Donnerstag, 22. August 2019

Gastronomie und Service Fremder König Gast

Der eine kocht, der andere isst: Es könnte so einfach sein. Ist es aber nicht immer. Die Beziehung zwischen Service und Gast können kompliziert sein.

4. Teil: Es geht um Starkult, nicht ums Essen

Im Falle einer Reklamation jedoch sagt der Gast oft einfach nichts, schreibt dafür im Nachhinein aber einen Beschwerdebrief. Oder greift auf ein Internetforum zurück. Er ereifert sich und schreibt, er wird ein Haus nicht weiterempfehlen, sogar seine Freunde davor warnen, dort auch nur einen müden Euro zu lassen. Wie viel Zivilcourage ein Bürger entwickeln kann, wenn ihm mal sein Essen nicht schmeckt, ist schon beachtlich. Und es ist schmerzlich mit anzusehen, unter welchem Aufwand einerseits der Service geschult wird, im Konfliktfall dann aber Sprachlosigkeit und schließlich Wut regieren.

Dabei geht es doch nur um Essen. Letztens gab mir ein Kollege einen Beschwerdebrief zu lesen, in dem sehr nette Gäste bitter enttäuscht waren, dass der Koch nicht am Tisch vorstellig wurde. Das sei eine Unverschämtheit und sie kämen nie wieder. Was soll man darauf antworten? Ein Stones-Konzert ohne Mick Jagger ist schwierig zu verkaufen. Aber hier ging es offenbar um fehlgeleiteten Starkult, nicht ums Essen.

Wir haben heute den Konflikt von völlig demokratisierten Verhältnissen und dem fehlgeleiteten, absolutistischen Anspruch des Gastes im Spannungsfeld mit einem heterogen-amorphen Service und dessen immer noch erwarteter Dienstleistungspflicht.

Der Gast, etymologisch hergeleitet ein Fremder oder Eindringling, ist ursprünglich nicht zwangsläufig positiv konnotiert. Er könnte einem auch den Schädel einschlagen, weil er ein Auge auf des Wirtes Tochter geworfen hat. Doch nach einer warmen Mahlzeit ist man meist milde gestimmt, und so setzte sich der Gast in heutiger Bedeutung durch und der Eindringling wurde vertrieben.

Und so wird heute nicht mehr gedient und es gibt auch keine Befehle mehr von oben. Der König ist entmachtet und zu Gast bei Leuten, deren Job es ist, Gastgeber zu sein. Und so wie Regeln den Service strukturieren, helfen gute Umgangsformen, mit den renitenten Kellnern zurechtzukommen. Der größte Fehler, der im Gastgewerbe von beiden Seiten gemacht werden kann, ist die Superbia, in einem Weltbestseller auch als einer der sieben Todsünden gelistet.

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Es ist egal, was du bist, Hauptsache ist, es macht dich glücklich.

Es ist egal, was du isst, Hauptsache ist, es macht dich dicklich.

Es ist egal, was du fährst, solang du nur klärst, es hat ein Rücklicht.

(Farin Urlaub)

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