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Vinho Verde: Portugals erfrischende Weinregion

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Wein aus Portugal Vinho verde darf auch rot sein

Auf den prachtvollen Landsitzen der portugiesischen Vinho-Verde-Region entstehen erfrischende Weine. Viele der prickelnden Tropfen sind nicht sonderlich ambitiös, aber die Region fängt an, sich auf Qualität zu besinnen. Wer die richtigen Güter kennt, kann hier überraschend elegante Weine finden.
Von Christian Wenger

Porto - Die Hafenstadt Porto ist nicht nur Ausgangspunkt für jede Erkundungsreise zu den edelsüßen Portweinen und den trockenen Douro-Rotweinen, sondern auch zu den leichten, spritzig-frischen Weißweinen Portugals. Die Region des Vinho Verde erstreckt sich von Porto nordwärts.

Vier grosse Flüsse queren das Vinho Verde-Gebiet, das auch Minho genannt wird. Alle entspringen in Spanien und fliessen an der Portugiesischen Küste in den Atlantik. Douro, Cávado, Lima und Minho sind einerseits wichtige Transportwege, zum andern bieten sie den feuchten Atlantikwinden die Möglichkeit, weit ins kontinentale Klima einzudringen und schroffen Temperaturunterschiede etwas auszugleichen.

Der Minho ist überdies der Grenzfluss zum obersten Teil im Norden, dessen Bewohner lieber zu Portugal als zu Spanien gehören würden, zu dessen Mentalität, Lebensgewohnheiten, Küche, Landschaft und Kultur sie einen viel engeren Bezug haben. Autobahnschilder, die den Weg nach Spanien weisen, sind denn auch durchgekreuzt und mit "Vinho Verde" überpinselt.

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Vinho Verde: Acht Empfehlungen

Die Region im Norden Portugals gehört zu den am dichtesten besiedelten Regionen. Mehr als ein Drittel aller Portugiesen leben hier und haben sich in den Flusstälern und in der hügeligen Landschaft niedergelassen. Aus dem Flugzeug sieht es etwas zersiedelt aus, weil zwischen den Wohnhäusern auch kleine Fabriken und Betriebe stehen.

Feudale Paläste nach englischem Vorbild

An den schönsten Lagen stehen prachtvolle Landsitze mit riesigen, gepflegten Parks und Gärten. Massiv, aus schweren Granitkuben zum Teil im 17. Jahrhundert erbaut und in den letzen Jahren sorgfältig restauriert, dienen sie großen Weinbetrieben als Gästehäuser oder sind für Touristen zugänglich. Trägt eine solche Quinta ein Wappen, das die adelige Herkunft ihrer Erbauer dokumentiert, heißt sie Solar. Wenn sich Tradition und erfolgreiche Weinproduktion wie auf der Quinta de Azevedo vereinen, entsteht ein feudaler Palast mit riesigem Garten nach englischem Vorbild, den die Familie an Wochenenden für sich nutzt und ihn in der übrigen Zeit Geschäftspartnern aus aller Welt als Gästehaus zur Verfügung stellt.

Dass der Glockenturm der hauseigenen Kapelle nach dem Vorbild von Big Ben die Stunden schlägt, ist eine Reminiszenz an die grossen Zeiten des portugiesischen Seehandels, der Portwein und Madeira ausführte und getrockneten Klipp- oder Stockfisch aus Norwegen zurückbrachte. Die Leidenschaft und Begeisterung, mit der ihn die Portugiesen auch heute noch zu Bacalau verarbeiten, verwundert angesichts der langen Meeresküste, die alle Arten von frischem Fisch bereithält.

Nach einem heissen Tag am Strand, nach dem Sport oder im Sommer als Aperitif vor dem Essen sind die zitronengelben bis hellgrünen Vinhos Verde die einzig richtige Wahl. Über die Herkunft des Namens ist man sich nicht ganz einig. Sicher ist, dass er nicht die Farbe des Weines meint. Als ziemlich sicher gilt, dass die wegen der üppigen Niederschläge ständig grüne Landschaft oder die frische des nicht zur Lagerung bestimmten Weins bei der Namensgebung beteiligt waren.

Das Gebiet des Vinho Verde hat eine Ausdehnung von 21.000 Hektar und ist die grösste zusammenhängende DOC-Produktionsfläche in Portugal. Im Jahr werden rund 86 Mio Liter hergestellt, das entspricht 113 Mio Flaschen. Geschätzte 25.000 Produzenten stellen Trauben her, knapp 100 davon füllen auch ab. Die durchschnittliche Rebberggrösse beträgt gerade mal ein halber Hektar. Entsprechend überschaubar sind die Mengen: Die wenigen tausend Flaschen, die ein durchschnittlich großer Produzent herstellt, bleiben zum größeren Teil im Land und werden von den Einheimischen getrunken. Nur wenige Grossbetriebe errreichen Mengen im Millionenbereich und sind dadurch interessant für die Vetriebslogisitk der Discounter.

