Sonntag, 16. Juni 2019

Rum Tropfen des Geistes

Rum: Hochprozentige Destillate
Rum & Co

2. Teil: Eigentlich ist Rum ein Abfallprodukt der Zuckerherstellung

Rum ist ein Abfallprodukt der Zuckerherstellung. Setzt man der bei der Erzeugung des Zuckers entstehenden Melasse Wasser zu, entsteht durch Gärung eine Art Zuckerwein, der anfangs den Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen zur Belohnung gegeben wurde.

Sehr schnell kam man jedoch auf den Gedanken, durch Destillation des Zuckerweins einen Brand herzustellen, der es ermöglichte, die Gewinnspanne aus dem Zuckerrohranbau deutlich zu erhöhen. Es waren wiederum die Engländer, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts erstmals Destillerien in die Karibik brachten.

Allerdings waren die Destillationsverfahren - in Europa im Prinzip seit dem Mittelalter bekannt - noch unausgereift. Der dabei entstehende Fusel, "Tafia", "Kill Devil" oder "Rumbullion" genannt, war stark, scharf und selbst für damalige Begriffe kaum trinkbar. Es wundert daher nicht, dass der zivilisierte Plantagenbesitzer Brandy, Sherry oder Madeira trank und Zuckerrohrschnaps zunächst ein Getränk der Armen und der Sklaven blieb.

Seinen Aufstieg in den Kanon europäischer Spirituosen verdankt der Rum einer Reihe verschiedener Faktoren: Ein Problem der Seefahrt war die Versorgung der Mannschaft mit Wasser, das sich an Bord in kurzer Zeit in eine brackige, gallertartige Masse zu verwandeln pflegte. Rum machte die stinkende Brühe halbwegs genießbar und hatte zudem desinfizierende Wirkung. Zugleich war ein neues Getränk erfunden: der Grog.

Die Royal Navy gab bis 1970 Rum-Rationen aus

Dessen Namen geht auf den britischen Vizeadmiral Edward Vernon zurück, genannt "Old Grogram", da er an Deck stets einen Grogram, einen derben, imprägnierten Wollmantel zu tragen pflegte. Vernon, besorgt ob des alkoholisierten Zustandes seiner Mannschaft, verfügte, die tägliche Ration Rum (insgesamt circa einen halben Liter!), die in der Royal Navy 1655 eingeführt worden war, mit Wasser zu verdünnen. Um das Ganze schmackhafter zu machen, fügte man noch Zucker hinzu. Die letzte Ration Rum wurde in der Royal Navy übrigens am 31. Juli 1970 ausgegeben - dem Tag, der seitdem als "Black Tot Day" von allen echten (See-)Männern betrauert wird.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts verbesserten sich die Destillationsverfahren, was auch dem Rum zugute kam. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es dann in England zu miserablen Getreideernten und in Frankreich sorgte die Reblaus für eine Katastrophe in den Weinbergen. Beide Faktoren ließen die Nachfrage nach Rum sprunghaft ansteigen.

Als Ende des 19. Jahrhunderts schließlich die Zuckerrübe als Lieferant für günstigen Zucker in Europa entdeckt wurde und der Markt für Rohrzucker einbrach, waren die verbleibenden Zuckerbarone gezwungen, sich endgültig auf die Produktion von Rum zu konzentrieren und die Qualität der Zuckerrohrschnaps entsprechend zu verbessern. Allerdings hatte der Rum zu diesem Zeitpunkt schon lange sein schlechtes Image als Getränk der Sklaven und Seeleute abgelegt. Neben dem Grog und dem Punsch sorgte dafür auch die ab Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommende Cocktail-Kultur.

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