Dienstag, 23. Juli 2019

Ein Privatkoch erzählt "Ich bin ein Restaurant auf zwei Beinen"

Kommt, kocht, serviert, räumt auf und geht wieder: Der Privatkoch bietet ein Rundum-Sorglos-Paket für den Gastgeber - falls überhaupt Gäste kommen. Manche Kunden lassen sich gern auch mal allein zu Hause bekochen.

Essen kommen lassen statt essen gehen - wer es sich leisten kann, engagiert gerne einen Privatkoch. Schließlich können Geschäftsessen nirgends so diskret organisiert werden können wie in der eigenen Villa. "Effilee"-Autor Oliver Schubert traf einen Vertreter der verschwiegenen Zunft.

Frage: Was unterscheidet dich von einem normalen Koch?

Privatkoch: Man kann mich buchen. Bis maximal zwölf Personen bekoche ich auf einmal, mehr mache ich nicht, weil das zu viel Aufwand mit sich bringt und die Küchen meist nicht dafür ausgelegt sind. Schließlich mache ich alles komplett alleine und frisch, von der Nudel bis zur gefüllten Wachtel, und viele meiner Kunden haben einfach keine anständige Küche zu Hause. Oft nur eine schöne stylische, wo das meistbenutzte Gerät die Kaffeemaschine oder der Crushed-Ice-Maker ist.

Frage: Aber wie kommt man auf die Idee, Privatkoch zu werden?

Privatkoch: Ausgesucht hab ich mir das nicht, es hat sich ergeben. Ich habe damals in einem bekannten Hamburger Sterneladen gekocht, wo auch viel außer Haus gemacht wurde, kleinere noble Abendessen in den Prachtvillen und superschicken Apartments von Prominenten, Politikern, Künstlern und vermögenden Kaufmannsfamilien. Irgendwann wurde ich da auch mal hingeschickt, und fortan haben die meisten nur noch explizit mich bestellt.

Wenn ich frei hatte und wieder mal ein Essen spontan bestellt wurde, wurde ich geholt. Und das war so ungefähr der Anfang. Dann habe ich aufgehört, für den Laden zu arbeiten, und einige Kunden begannen, mich auf dem privaten Handy anzurufen und zu buchen. Also ab zum Gewerbeamt und los ging es.

Ich dachte damals, "na ja, ein halbes Jahr kannst du das ja mal machen". Heute bin ich im zehnten Jahr dabei, mit ein paar kurzen Unterbrechungen, und ich bereue nichts. Habe wahnsinnig viele tolle Menschen und Ansichten und Lebensweisen kennengelernt, und viele tolle Orte, an die ich als Otto Normalverbraucher wohl nie gekommen wäre. Es haben sich auch viele Türen geöffnet, aber die Medaille hat wie immer zwei Seiten, da waren viele arrogante Arschlöcher dabei, Leute, die nie im Leben etwas gearbeitet haben, abfällig schauend, die meisten haben ihr Geld geerbt, und andere Menschen teilweise wie ein Stück Scheiße oder irgendeinen Sklaven behandeln.

Einmal hab ich im Zwischengang des Menüs die Schürze auf den Tisch geworfen und so einem Arsch gesagt, er soll selber kochen, und bin gegangen. Bei solchen Leuten koche ich einmal und nie wieder, wenn die anrufen, bin ich immer ausgebucht. Es gibt einen Kandidaten, der versucht es mittlerweile seit sieben Jahren (lacht).

Nur mal ein kleines Beispiel: Ich war bei einer sehr wohlhabenden Kaufmannsfamilie zur Menüabsprache eingeladen, schickes Haus, sechs Autos vor der Tür, Art-déco-Möbel, alte Kunst an den Wänden, und der Hausherr bekam den Arm kaum hoch, seine Uhr bestand fast nur aus Diamanten. Bestellt wurde wie immer das Protzprogramm: wilder Steinbutt, Langusten, Kaviar, japanisches Rind, Trüffel, Blattgold et cetera, et cetera. Dann kamen wir zum Preis.

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