Freitag, 24. Mai 2019

Geschäftsessen So gelingt der Business Lunch

Businessessen: Wie man richtig mit Geschäftspartnern speist
Corbis

2. Teil: Einfache Grundregeln erleichtern das Geschäft

Es gibt aber eine ganze Menge Unsicherheit, wie man sich in einem Restaurant richtig verhält. Das liegt auch daran, dass wir uns in vielen Bereichen des Lebens von formalen Einschränkungen freigemacht haben. Das ist im Prinzip völlig in Ordnung, trotzdem ist es sinnvoll, sich über einige Regeln Gedanken zu machen.

Zunächst sollte man Klarheit darüber schaffen, wer einlädt. Nicht, weil derjenige am Ende auch die Rechnung übernehmen wird, sondern vor allem, weil alles Folgende viel einfacher wird, wenn man weiß, wer für die Entscheidungen zuständig ist. Es hilft also, gleich bei der Verabredung den Satz "Ich lade Sie ein" fallen zu lassen. Klar, das kostet am Ende Geld, aber wir sprechen ja vom Geschäft, da ist es immer gut, die Initiative zu übernehmen. Und, logisch, wer einlädt, darf auch das Restaurant aussuchen, so sind Sie vor bösen Überraschungen gefeit.

Sie selbst betreten das Restaurant übrigens zuerst. Die Höflichkeit gebietet zwar in der Regel, dem anderen den Vortritt zu lassen, das gilt aber nicht, wenn man sich gewissermaßen auf fremdes Territorium begibt (und das ist ein Restaurant). Idealerweise sagen Sie kurz: "Ich geh mal voran!", so verhindern Sie, dass Sie mit Ihrem Gast zusammenrumpeln. Wenn Sie anschließend vom Kellner an den Tisch gebracht werden, bleiben Sie aber zurück, damit Ihr Gast sich als Erster den Platz aussuchen kann.

Bestellen müssen Sie wiederum als Erster. Schließlich haben Sie eingeladen und werden am Ende die Rechnung bezahlen. Sie können daher nicht Ihrem Gast die Entscheidung darüber überlassen, ob einer, zwei oder drei Gänge gegessen werden. Sie können so was besprechen, aber viel einfacher ist es, bei der Bestellung beherzt voranzugehen. Wenn Ihr Gast daraufhin sagt: "Ach, dann guck ich auch noch mal nach einer Vorspeise", dann haben Sie alles richtig gemacht.

Der schwierigste Moment kommt am Schluss

Das Gleiche gilt im Prinzip für den Wein. Vor vielen Jahren war ich als Juniortexter einer Werbeagentur mit meinem Chef und einem Kunden essen. Auf dem Weg zum Tisch wurde ich aus dem Mundwinkel heraus noch angeranzt: "Getrunken wird jetzt nichts!" Als dann der Kellner kam und fragte, ob es ein Glas Wein zum Essen sein dürfe, entging unserem Kunden nicht, dass es mir schwerfiel, nein zu sagen. "Ich würde gern", sagte er, "wenn Sie mir dabei Gesellschaft leisten." Das Ergebnis war ein schlecht gelaunter Chef und ein fröhliches Gespräch zwischen dem Kunden und mir, der ich letzten Endes ja auch die Leistung zu erbringen hatte.

Wer isst, muss sich mit Besteck auseinandersetzen. Gerade in modernen, guten Restaurants stellt sich hin und wieder die Frage: "Womit soll ich das jetzt essen?" Früher galt mal die Regel, von außen nach innen, das waren die Zeiten, als das Besteck für das ganze Menü komplett eingedeckt wurde. Das gibt es fast gar nicht mehr. Heute gilt: Alles was auf dem Tisch liegt, steht Ihnen als Werkzeug zur Verfügung. Sollte ein Teil, das Sie benutzt haben für den nächsten Gang erforderlich sein, wird es eben neu eingedeckt, im Zweifel kann man immer fragen.

Das Wichtigste ist, für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen. Ich erinnere mich an eine Gelegenheit bei einer recht steifen Veranstaltung, als es ans Essen ging: Der Chef des Investmentfonds, der eingeladen hatte, nahm sein Jackett ab, hängte es über die Stuhllehne, warf mit Schwung die (zweifellos sündhaft teure) Kravatte über die Schulter, schenkte sich das Glas voll und fing an, mit Appetit zu essen. Es dauerte nur wenige Minuten, bis im ganzen Saal die Stimmung gelöst und die Gespräche im Gange waren.

Das muss man natürlich nicht eins zu eins nachmachen, vor allem funktioniert es in dieser Form sicher am besten, wenn man schon Chef ist, aber das Prinzip, mit einer kleinen Geste die Spannung zu lösen und die Form zu brechen, sollte man sich merken.

Der schwierigste Moment kommt am Schluss, nämlich dann, wenn es um die Rechnung geht. Völlig inakzeptabel finde ich - vor allem bei so einer Gelegenheit -, die einzelnen Positionen aufzurechnen. Katastrophal wird es, wenn sich dann noch einer die Rechnung für die Buchhaltung mitnimmt.

Eigentlich ist es ganz einfach: Die Rechnung zahlt der, der am Anfang das Wort "Einladung" in den Mund genommen hat, der das Restaurant ausgesucht und den Wein bestellt hat. Also Sie. Und wenn Ihr Chef fragt, warum das so teuer war, erklären Sie ihm, dass Sie die Initiative übernommen haben. Das haben Sie nämlich getan. Und das sollte es ihm wert sein.

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