur Provokation eingesetzt. Die Schriftstellerin George Sand, mit dem Musiker und Komponisten Frédéric Chopin verbandelt, war im ausgehenden 19. Jahrhundert wohl eine der ersten Frauen, die öffentlich Zigarre geraucht hat (und Männerhosen trug). Frauen nahmen in der Geschichte auch immer wieder die Zigarre als politisches Instrument her, um ihre Emanzipation auszudrücken. Die Frauenrechtlerin Luise Hoche mit ihrem "Club Emanzipierter Frauen" in Berlin, die rauchende Gangsterbraut Bonnie Parker aus dem Film 'Bonnie und Clyde' oder heute die Pop-Ikone Madonna genauso wie das Model Linda Evangelista.

Der Zigarre haftete lange Zeit die Symbolik der Freiheit und männlicher Macht an. Warum sollten Frauen sich die nicht zu Eigen machen? Jutta Allmendinger, die Femme Fatale der Wissenschaften und derzeitige Direktorin des Wissenschaftlichen Instituts Berlin für Soziologie, rief einmal dazu auf: "Frauen, lernt Zigarre rauchen und setzt euch zu den Männern!"

Die Zigarrenliebhaberin Kirsten Adamik sagt: "Ich bringe Frauen zusammen, die Zigarre rauchen wollen." In Berlin gibt es derzeit bereits zwei Clubs, den "Ladies Cigar Club Berlin" und die "Chicas fumadas".

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