Mit der Restsüße wird munter jongliert

Seit die staatlichen Fördermittel und die Zuschüsse aus den Töpfen der EU im Nordosten Portugals nicht nur für zahlreiche neue Autobahnen sorgten, sondern auch der Landwirtschaft kräftig unter die Arme griffen, wird das Weinangebot erweitert. Zu den klassischen, zum Teil nicht sehr ambitiösen Vinhos Verde, gesellen sich neue Weine und Experimente für neue Märkte: Rosados und tiefrote, fast schon rotschwarze Weine. Alle unter dem Sammelbegriff Vinho Verde, was den Verbrauchern die Übersicht nicht gerade erleichtert.

Diese einfachen Weine bekommen ohne Ausnahme eine leichte Kohlensäure-Injektion und prizzeln deswegen ganz leicht auf der Zunge. Früher war der Kohlensäure-Gehalt eine natürliche Folge der malolaktischen Gärung. Seit auf diese verzichtet wird, um die Säure spitzer zu halten, müssen die Bläschen nachträglich zugesetzt werden.

Die hohe Säure wird mit etwas Restzucker gepuffert und kaschiert, der Alkoholgehalt bewegt sich zwischen leichten 10 bis zu gelegentlich etwas hinterlistigen 14 Volumenprozenten - was mit "leicht" nicht mehr zu vereinbaren ist. Abhängig von den angepeilten Zielgruppen und Märkten wird mit der Restsüße munter jongliert.

So sind die Abfüllungen für die USA und England traditionell süßer, auch der neue Markt Japan wird mit einer Variante beliefert, die dank der Restsüße mit Sushi harmonieren soll. Der Aufwand, den zahlreiche Betriebe den Weinen in der Bearbeitung im Keller angedeihen lassen, erstaunt. Schliesslich liegen die Preise ab Keller gerade mal zwischen 1,50 und maximal 5 Euro. Dass nach der Bearbeitung mit Kohlensäure, Modifizierung von Restsüsse, Alkoholgehalt und manchmal sogar der Farbe vom ursprünglichen Wein nur noch wenig übrig bleibt, dürfte unstrittig sein.

An die Roten muss man sich erst gewöhnen

Auf die rosafarbigen Weine, die 3,5 Prozent der Gesamtproduktion ausmachen, lässt sich die Stilistik des Vinho verde einigermassen übertragen. Schwieriger ist es bei den Rotweinen, die ein Viertel ausmachen. Deren erster Eindruck ist auch am Fusse der Flasche noch gewöhnungsbedürftig: Restsüss-prizzelnd, mit spürbarer Säure und gut gekühlt, fordert er Weinliebhaber, die nicht an Lambrusco oder schäumenden Barbera gewöhnt sind, erstmal kräftig heraus.

Diese Weine erschliessen sich einigermassen im Duett mit der rustikalen Küche des Gebiets, mit einer derben Chorizo-Wurst, einem kräftigen Schinken oder einem fetten Stück Schweinebauch - wenn man das mag. Gottseidank unangetastet blieb der Star unter den Vinhos Verde, der klassische "Albarinho". Mehrheitlich angebaut auf rund 2000 Hektar in der nördlichsten Provinz Minho in den Orten Melgaço und Monção, zeigt die gleichnamige Traubensorte, zu welchen Weinen sie in Verbindung mit kargen Granit- oder sauren Sand-Granitböden fähig ist: Mineralisch dichte, präzise, schlanke, elegante Weine mit Aromen von tropischen Früchten, ohne Restsüße und Kohlensäure. Weine, die eine eigene DOCG verdienen würden.

Mit sieben bis acht Euro ab Keller liegen diese Weine preislich auch deutlich höher als die schlichten Vinho verdes. Weil letztere so preisgünstig sind, werden sie auch von deutschen Discountern angeboten und von den Konsumenten in Deutschland gern getrunken: Mehr als 3,2 Mio. Flaschen wurden 2010 nach Deutschland exportiert; das ist Platz zwei nach den USA und entspricht 18 Prozent der gesamten Produktion.

Die Spitzenerzeugnisse finden sich bei Weinhändlern und im Internet. Neben der Star-Rebsorte Albarinho, die fast immer reinsortig ausgebaut wird, werden die Mischsätze der Vinhos Verde hauptsächlich aus den Sorten Loureiro, Arinto, und Trajadura hergestellt, meistens in den Proportionen 60:20:20. Die Rotweine werden komponiert aus Alvarelhão, Amarral, Borraçal und Espadeira für die Roséweine.

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