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Businessessen: Wie man richtig mit Geschäftspartnern speist

Foto: A3483 Matthias Schrader/ dpa

Geschäftsessen So gelingt der Business Lunch

Das gute alte Geschäftsessen ist aus der Mode geraten. Dabei ist ein gut gedeckter Tisch immer noch der beste Ort, um Wichtiges zu besprechen. Ein oder zwei Gläser Wein räumen nicht nur Hemmungen, sondern auch Hindernisse aus dem Weg - wenn man ein paar Grundregeln beherzigt.
Von Vijay Sapre

Hamburg - Einer der Trugschlüsse, denen man in seinem Berufsleben aufsitzen kann, ist jener, dass Geschäfte umso rationaler angegangen werden, je größer sie werden. Das Gegenteil ist der Fall. Man kann das gut im privaten Bereich beobachten: Eine der größten Anschaffungen ist das Auto, und wer wollte ernsthaft behaupten, dass hier die Kaufentscheidung vom Verstand bestimmt würde? Nein, die Entscheidung fällt im Bauch, hier wie dort. Und wenn der Bauch so wichtig ist, sollten dessen Bedürfnisse nicht zu kurz kommen, wenn Entscheidungen vorbereitet oder gefällt werden. Das ist zunächst leicht einzusehen.

Leider leben wir in einer Kultur, die Arbeit und Vergnügen relativ streng voneinander trennt: erst diese, dann jenes. Wer sich dem entzieht, setzt sich schnell dem Verdacht aus, "zu viel Zeit" zu haben oder die Dinge nicht ernst genug zu nehmen. Sei's drum. Die Guten zeichnen sich dadurch aus, dass sie tun, was sie selbst für richtig halten - und nicht, was ihnen die Buchhaltung vorschreibt.

Abgesehen davon, dass man sowieso essen muss (und es dann ruhig auch anständig tun kann), gibt es eine Reihe von guten Gründen, Besprechungen auf das Mittagessen zu verlegen. Wobei vorab zu sagen ist, dass alles keinen Wert hat, wenn man nicht selber aufrichtig Spaß an gutem Essen und einer zivilisierten Unterhaltung hat. Dies vorausgesetzt, gibt es aber eine ganze Reihe von Argumenten, was die betriebliche Veranlassung betrifft.

Da ist zunächst mal die Erkenntnis, dass man lieber mit Menschen zusammenarbeitet, die man kennt. Und man lernt sich nirgends so schnell und gut kennen wie bei einem gemeinsamen Mahl. Wenn man Glück hat, teilt man sich dabei eine Flasche Wein. Wer einlädt, gewinnt in jeder Verhandlung auf spielerische Weise die Initiative zurück, festgefahrene Gespräche werden plötzlich wieder locker und führen zum Ziel. Das liegt übrigens auch daran, dass man sich auf "neutralem" Gebiet trifft. Es gibt in diesem Zusammenhang eine Reihe von Dingen, die man richtig machen kann, die wichtigsten habe ich versucht, hier zusammenzutragen.

Originalität kann auch geizig wirken

Bei der Wahl des Restaurants sollte das Ziel sein, einen gewissen Eindruck zu hinterlassen. Daher scheidet schon mal alles Mittelmäßige aus, das ist schneller vergessen, als der Bewirtungsbeleg eingereicht ist. Eher ist die Currywurstbude richtig, oder McDonald's am Flughafen. Überschätzen Sie aber nicht die Originalität dieser Idee, beziehungsweise verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Originalität erkannt wird. Es könnte auch einfach geizig wirken.

Optimal sind "bessere" Restaurants, die aber nicht allzu ambitioniert sein sollten, Restaurants, denen Gastlichkeit wichtiger ist als ihre Kreativität. Die findet man in der Regel eher unter den Ein-Sterne-Häusern als unter den mit zwei und drei Sternen ausgezeichneten, in denen oftmals das Essen und das Ambiente allzu sehr vom eigentlichen Anlass ablenken.

In den meisten Fällen lohnt es sich auch, schon bei der Reservierung mitzuteilen, dass man etwas zu besprechen hat. Wer nach einem ruhigen, diskreten Tisch fragt, bekommt den in den besseren Häusern meistens auch. Mit etwas Glück hält man sich dann auch bei der Annonce der einzelnen Gänge zurück; es ist leider Mode geworden, jeden Teller ausführlich zu erklären, im schlimmsten Fall noch mit der Anleitung, was in welcher Reihenfolge wie zu essen ist.

Dann sollte es natürlich ein Lokal sein, in dem man sich als Einladender selbst wohlfühlt. Am besten also eins, in dem man schon das eine oder andere Mal gewesen ist. Soviel Engagement, denke ich, kann man erwarten.

Einfache Grundregeln erleichtern das Geschäft

Es gibt aber eine ganze Menge Unsicherheit, wie man sich in einem Restaurant richtig verhält. Das liegt auch daran, dass wir uns in vielen Bereichen des Lebens von formalen Einschränkungen freigemacht haben. Das ist im Prinzip völlig in Ordnung, trotzdem ist es sinnvoll, sich über einige Regeln Gedanken zu machen.

