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Weinempfehlungen: 15 besondere Tropfen aus dem Piemont

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Weine aus dem Piemont Magische Gewächse

Das Piemont erstreckt sich von den oberitalienischen Seen bis ans Mittelmeer. Im Zentrum des Dreiecks Turin, Mailand und Genua wachsen Barolo, Barbaresco, Barbera und Dolcetto. mmo-Autor Christian Wenger hat vor Ort 15 ausgezeichnete Weine der Region ausgesucht.
Von Christian Wenger

Alba - Im Dreieck der Städte Alba, Dogliani und Canelli liegen die Orte mit den für Weinfreunde magischen Namen: Barbaresco, Neive, Treiso, La Morra, Barolo, Novello, Serralunga, Castiglione Falletto und Monforte d'Alba. Die Gegend mit den sanften Hügeln heisst Langhe, italienisch Langa, und umfasst knapp ein Fünftel der Fläche des Piemont, das sich bis an die Schweizer Grenze erstreckt und Turin zur Hauptstadt hat.

Sachlich gesehen wird mehr oder weniger im gesamten Piemont Wein produziert. Das Herz jedoch liegt in der Langa. Auf den ersten Blick sind die Langhe kein Ziel für die Befriedigung klassischer Italien-Sehnsüchte: Bis ans Meer sind es gut 120 Kilometer, das Klima ist für italienische Verhältnisse eher kühl, der Frühling niederschlagsreich, die nahen Berge auch im Sommer schneebedeckt, die Nebel im Herbst feucht und hartnäckig dick, die Winter lang und kalt.

Die schmalen, verschlungenen und mitunter steilen Strassen zwingen zur Langsamkeit, touristische Attraktionen fehlen, über dem ganzen Gebiet liegt eine eher melancholische Grundstimmung, die gut zu zurückhaltenden Art der Pineroli passt, wie die Bewohner des Piemonts korrekt heissen.

Die wichtigste Traubensorte im Piemont ist die Nebbiolo-Traube. Aus ihr entstehen der Barolo und der Barbaresco. Dieser Name des Weins wird auf dem Etikett stets ergänzt mit den Namen des Produzenten, der Produktionszone und der Lage beziehungsweise dem Namen des Weinbergs.

Barbera und Dolcetto sind die zwei anderen Traubensorten, aus denen gleichnamige Weine gemacht werden. Die weißen Trauben heißen Arneis, Favorita, Nas-Cetta, Moscato, Timorasso und Cortese (Gavi). Neben diesen meist reinsortig ausgebauten Weinen haben in den letzten Jahren auch Kombinationen Erfolg, die aus einheimischen Sorten oder mit Merlot und Cabernet Sauvignon gemischt werden.

Die preisliche Schmerzgrenze ist offenbar noch nicht erreicht

Leider haben sich auch die piemontesischen Winzer in den letzten Jahren auf Preisgipfel vorgearbeitet, wo die Luft für den Normalkonsumenten dünn wird, aber Charakter und Typizität der Weine sind so herausragend, dass die Schmerzgrenze offenbar noch nicht erreicht ist. Weine, die sich mit Namen wie Arborina, Larigi, Darmagi oder Piodilei ins Ohr schmeicheln, können eigentlich gar nicht anders, als exotisch-aromatisch-verführerisch zu duften und sanft, weich, würzig und harmonisch zu schmecken.

Und darüber hinaus haben sie Statur, Finesse und das Potential, sich ihre kompakte Struktur, ihre geschmeidige Kraft für viele Jahre zu erhalten. Auf dem deutschen Markt haben sich die klassischen Produzenten seit Jahren etabliert - wenngleich (wie der Brunello und die Edelweine aus der Toskana) zu teilweise absurd hohen Preisen.

Kleinere und jüngere Produzenten tun sich oft schwer, einen Importeur zu finden; bei einer Bestellung ab Weingut schlagen die Transportkosten bei den geringen Mengen für den Privatgebrauch überproportional zu Buch. Obwohl dadurch einige Novitäten und Trouvaillen unerwähnt bleiben, orientiert sich die folgende Auswahl deshalb an den auf dem deutschen Markt erhältlichen Weinen.

Wer es kann, trüffelt sich das ganze Menü

Diese sanfthügelige Gegend lässt einen nicht mehr los: Wie ein Magnet ziehen die animalisch duftenden Knollen des Weissen Trüffels jeden Herbst fröhliche Esser und Zecher an. Italiener aus Mailand und Turin, Franzosen, Schweizer, Österreicher, Deutsche dominieren das Stimmengewirr auf den Trüffelmärkten, in Alba und anderen grösseren Orten und abends in den Restaurants.

Wer es mag und kann, trüffelt sich das ganze Menü, feingehobelt über Antipasti, Primi und Secundi. Werden die Trüffel auf der Rechnung separat ausgewiesen, können so leicht fünfzehn bis zwanzig Gramm zusammenkommen. Aber so üppig muss es nicht sein. Kenner essen nur ein Gericht, nur ein Piatto, das die Feinheiten des Pilzes optimal zur Geltung kommen lässt: Trüffel auf handgemachten schmalen Eiernudeln, den piemontesischen Tajarin, oder auf der Fonduta, der trefflichen Mischung aus Fontinakäse und Eigelb.

Wenn hundert Weinjournalisten und wichtige Händler und Restaurantbesitzer aus der ganzen Welt nach Alba reisen und eine Woche lang Weine degustieren, müssen die Weine den Aufwand rechtfertigen. Das Treffen findet jedes Jahr im Mai statt, in Alba, im Herzen der Langhe im Piemont. Fünf Tage dauerte dieses Jahr die Vorstellung der Weine, die ab diesem Jahr für den Markt freigegeben sind: Barolo des Jahrgangs 2008, Riserva 2006, Barbaresco 2009, Roero 2009.

Die meisten von ihnen sind an der typischen Flasche zu erkennen, der Albeisa. So heisst auch die 1973 gegründete Vereinigung von Produzenten, die den Weinen der Langhe mit dieser charakteristischen, unverwechselbaren Flasche eine eigenen Identität geben wollten. Unter den mehr als 200 Weinproduzenten, die ihre Weine der Degustation stellten, gab es erfreulicherweise 30 neue Produzenten, die zum erstenmal ihre neuen Weine präsentierten.

Leider fehlten einmal mehr die meisten der grossen Namen. Das Argument, dass sie ihre Weine schon verkauft hätten, dürfte nicht in allen Fällen zutreffen. Das Piemont hat mehrere gute und herausragende Jahrgänge in Folge vorzuweisen. Das schaffte ein angenehm hohes Niveau und erfreuliche Eindrücke. Zum ersten Mal war die Verkostung nach den Tagen für die Fachleute auch für das weininteressierte Publikum geöffnet. Der Erfolg dürfte zu einer Wiederholung in den kommenden Jahren führen.

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