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Genießertipps: Die besten Weine aus dem Burgenland

Wein aus dem Burgenland Taufrische Edelsüße

Im Burgenland entstehen Weine von Weltklasse. Die edelsüßen Kreszenzen, nach dem Prinzip Klasse statt Masse hergestellt, sorgen regelmäßig für Furore in der Fachwelt. manager magazin stellt die besten Winzer vor und gibt Empfehlungen zum Einkellern.
Von Rüdiger Albert

Rust - "Rien ne va plus", dachte wohl der Finanzbeamte, als ein Winzer eine stattliche Menge von Frostschutzmittel steuerlich geltend machen wollte. Was wohl nicht weiter auffällig gewesen wäre, wenn der Beamte nicht gewusst hätte, dass der Winzer lediglich einen kleinen Traktor durch die Weinzeilen tuckerte. Vor 26 Jahren tobte der Glykol-Skandal, der heute keine Zeile mehr wert wäre, wenn er die süßen Weine nicht so nachhaltig in Verruf gebracht hätte. Im Gedächtnis der Weinliebhaber ist er so präsent wie ein leicht gekühlter Ruster Ausbruch, genossen an einem taufrischen Maienmorgen.

Ruster Ausbruch ist eine edelsüße Weinspezialität aus der burgenländischen Weinmetropole Rust, gelegen am Westufer des Neusiedler Sees. Rust, das ist Idylle pur - fast auf jedem Dach thront ein Storchenpaar. Barocke Hauswände und Hofgassen zieren die Gemeinde, die auch Drehort der TV-Serie "Der Winzerkönig" war. Und diesen kleinen Ort outete der deutsche Weinkonsument 1985, im Jahr des Skandals, als Panscherzentrale. Zum Schaden der unschuldigen Winzer aus Rust. Öligsüße Billigweine fanden die Konsumenten seinerzeit nicht in Rust und sie finden sie auch heute nicht.

Dafür können sie E.T. treffen. So wird der Winzer Ernst Triebaumer von den Verehrern seiner Weine genannt. Über viele Stufen, Etage für Etage, führt er Besucher tief hinab ins Kellergewölbe. Hier ist es kühl, es herrscht eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Es riecht nach Wein und nach Holzfässern. Hier in diesem Gewölbe bastelte Triebaumer seine vinologische Antwort auf die unsäglichen Panschverdächtigungen: Sein "1986 Blaufränkisch Barrique" von der Ried Mariental (mit 60 Jahre alten Rebenstöcken) wurde in der Fachwelt als Sensation aufgenommen.

Klar, sauber und brillant

Ernst Triebaumer übernahm zusammen mit seiner Frau Margarete 1971 das elterliche Weingut. Vermutlich ist er der erste Ökowinzer Österreichs. Seine Devise lautet von Beginn an: "Immer überlegen, was man besser nicht tut". Diese Strategie haben die Triebaumers offensichtlich auch ihren Kindern beigebracht, drei Söhne und Nesthäkchen Elsa. Herbert lernte Elektriker, Gerhard nahm sich der Tischlerei an, Elsa studiert Landschaftsarchitektur und kümmert sich um die Kunden. Richard lernte Koch, züchtet Magaliza-Schweine, beackert die Gemüsefelder und erntet das Obst. Aus all diesen Dingen macht er leckere Feinkost. Alle zusammen firmieren als "Familiengenossenschaft".

Zur Avantgarde der burgenländischen Winzer, die sich dem Skandal entgegenstemmten, gehört auch Anton Kollwentz. Er praktiziert in Großhöflein, etwa 10 Kilometer westlich von Rust. Das Dorf liegt im Hügelland, am Südhang des Leithagebirges.

Einen Keller wie im Weingut Römerhof sieht man selten: blitz und blank bis in die finsterste Ecke. Und so schmecken auch die Weine: klar, sauber, brillant und präzise, sortentypisch bis zum letzten Tropfen. Sohn Andi Kollwentz absolvierte die Klosterneuburger Weinbauschule und schnupperte danach im Bordelais große französische Weinkultur, auf Chateau Palmer im Margaux und Chateau La Tour Blanche in Sauternes. Anton und Margarete Kollwentz sind noch präsent, aber seit acht Jahren liegt die Verantwortung über den Römerhof in den Händen von Sohn Andy.

Die österreichische Weinpresse unterteilt das Thema Wein in drei Rubriken: Weiß-, Rot- und Süßwein. Der Römerhof, unter der Leitung von Andy Kollwentz, ist das einzige Weingut des Landes, welchen in allen drei Bereichen die höchstmögliche Wertung erhält.

Weinausbau in der Garage

Prädikatsweine wie die von Kollwentz und Triebaumer konnten freilich nicht verhindern, dass der Weinexport des Alpenlandes innerhalb weniger Wochen auf Jahre hinaus fast nivelliert wurde. Ausnahme waren einzig und allein Weine aus der Wachau. Die Rieslingveteranen vom linken Donauufer konnten paradoxerweise ihre Exporte nach Deutschland sofort steigern.

