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Genießer-Gadgets: Helferlein für den Weinabend

Foto: Zaltoglas

Weinzubehör Gadgets für Genießer

Das riesige Angebot von Weinzubehör will glauben machen, dass wahrer Genuss nur mit Glas und Flasche kaum möglich ist. Ob man einen Korkenzieher für 180 Euro braucht, ist aber eher eine Glaubensfrage. mmo-Autor Christian Wenger hat sich auf dem Gadget-Markt umgesehen.
Von Christian Wenger

Hamburg - Wer Wein trinken will, braucht, könnte man denken, eigentlich nur drei Dinge: Eine Flasche Wein, ein Werkzeug, um selbige zu öffnen, und, so viel Kultur muss sein, ein Glas, um den Wein daraus zu trinken. Damit könnte es auch schon gut sein. Ist es aber nicht. Es gibt eine Fülle von Gadgets und Zubehörprodukten, die den Weinliebhaber glauben machen will, dass es weitaus mehr braucht als Flasche, Öffner und Glas. Und auch wer sich auf diese Basics beschränken will, hat einiges zu bedenken.

Inzwischen hat es sich ja herumgesprochen, dass die Gläser beim Weingenuss eine gewichtiges Wort mitreden. Dem Hersteller Riedel kommt das grosse Verdienst zu, Weintrinker und Gastronomie dafür sensibilisiert zu haben. Erstklassige Weingläser gibt es neben Riedel auch von Zwiesel, Spiegelau, Stölzle, Orrefors, Lobmeyr und von Zalto Denk'Art. Letztere haben bei einem grossen Gläsertest die Konkurrenz ziemlich hinter sich gelassen.

Man braucht allerdings nicht für jede Weinart ein spezielles Glas, auch wenn das manche Hersteller das suggerieren wollen. Eins für Weisswein, eines für gehaltvolle Rote und vielleicht noch eines für die filigraneren Rotweine reichen völlig aus. Ein für alle Weine gleichermassen ideales Glas wird es allerdings nie geben.

Öffnungswerkzeuge für Profis, Kenner und Genießer

Bei den Werkzeugen zur Flaschenöffnung scheiden sich die Geister. Kellner und Sommeliers schwören auf das klassische Kellnermesser. In der Hand des Fachmanns der zweifellos beste Korkenzieher und Kapselschneider: Flach, leicht, immer zur Hand. Diese Geräte gibt es umsonst als Werbegeschenk, für wenige Euros aus Edelstahl, zweistufig von Pulltap oder Screwpull bis zur handgemachten Edelausführung der französischen Kultschmiede Laguiole oder edlen Editionen des Sommeliers Hendrik Thoma für knapp 300 Euro.

Für den Weinkenner daheim löste der handbetriebene Screwpull der ersten Generation viele Probleme: Konstrukteur Herbert Allen verpasste ihm 1979 eine mit Teflon beschichtete Spirale mit einem Durchmesser, der so gross war, dass er den ganzen Korken durchdringen konnte und lang genug, um auch fünf Zentimeter lange Edelkorken auf ganzer Länge zu packen. Der genial einfache Mechanismus, der nur ein Drehen erforderte, bis der Korken sauber aus der Flasche gehoben war, nahm vielen Weinfreunden die Angst, beim Öffnen etwas falsch zu machen.

Nachdem der Patentschutz für den genialen Leverpull auslief und schon im gleichen Monat Kopien aus Fernost zu Schleuderpreisen auf die Märkte geworfen wurden, hat Screwpull nun nachgelegt und sich technologisch wieder einen Vorsprung verschafft, der nicht so leicht einzuholen sein dürfte: Der neue LM-400 lässt sich noch müheloser bedienen als sein Vorgänger und wird auch mit zähen Kunststoffkorken spielend fertig. Die Hebelmechanik wurde in ein aufsetzbares Gehäuse integriert und damit der immer etwas kritische Punkt der Überbelastung der Antriebsspindel eliminiert. Eine perfekte Maschine mit einem entsprechenden Preis: 180 € ist die unverbindliche Preisempfehlung.

