Sonntag, 19. Mai 2019

Marchese de' Frescobaldi "Etliche Winzer werden aufgeben müssen"

Leonardo Frescobaldi und seine vier Geschwister betreiben Weingüter in der Toskana in der 30. Generation - ihre Vorfahren kamen schon mit Otto II. im 10. Jahrhundert nach Italien. Mit manager magazin sprach der Marchese über die Marktentwicklung in Deutschland und darüber, wie teuer ein guter Wein sein muss.

mm: Im vergangenen halben Jahr ist der Umsatz teurer italienischer Weine in Deutschland ziemlich eingebrochen. Woran liegt das?

Frescobaldi: Der Umsatz hat etwas nachgelassen, aber das ist allein der Finanzkrise geschuldet. Wir sind alle durch eine schwierige Zeit gegangen. Die Nachfrage nach Luxusweinen ist jedoch definitiv noch da und wird wieder steigen. Echte Weinliebhaber machen bei der Qualität keine Abstriche. Sie kaufen vielleicht nicht mehr so viel wie früher, aber nach wie vor kaufen sie Spitzenweine.

mm: Sind die Weine nicht schlicht und einfach zu teuer geworden?

Frescobaldi: Nein. In den vergangenen Jahren haben wir sogar auf Preiserhöhungen verzichtet, weil der Markt so nachgegeben hatte. Wenn man die Qualität der Weine bedenkt, bekommt man heute einen sehr guten Gegenwert zu vergleichsweise günstigen Preisen. Auch wenn die Nachfrage sinkt, brauchen die Produzenten ja den Platz in ihren Kellern und müssen abverkaufen. Manche auch zu Preisen, die sich kaum noch lohnen. In den nächsten Jahren wird es deshalb sicherlich starke Veränderungen am Markt geben. Etliche Hersteller werden ganz aufgeben müssen.

mm: Sie haben jetzt erstmals eine groß angelegte Marketingkampagne für Ihre Luxusweine gestartet. Der 2005er Brunello di Montalcino wurde unter notarieller Aufsicht versiegelt und nach Hamburg, Moskau, New York, Seoul und Schanghai zu Exklusivverkostungen geflogen. Warum dieser Aufwand?

Frescobaldi: Für uns ist es wichtig, unser Prestige zu wahren. Das hilft, die Popularität unseres Namens auch in unteren Preissegmenten zu sichern. Der Effekt sickert durch. Frescobaldi ist in drei Segmenten tätig: Premium, Super-Premium und Luxus. In jeder dieser Kategorien wollen wir wahrgenommen werden. Wir wollen uns in der Vermarktung in diesem Jahr stark auf zwei unserer Weine konzentrieren: Den 2005er Brunello di Montalcino und den Mormoreto von 2007, um dessen 25. Jahrestag zu feiern.

mm: Was kosten diese Weine?

Frescobaldi: Je nach Händler im Endverkauf zwischen 40 und 60 Euro, schätze ich, je nachdem, in welchem Land sie sie kaufen.

mm: Wie stark haben die Hersteller noch mit den Auswirkungen des Brunello-Skandals von 2008 zu tun? Der Vorwurf lautete damals, die hochwertigen Weine seien mit anderen Rebsorten vermischt worden, vor allen Dingen, um dem amerikanischen Geschmack gerecht zu werden.

Frescobaldi: Das war das, was behauptet wurde. Die Ermittlungen wurden aber eingestellt, und die Hersteller konnten nachweisen, dass die Weine korrekt hergestellt worden waren. Es wird nicht mehr ermittelt. Das Image des Brunello hat darunter nicht gelitten. Unsere Verkäufe waren in keinster Weise betroffen.

mm: Dennoch - der Weinmarkt wird ja immer globaler. Müssen Winzer nicht darauf reagieren?

Frescobaldi: Ich kann da nur für unser Haus sprechen. Für uns ist es extrem wichtig, den Charakter unserer Weine zu wahren. Das ist eine Frage von Kultur und Tradition. Jeder Wein hat seine Eigenart. Die wollen wir aufrecht erhalten.

mm: Aber die Globalisierung des Geschmacks macht doch vor den Winzern nicht halt.

Frescobaldi: Ich möchte aber das Gegenteil. Die Unterschiede betonen und unserem Boden und unseren Traditionen gegenüber vollkommen loyal sein. Ein guter Wein muss den typischen Charakter seiner Herkunft betonen. Meine Familie besitzt sieben verschiedene Güter in der Toskana, und ich möchte, dass jedes sich von den anderen unterscheidet. Wir respektieren das Terroir.

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