Geschirrdesign Goldenes und Gedeckeltes

In den vergangenen Jahren wechselten die Trends bei Geschirr, Glas und Wohnaccessoires fast so schnell wie die in der Mode. Jetzt besinnen sich viele Hersteller auf klassische Linien und vielseitige Nutzbarkeit. Verspielte Details bleiben als Kontrast zum überwiegend puristischen Design aber durchaus erlaubt.

Frankfurt am Main - Kleine Vögel, Frösche, Käfer oder Schmetterlinge aus Porzellan: Solche kleinen Spielereien sind als Kontrast zum ansonsten überwiegend puristischen Design auf der gehobenen Tafel jetzt durchaus erlaubt - eine Spur Kitsch ist in Ordnung, nur billig darf er nicht aussehen. Bleibende Werte und vielseitige Nutzbarkeit sind zwei der Leittrends, die sich bei Geschirr, Glas und Wohnaccessoires abzeichnen.

Als "sehr erwachsen" fasst Kerstin Männer, Sprecherin der Einrichtungsmesse "Ambiente" in Frankfurt die aktuelle Entwicklung zusammen. "Es wird bewusster konsumiert. Statt zwei günstigen wird lieber eine hochwertige Sache gekauft." Die Qualität eines Stückes müsse sicht- und fühlbar sein - und das Design möglichst zeitlos.

In den vergangenen Jahren wechselten die Trends im Einrichtungsbereich fast so schnell wie die in der Mode. Jetzt besinnen sich viele Hersteller auf klassische Linien. "Natürlich gibt es weiter saisonale Produkte und Farben, sagt Trendforscherin Annetta Palmisano vom Bora-Herke-Stilbüro in Frankfurt. Grundsätzlich gehe es aber hin zu Dauerhaftigkeit. "Es ist wieder wichtig, ein Lieblingsstück zu haben." Das kann ein handgefertigtes Unikat sein, aber auch ein besonders auffälliger Teller oder Becher." Mit ungewöhnlichen Motiven, Mustern oder Farben lässt sich das sonst puristische Ambiente brechen - manchmal auch ironisch.

Kräftig Entstaubtes aus dem Archiv

Bei der Porzellanmanufaktur Reichenbach wurden alte Figuren aus dem Archiv geholt und kräftig entstaubt. Eine Gruppe Porzellansoldaten wird so durch bunte Buchstaben zur Friedenstruppe. Und ein Rokokopärchen in klarer Schwarz-Weiß-Optik wird zum Hingucker auf der modernen Tafel.

Auf die Verbindung von Gold und Natur setzt Hutschenreuther. Naturalistische Zeichnungen von kleinen Vögeln und Pflanzen werden für die Kollektion "Luna Golden Nature" mit einem feinen Goldmuster kombiniert. Dazu kommen handgefertigte Tierfiguren aus weißem Porzellan, bemalt mit Mattgold.

Den Gegenpol zu diesen verspielten Kleinigkeiten bildet die Funktionalität. "Mehrfunktionalität ist natürlich immer eine wünschenswerte Sache", sagt Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des Bundesverbandes für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur in Köln. Auch Marken aus dem gehobenen Segment haben den Bedarf erkannt. So bieten Hersteller wie Alessi, Iittala oder Arzberg ihr Geschirr auch mit passendem, fest verschließendem Deckel an. Das Umfüllen in Frischhaltedosen wird so überflüssig. Dass eine ansprechende Optik und hohe Funktionalität miteinander verbunden werden, hat auch mit sich verändernden Wohnstilen zu tun.

Edle Helfer müssen sich nicht verstecken

Küche-, Ess- und Wohnzimmer verschmelzen heute oft zu einem großen, offenen Bereich. Doch niemand möchte vom Sofa auf alte Plastikdosen gucken. Entsprechend schick werden deshalb selbst die kleinen Küchenhelfer wie Mörser oder Zitronenpresse gestaltet.

Häufig kommt dabei Porzellan zum Einsatz. "Porzellan lebt in Bereichen auf, in denen man es gar nicht erwartet", sagt Kerstin Männer. Mal wird Porzellan pur verwendet, mal in Verbindung mit Holz oder Metall. Das dänische Traditionshaus Royal Copenhagen bietet zum Beispiel Schneidbretter aus Holz mit einer Porzellaneinlage an. Dazu kommen Korkenzieher, Mörser und Gewürzbehälter aus dem edlen Material. Und auch bei Villeroy & Boch aus Mettlach wächst die Küchenhelfer-Kollektion - etwa mit einem Kräutertopf.

Der Hersteller WMF setzt dagegen unter anderem auf Bambus-Holz - eines der Trendmaterialien. Denn Bambus gilt als extrem haltbar, schnell nachwachsend und damit nachhaltig. Und Nachhaltigkeit ist einer der Begriffe, ohne den es auch beim Tischdecken inzwischen nicht mehr geht, selbst wenn jeder den Inhalt etwas anders auslegt.

Die Palette der Nachhaltigkeitskonzepte ist groß. Das schwedische Unternehmen Kosta Boda bringt erstmals Gläser und Karaffen aus Recycling-Glas auf den Markt. Der Hersteller Kahla versucht durch Verzicht Ressourcen zu schonen: Bei der neuen "Tao"-Kollektion wird durch ein besonderes Herstellungsverfahren der Dekorbrand gespart - das verringere den Energieverbrauch und damit den Kohlendioxid-Ausstoß, heißt es bei der Firma aus Thüringen.

So unterschiedlich die Ansätze der verschiedenen Unternehmen sein mögen: Das Thema Nachhaltigkeit ist auf jeden Fall aus der Öko-Nische heraus. "Eco-Design ist heute nicht mehr studentisch oder trashig - das hat sich komplett verändert", sagt Kerstin Männer. Öko schließt edel eben nicht mehr aus.

Sandra Cantzler, dpa

Geschirrdesign: Die neuen Tafelfreuden

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