Sammler alter und entsprechend wertvoller Flaschen fürchten die weichen, bröseligen Korken, aus denen jede Korkenzieher-Spirale wieder herausrutscht. Hier hilft nur der Spangenkorkenzieher. Die beiden unterschiedlich langen Metallzungen greifen nach sanftem Wippen an beiden Seiten zwischen Flaschenhals und Kork und befördern diesen unter sanftem Drehen aus der Flasche. In umgekehrter Anwendung kann so sogar die Flasche wieder verschlossen werden.

Bei Bröselkorken hilft nur ein Spangenkorkenzieher

Das ist wichtig, denn dem Wein in der Flasche bekommt der Luftsauerstoff gar nicht. Reste sollten deshalb schnell verschlossen werden. Beim Aluminium-Drehverschluss ist das kein Problem, aber Originalkorken passen oft nicht mehr in den Flaschenhals. Da hilft ein separater Verschluss. Den gibt es für normalen Wein und für Schaumweine. Zwei, drei Tage lassen sich damit im Kühlschrank überbrücken - ohne nennenswerten Qualitäts- oder Druckverlust. Den Trick mit dem Silberlöffel kann man getrost vergessen - er funktioniert definitiv nicht.

Kommt die Flasche nicht präzise temperiert aus dem Weinklimaschrank mit unterschiedlichen Temperaturzonen, müssen Weiß- und Schaumweine heruntergekühlt werden. Das geht am besten mit Eis aus dem Tiefkühlfach und einem Flaschenkübel. Der muss hoch genug sein, damit auch hohe Flaschen ausreichend bedeckt sind. Kühlen Sie etwas tiefer - beim Einschenken erwärmt sich der Wein um zwei bis drei Grad. Eine gute Prise Salz auf das Eis intensiviert die Kühlung. Weinkühler gibt es in allen Materialien, Größen und Preislagen.

Je besser der Wein, desto mehr lohnt es sich, in Zubehör zu investieren - könnte man meinen. Aber mit den richtigen Gadgets kann man auch Alltagsweine ein wenig tunen. So befreit eine kleine Sauerstoffdusche Weiss- und Rotweine von harmlosen Fehltönen, die sich speziell bei unfiltrierten Weinen als Hefetöne oder Holzgeruch breit machen können. Dafür genügt das Umfüllen in eine Karaffe oder einen Dekanter. Junge Weine reifen so pro Stunde etwa ein Jahr, alte Weine pro Stunde etwa fünf.

Weinklimaschränke als Alternative zum Keller

Wer mag, füllt den Wein in die Flasche zurück, der Sauerstoffkontakt ist dort etwas geringer. Ältere Weine mit Depot sollten dekantiert werden. Dabei wird der Wein so langsam und sorgfältig in eine Karaffe umgossen, dass kein Depot mitfließen kann. Wer den alten, kostbaren Bordeaux bis zum letzten Tropfen geniessen will, nimmt einen Filter wie den Vinopur. Die Anschaffungskosten von etwas mehr als hundert Euro haben sich schon nach wenigen großen Flaschen amortisiert.

Karaffen gibt es von zahlreichen Herstellern, maschinengefertigt oder mundgeblasen. Entsprechend unterschiedlich sind die Preise. Bei der Wahl der Form sollte man bedenken, dass das schöne Teil auch mal in den Kühlschrank muss und vor allem gespült und getrocknet werden will.

Nur wenige Wohnungen verfügen noch über einen kühlen Weinkeller. Schwierig, für einen Weinvorrat den richtigen Aufbewahrungs- und Lagerort zu finden. Zumindest für den Hausgebrauch haben sich Weinklimaschränke als gute Lösung erwiesen. Im Prinzip funktionieren sie wie ein Kühlschrank. Im Gegensatz zu den Weinlagerschränken, die einheitlich auf allen Rosten die gleiche Temperatur bieten, sind Weinklimaschränke in unterschiedliche Temperaturzonen eingeteilt. Zunterst, bei nur wenigen Grad lagern die Schaumweine und Champagner, nach oben ansteigend die Weine, die wärmer getrunken werden, bis zur sogenannten Zimmertemperatur, die nicht höher als 15 Grad sein sollte.

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