Olivenöl Edle Tropfen

Die Griechen verbrauchen zwanzig Mal soviel Olivenöl wie die Deutschen - mit gutem Grund. Fast wie bei edlen Weinen gibt es eine Fülle von Aromen und Anbauregionen zu entdecken, die den Ölen ganz eigene Charakteristika verleiht.

München/Hagen - Für Antipasti oder Carpaccio, leichtes Salatdressing oder würzige Grillmarinade ist Olivenöl eine unverzichtbare Zutat. Dennoch wird in Deutschland nur knapp ein Liter Olivenöl wird pro Kopf und Jahr verzehrt, hat die Informationsgemeinschaft Olivenöl in München ermittelt. In Griechenland ist der Konsum zwanzigmal so hoch. Immerhin: Die Tendenz ist steigend. Und die Zeit der mediterranen Urlaubsträume und -erinnerungen ist ideal, um die Welt des Olivenöls zu entdecken.

Fruchtig, rustikal oder süß: Die Geschmacksvielfalt ist überwältigend. Sie wird zunächst von den über 150 Olivensorten geprägt, die zu Öl verarbeitet werden - allein oder in Kombinationen. "Neben der Sorte bestimmen die geografische Lage und das Klima der Anbauregion den Geschmack und damit die Qualität", erläutert Christian Gertz, Olivenöl-Experte am Chemischen Untersuchungsamt in Hagen. Außerdem seien der Reifegrad, die Dauer der Lagerung vor der Pressung und der Herstellungsprozess entscheidend.

Vor einigen Jahren noch galt "Natives Olivenöl extra" per se als Spitzenerzeugnis: Das Öl wird ohne Wärmezufuhr aus den Ölfrüchten gepresst (Kaltpressung) und anschließend nicht weiter gereinigt (raffiniert). So bleiben wertvolle Fettsäuren und andere Inhaltsstoffe erhalten. Nur: "Mittlerweile besteht 95 Prozent des Angebots in deutschen Regalen aus dieser Güteklasse", sagt Gertz. "Doch die Spannbreite innerhalb dieser Güteklasse ist enorm groß."

Je teurer, desto mehr Details auf dem Etikett

Der Verbraucher ist also auf andere Orientierungspunkte angewiesen. Seit Juli muss die Herkunft bei nativem und extra nativem Öl auf dem Etikett erkennbar sein. Öle, die nur aus einem Land stammen, erhalten den Namen des Ursprungslandes. Mischungen werden entweder als "Verschnitt von Olivenölen aus der Gemeinschaft", "Verschnitt von Olivenölen aus Drittländern" oder "Verschnitt von Olivenölen aus der Gemeinschaft und aus Drittländern" gekennzeichnet.

Darüber hinaus können bestimmte Begriffe wie fruchtig, grün, reif, mild und ausgewogen verwendet werden. Sogar die Olivensorte kann benannt werden. "Als Faustregel kann man sagen: Je teurer das Öl ist, umso mehr Details sind auf dem Etikett zu finden", sagt Dieter Oberg, Leiter der Informationsgemeinschaft Olivenöl.

Die beste Annäherung an den eigenen Lieblingstropfen ermöglicht jedoch eine Olivenölprobe. Sie wird von Erzeugern, aber auch in hiesigen Spezialitätenläden mit offenem Ausschank angeboten. Der Ablauf einer Verkostung erinnert an eine Weinprobe: Zuerst wird geschnuppert. "Die Aromen erinnern an frisch gemähtes Gras oder auch an Brombeeren, Apfel oder Tomaten", beschreibt Klaus Erhardt, Olivenanbauer aus der griechischen Mani. Schließlich wird die Kostprobe geschluckt. "Das kostet einige Kunden Überwindung, aber es lohnt sich: Nur beim Probieren eröffnet sich die ganze Vielfalt der Aromen."

Zum Braten nicht den kostbarsten Tropfen nehmen

Wer seinen Favoriten gefunden hat, kann ihn nahezu universell einsetzen. "In Griechenland wird Olivenöl zu fast allem verzehrt", erzählt er. Auch in seiner eigenen Küche hat es eine Hauptrolle übernommen. "Ich mag besonders einfache Gerichte wie Pasta mit Olivenöl übergossen, Salate mit einem Dressing aus Olivenöl oder auch einfach Spinat oder anderes Gemüse mit Olivenöl verfeinert."

Außerdem sei Olivenöl hervorragend zum Brotbacken geeignet: Es gebe einen ganz eigenen nussigen Geschmack. "Es ist leider ein hartnäckiges Gerücht, dass Olivenöl nicht zum Erhitzen geeignet ist", sagt Oberg. "Tatsächlich kann es aufgrund seiner ungesättigten Fettsäuren gut bis 130 oder auch 170 Grad erhitzt werden." Allerdings gehen bei solchen Temperaturen einige Aromastoffe verloren. Zum Braten oder Schmoren muss es also nicht unbedingt der kostbarste Tropfen sein.

Für kalte oder lauwarme Speisen hingegen lohnt sich ein besonders gutes Olivenöl oder eine ausgeprägte Geschmacksnote. Sie tritt beim Verfeinern von Fisch nach dem Garen oder zum geschmacklichen Abrunden von Pasta- oder Gemüsegerichten direkt vor dem Servieren besonders gut hervor. Damit das Öl sein Aroma bewahrt, sollte es in einer fest verschlossenen Flasche dunkel und zwischen 10 und 16 Grad Celsius gelagert werden. Bei der Zubereitung sollte das Öl Zimmertemperatur haben: So verbindet es sich am besten mit den anderen Zutaten.

Eva Neumann, dpa

Olivenöl: Goldene Tropfen für den Gaumenschmaus

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