Montag, 21. Oktober 2019

Chefköche der Staatsoberhäupter Politik à la carte

Kulinarisches Gipfeltreffen: Sie kochen für die Mächtigen der Welt
Hotel Adlon Kempinski

Es ist ein Gipfeltreffen der besonderen Art: In Berlin versammeln sich die Köche von Königen, Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt. Sie wissen, was Obama, Merkel und Co schmeckt. mm-Autorin Kirsten Schiekiera hat ihnen in die Töpfe geschaut.

Berlin - Auf die Frage, welches Gericht bei Angela Merkel die Mundwinkel nach oben schnellen lässt, mag Ulrich Kerz keine Antwort geben. Der Chefkoch des Bundeskanzleramtes zeigt sich verschwiegen, wenn er auf die Essensvorlieben der Kanzlerin und ihrer Staatsgäste angesprochen wird.

Eine unkomplizierte Küche mit saisonalen Produkten würde er zubereiten: Kassler, Beelitzer Spargel, Teltower Rübchen, Fisch aus der Ostsee und Schwarzwurzeln "geschält, geschrappt und schön in Butter geschwenkt."

Sein Kollege Christian Garcia, Chefkoch im Fürstentum Monaco, mag sich ebenfalls nicht zu den Speisevorlieben von Prinz Albert und seiner Frau Charlène äußern. "Wenn ich verraten würde, was er besonders gerne isst, dann würde man ihm diese Speise ja andauernd vorsetzen."

Eine Lektion lernen die anwesenden Journalisten schnell beim Treffen des "Club des Chefs des Chefs" im Berliner Hotel Adlon: Wer für Staatsgäste den Kochlöffel schwingt, muss nicht nur sein kulinarisches Handwerk aus dem Effeff beherrschen, sondern möglichst sämtlichen Fragen mit unverfänglichen Antworten ausweichen. Diskretion ist Ehrensache. Nach einem Bankett darüber zu plaudern, dass ein Präsident seine Dessertschale genüsslich ausgekratzt hat, scheint ein größeres Vergehen zu sein, als eine Suppe zu versalzen.

Gegründet von einem Modeschöpfer

Rund vierzig Köche und Köchinnen sind Mitglieder des "Club des Chefs des Chefs", der in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag feiert. Aufgenommen wird nur, wer regelmäßig für hochkarätige Politiker und Adelige kocht. Der Gründer des Clubs ist nicht etwa ein Koch, sondern der Modeschöpfer Gilles Bragard, der zahlreiche Berufsuniformen für die Hotel- und Restaurant-Branche entworfen hat. Bei einem ersten von ihm arrangierten Treffen im Jahr 1977 kamen acht Chefköche im Restaurant von Paul Bocuse zusammen. Seitdem trifft man sich jährlich, im Lauf der Jahre sind aus den festlichen Abendessen mehrtägige Auslandsexkursionen geworden.

In diesem Jahr steht das Treffen unter dem Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft. Vom 18. bis zum 21. Juli sind die Köche in Berlin, danach geht es weiter nach Paris, wo das Miteinander am 25. Juli endet. Sie machen Stadtrundfahrten, radeln durch den Tiergarten und werden im Elysée-Palast und im Kanzleramt empfangen.

Beim Mittagessen mit Angela Merkel wartet auf die Köche ein Mahl, das Ulrich Kerz gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Bernard Vaussion kreiert hat. Details werden natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es wird ein französisches Gemüsebüfett geben, aber auch Fisch, Rostbratwürstchen und Sauerkraut. Letzteres sei bei ausländischen Gästen, wie Ulrich Kerz versichert, allen Vorurteilen zum Trotz ausgesprochen beliebt.

Die fetten Jahre sind vorbei

Mit ihrer Speisenauswahl haben die beiden Köche ganz im Sinne von Gilles Bragard gehandelt, dessen Leitspruch "Die beste Küche der Welt ist die deiner Mutter" lautet. Das bedeutet, dass die "Chefs des Chefs" ihre internationalen Gäste mit regionalen Spezialitäten verwöhnen sollen. Die derzeit so beliebte Fusionsküche, die kulinarische Kulturen und Regionalküchen miteinander vermischt, hat nach Ansicht des Club-Gründers bei Staatsempfängen nichts verloren.

Einer anderen gesellschaftlichen Strömung der letzten Jahre konnten sich die Chefköche der Staatsoberhäupter nicht verschließen. Weltweit wird auch bei Staatsbanketten kalorienärmer und leichter gekocht. "Heute wird mehr Obst und Gemüse serviert, die Politiker und ihre Köche müssen ja fit bleiben", sagt Gilles Bragard.

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