Ein Gewitter wie der Glykolskandal hat freilich auch reinigende Wirkung. Er führte zu einem nachhaltigen Strukturwandel im Weinbau - und hält bis heute an. Die zweitgrößte Weinbauregion Österreichs beackert 13.844 Hektar Rebenland. Das sind 25 Prozent weniger als noch Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Diesen Vorgang könnte man durchaus als intelligente Schrumpfung bezeichnen. Die Burgenländer ernten etwa 50 Hektoliter Wein pro Hektar. Nur halb so viel wie die meisten Kollegen in Deutschland, so kann man Klasse statt Masse liefern.

Wie Alois Kracher aus Illmitz. Anfang der neunziger Jahre begann der kometenhafte Aufstieg seines Weinlaubenhofs. Wie kein anderer zuvor konnte er insbesondere die englischsprachige Fachpresse für edelsüße Kreszenzen aus dem Burgenland begeistern. "The Alchemist", wie ihn das britische Weinmagazin nannte, wurde auf der "International Wine Challenge" in London sechsmal mit dem Titel "Winemaker of the Year" geehrt. Gründe: Ertragsbeschränkung im Weingarten, möglichst späte Lese und Traubenselektion. Als Kracher im Dezember 2007 starb, wurde sein Tod in den Hauptnachrichten vom ORF gemeldet. Drei Tage später druckte die "New York Times" einen Nachruf.

Krachers Sohn Gerhard übernahm die Verantwortung auf dem Weinlaubenhof. Die Qualität der Weine blieb unverändert hoch. "Zwischen den Seen" heißen die edelsüßen Weine, die er in großen Holzfässern oder Edelstahltanks ausbaut. Die Weine bleiben lange mit der Hefe in Kontakt. Dadurch bringen sie Frische, Frucht und primäre Traubenaromatik ins Glas. Die Weine der Linie "Nouvelle Vague" (auch edelsüß) sind durch den Ausbau im Barrique (in Deutschland schlicht undenkbar) und den Luftaustausch während der Reifung geprägt.

Die Kracherschen Weinlagen befinden sich direkt am Ostufer des Neusiedler Sees. Und der wirkt wie eine Klimaanlage für Weinberge: Im Winter wärmt er, im Sommer bremst er die Hitze, zu jeder Jahreszeit sorgt er für gleichmäßige Luftfeuchtigkeit. Im Herbst befällt die Edelfäule (Botrytis) die Trauben und entzieht ihnen Wasser, zurück bleiben Frucht, Süße und Säure.

Ein Chardonnay als vinologisches Großereignis

Unweit von Illmitz in südöstlicher Richtung liegt Apetlon. Hier residiert im letzten Haus in der Seeuferstraße Heinz Velich. Der zurückhaltende Winzer lässt vor jedem Smalltalk seine Weine sprechen. Sein Erfolgsrezept besteht aus Fragen: "Was macht das Wetter, wie reagiert die Pflanze, was mach ich daraus?" Er zeigt, dass im Seewinkel außer edelsüßem Weine auch fulminante trockene Weißweine möglich sind. Velich kultiviert die Rebsorte Chardonnay. Gegen Ende des Jahrhunderts gehörte die Rebsorte noch zu den gefragtesten weltweit und geriet etwas außer Mode - wegen Übersättigung. Allein Velich bändigt den Chardonnay Jahr für Jahr zu einem vinologischen Großereignis.

Sein Bruder Roland warf Ende der Achtziger zum letzten Mal als Croupier im Casino Wien die Kugel in die Roulette-Scheibe. Zunächst sammelt er noch Weinerfahrung in Kalifornien und in Italien. Dann unterstützte er seinen Bruder auf dem elterlichen Weingut. Um sich schließlich dem Blaufränkisch in den Hügeln des Leithagebirges zu widmen. Rotweine vom Leithagebirge erfreuten schon im Mittelalter die Könige von Ungarn, später die österreichische Kaiserin Maria Theresa, dann Bismarck. Der deutsche Reichskanzler erkor den Blaufränkisch aus Pöttelsdorf im Neusiedlersee-Hügelland zu seinem Lieblingswein.

Roland Velich sieht in den Blaufränkisch-Weinen aus Lutzmannsburg und Neckenmark das größere Potential. Hier erwarb er brachliegende Weinparzellen, die er rekultivierte. Ausgebaut wird der Wein in Großhöflein in der Nachbarschaft vom Römerhof - in einer Garage. "Ich wollte wissen, was kann diese Rebsorte wirklich", hat er mal geäußert. "Es ist nicht die Opulenz, nicht die größere Wucht, sondern die Grandezza eines speziellen Parfüms, die den Wein aus einer speziellen Region so unvergleichlich macht". Als er "Moric" (Moritz gesprochen) Anfang des Jahrhunderts lancierte, gab es nicht wenige, die ihn belächelten. Inzwischen lächelt niemand mehr. Robert Parker, der amerikanische Weinpapst und Jancis Robinson, hochangesehene englische Weinjournalistin empfahlen den Wein ihren Lesern jüngst zum Einkellern.

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