Samstag, 14. Dezember 2019

Wein aus Portugal Vinho verde darf auch rot sein

Vinho Verde: Portugals erfrischende Weinregion
wine-partners

2. Teil: Mit der Restsüße wird munter jongliert

Seit die staatlichen Fördermittel und die Zuschüsse aus den Töpfen der EU im Nordosten Portugals nicht nur für zahlreiche neue Autobahnen sorgten, sondern auch der Landwirtschaft kräftig unter die Arme griffen, wird das Weinangebot erweitert. Zu den klassischen, zum Teil nicht sehr ambitiösen Vinhos Verde, gesellen sich neue Weine und Experimente für neue Märkte: Rosados und tiefrote, fast schon rotschwarze Weine. Alle unter dem Sammelbegriff Vinho Verde, was den Verbrauchern die Übersicht nicht gerade erleichtert.

Diese einfachen Weine bekommen ohne Ausnahme eine leichte Kohlensäure-Injektion und prizzeln deswegen ganz leicht auf der Zunge. Früher war der Kohlensäure-Gehalt eine natürliche Folge der malolaktischen Gärung. Seit auf diese verzichtet wird, um die Säure spitzer zu halten, müssen die Bläschen nachträglich zugesetzt werden.

Die hohe Säure wird mit etwas Restzucker gepuffert und kaschiert, der Alkoholgehalt bewegt sich zwischen leichten 10 bis zu gelegentlich etwas hinterlistigen 14 Volumenprozenten - was mit "leicht" nicht mehr zu vereinbaren ist. Abhängig von den angepeilten Zielgruppen und Märkten wird mit der Restsüße munter jongliert.

So sind die Abfüllungen für die USA und England traditionell süßer, auch der neue Markt Japan wird mit einer Variante beliefert, die dank der Restsüße mit Sushi harmonieren soll. Der Aufwand, den zahlreiche Betriebe den Weinen in der Bearbeitung im Keller angedeihen lassen, erstaunt. Schliesslich liegen die Preise ab Keller gerade mal zwischen 1,50 und maximal 5 Euro. Dass nach der Bearbeitung mit Kohlensäure, Modifizierung von Restsüsse, Alkoholgehalt und manchmal sogar der Farbe vom ursprünglichen Wein nur noch wenig übrig bleibt, dürfte unstrittig sein.

An die Roten muss man sich erst gewöhnen

Auf die rosafarbigen Weine, die 3,5 Prozent der Gesamtproduktion ausmachen, lässt sich die Stilistik des Vinho verde einigermassen übertragen. Schwieriger ist es bei den Rotweinen, die ein Viertel ausmachen. Deren erster Eindruck ist auch am Fusse der Flasche noch gewöhnungsbedürftig: Restsüss-prizzelnd, mit spürbarer Säure und gut gekühlt, fordert er Weinliebhaber, die nicht an Lambrusco oder schäumenden Barbera gewöhnt sind, erstmal kräftig heraus.

Diese Weine erschliessen sich einigermassen im Duett mit der rustikalen Küche des Gebiets, mit einer derben Chorizo-Wurst, einem kräftigen Schinken oder einem fetten Stück Schweinebauch - wenn man das mag. Gottseidank unangetastet blieb der Star unter den Vinhos Verde, der klassische "Albarinho". Mehrheitlich angebaut auf rund 2000 Hektar in der nördlichsten Provinz Minho in den Orten Melgaço und Monção, zeigt die gleichnamige Traubensorte, zu welchen Weinen sie in Verbindung mit kargen Granit- oder sauren Sand-Granitböden fähig ist: Mineralisch dichte, präzise, schlanke, elegante Weine mit Aromen von tropischen Früchten, ohne Restsüße und Kohlensäure. Weine, die eine eigene DOCG verdienen würden.

Mit sieben bis acht Euro ab Keller liegen diese Weine preislich auch deutlich höher als die schlichten Vinho verdes. Weil letztere so preisgünstig sind, werden sie auch von deutschen Discountern angeboten und von den Konsumenten in Deutschland gern getrunken: Mehr als 3,2 Mio. Flaschen wurden 2010 nach Deutschland exportiert; das ist Platz zwei nach den USA und entspricht 18 Prozent der gesamten Produktion.

Die Spitzenerzeugnisse finden sich bei Weinhändlern und im Internet. Neben der Star-Rebsorte Albarinho, die fast immer reinsortig ausgebaut wird, werden die Mischsätze der Vinhos Verde hauptsächlich aus den Sorten Loureiro, Arinto, und Trajadura hergestellt, meistens in den Proportionen 60:20:20. Die Rotweine werden komponiert aus Alvarelhão, Amarral, Borraçal und Espadeira für die Roséweine.

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