Mittwoch, 17. Juli 2019

Vancouver Die edle Küche des rauen Westens

Vancouver: Eine Region für Gourmets
TMN

Der Westen Kanadas verspricht unberührte Natur, wilde Tiere und eine raue Pazifikküste. Kein Wunder, dass das Essen hier meist deftig ist. Aber Vancouver kann auch anders. In der Stadt hat sich eine feine, innovative Küche entwickelt, die keinen Vergleich scheuen muss.

Vancouver - Kanada ist kein Land für Vegetarier. Wo Eishockeyspieler, Holzfäller und Mountie-Polizisten Nationalsymbole sind, gehört ein Stück Fleisch auf den Teller. Kanadas Küche gilt als deftig, und in den meisten Regionen ist das auch so. Doch in den vergangenen Jahren ist an der Westküste viel passiert. Und gerade das bei Deutschen so beliebte Vancouver hat sich zum Anziehungspunkt für junge, experimentierfreudige Köche entwickelt.

Eines der neuesten Restaurants Vancouvers ist auch eines der kleinsten. Doch die Judas Goat Taberna ist längst kein Geheimtipp mehr, zumindest nicht bei den Einheimischen. Gerade 30 Plätze hat das Restaurant, das in einer Seitenstraße im Amüsierviertel Gastown liegt. Es ist kaum größer als eine große Küche. Darin kocht und serviert Nathan Doyle ganz allein. Der 24 Jahre alte Australier kam vor zweieinhalb Jahren nur kurz nach Vancouver - und blieb dort hängen. "Die Stadt ist einfach so weltoffen, so lebendig, so bunt, dass man sich einfach in sie verlieben muss."

Doyle serviert Thunfischhappen mit Olive, Wachtelei mit Tomatenmarmelade oder Schweinefleischtäschchen mit Chutney. Immer kommt noch ein besonderes Gewürz hinzu, das aus dem Besonderen etwas noch Ungewöhnlicheres macht. Doyle will Vancouver-Küche machen. "Das ist gar nicht so einfach. Durch die Einwanderer haben wir so viele Einflüsse, dass die Küche eine Mischung ist. Sozusagen das Beste von allem." Auch deutsche Einflüsse sind dabei, vor allem aber asiatische. Kein Wunder - ist Vancouver doch nach San Francisco die zweitgrößte chinesische Stadt außerhalb Chinas.

Barmixer haben hier Promistatus

Die kanadische Westküste hat eine besondere Cocktail-Kultur. Die Barmixer haben hier Promistatus, und wenn einer die Bar wechselt, gehen die Kunden mit. Deshalb ist Scott Curry auch der heimliche Star des Alta. Das Bistro liegt in Whistler, immerhin gute 100 Kilometer von Vancouver entfernt. Doch spätestens seit den olympischen Spielen 2010, bei denen viele Wettkämpfe in dem Örtchen stattfanden, gehört Whistler irgendwie zu Vancouver. Scott nennt sich "Cocktail Technician". Er mixt Drinks aus nicht ganz gewöhnlichen Zutaten. Im "From the Garden" finden sich Holunder und Limone, aber auch Basilikum und Gurke.

Doch im Alta gibt es natürlich auch etwas zu essen. Dem Koch darf der Besucher beim Zubereiten zugucken. Gleich am Eingang werkelt er hinter einer großen Glasscheibe. Erst seit ein paar Monaten betreiben Edward Dangerfield und Eric Griffith, beide um die 30, ihr Lokal mit den 43 Sitzplätzen. Auch die beiden setzen auf lokale Küche, Zutaten aus der Region - und das Internet. "Ich war nie ein Freund der sozialen Netzwerke", sagt Edward. "Aber seit wir über Twitter zum Beispiel Änderungen auf der Speisekarte vorschlagen, kommen jeden Tag Leute und sagen, sie hätten da was gelesen und wollten das jetzt ausprobieren."

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