Zunächst sollte man Klarheit darüber schaffen, wer einlädt. Nicht, weil derjenige am Ende auch die Rechnung übernehmen wird, sondern vor allem, weil alles Folgende viel einfacher wird, wenn man weiß, wer für die Entscheidungen zuständig ist. Es hilft also, gleich bei der Verabredung den Satz "Ich lade Sie ein" fallen zu lassen. Klar, das kostet am Ende Geld, aber wir sprechen ja vom Geschäft, da ist es immer gut, die Initiative zu übernehmen. Und, logisch, wer einlädt, darf auch das Restaurant aussuchen, so sind Sie vor bösen Überraschungen gefeit.

Sie selbst betreten das Restaurant übrigens zuerst. Die Höflichkeit gebietet zwar in der Regel, dem anderen den Vortritt zu lassen, das gilt aber nicht, wenn man sich gewissermaßen auf fremdes Territorium begibt (und das ist ein Restaurant). Idealerweise sagen Sie kurz: "Ich geh mal voran!", so verhindern Sie, dass Sie mit Ihrem Gast zusammenrumpeln. Wenn Sie anschließend vom Kellner an den Tisch gebracht werden, bleiben Sie aber zurück, damit Ihr Gast sich als Erster den Platz aussuchen kann.

Bestellen müssen Sie wiederum als Erster. Schließlich haben Sie eingeladen und werden am Ende die Rechnung bezahlen. Sie können daher nicht Ihrem Gast die Entscheidung darüber überlassen, ob einer, zwei oder drei Gänge gegessen werden. Sie können so was besprechen, aber viel einfacher ist es, bei der Bestellung beherzt voranzugehen. Wenn Ihr Gast daraufhin sagt: "Ach, dann guck ich auch noch mal nach einer Vorspeise", dann haben Sie alles richtig gemacht.

Der schwierigste Moment kommt am Schluss

Das Gleiche gilt im Prinzip für den Wein. Vor vielen Jahren war ich als Juniortexter einer Werbeagentur mit meinem Chef und einem Kunden essen. Auf dem Weg zum Tisch wurde ich aus dem Mundwinkel heraus noch angeranzt: "Getrunken wird jetzt nichts!" Als dann der Kellner kam und fragte, ob es ein Glas Wein zum Essen sein dürfe, entging unserem Kunden nicht, dass es mir schwerfiel, nein zu sagen. "Ich würde gern", sagte er, "wenn Sie mir dabei Gesellschaft leisten." Das Ergebnis war ein schlecht gelaunter Chef und ein fröhliches Gespräch zwischen dem Kunden und mir, der ich letzten Endes ja auch die Leistung zu erbringen hatte.

Wer isst, muss sich mit Besteck auseinandersetzen. Gerade in modernen, guten Restaurants stellt sich hin und wieder die Frage: "Womit soll ich das jetzt essen?" Früher galt mal die Regel, von außen nach innen, das waren die Zeiten, als das Besteck für das ganze Menü komplett eingedeckt wurde. Das gibt es fast gar nicht mehr. Heute gilt: Alles was auf dem Tisch liegt, steht Ihnen als Werkzeug zur Verfügung. Sollte ein Teil, das Sie benutzt haben für den nächsten Gang erforderlich sein, wird es eben neu eingedeckt, im Zweifel kann man immer fragen.

Das Wichtigste ist, für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen. Ich erinnere mich an eine Gelegenheit bei einer recht steifen Veranstaltung, als es ans Essen ging: Der Chef des Investmentfonds, der eingeladen hatte, nahm sein Jackett ab, hängte es über die Stuhllehne, warf mit Schwung die (zweifellos sündhaft teure) Kravatte über die Schulter, schenkte sich das Glas voll und fing an, mit Appetit zu essen. Es dauerte nur wenige Minuten, bis im ganzen Saal die Stimmung gelöst und die Gespräche im Gange waren.

Das muss man natürlich nicht eins zu eins nachmachen, vor allem funktioniert es in dieser Form sicher am besten, wenn man schon Chef ist, aber das Prinzip, mit einer kleinen Geste die Spannung zu lösen und die Form zu brechen, sollte man sich merken.

Der schwierigste Moment kommt am Schluss, nämlich dann, wenn es um die Rechnung geht. Völlig inakzeptabel finde ich - vor allem bei so einer Gelegenheit -, die einzelnen Positionen aufzurechnen. Katastrophal wird es, wenn sich dann noch einer die Rechnung für die Buchhaltung mitnimmt.

Eigentlich ist es ganz einfach: Die Rechnung zahlt der, der am Anfang das Wort "Einladung" in den Mund genommen hat, der das Restaurant ausgesucht und den Wein bestellt hat. Also Sie. Und wenn Ihr Chef fragt, warum das so teuer war, erklären Sie ihm, dass Sie die Initiative übernommen haben. Das haben Sie nämlich getan. Und das sollte es ihm wert sein.

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