Kaffeemaschinen Hochgerüsteter Bohnenkult

Eine Tasse Kaffee aus der brodelnden 08/15-Plastikmaschine? Das war einmal. Die neuesten Automaten haben sensorgesteuerte Durchlauferhitzer, verschleißfreie Keramikmahlwerke, Milchdüsen mit Mehrkammer-Wirbelprinzip, Regelschalter für die Luftzufuhr beim Aufschäumen und spezielle Beschichtungen gegen Fingerabdrücke.

Berlin - Kaffee ist bei den Deutschen nicht nur sehr beliebt - für viele ist das Heißgetränk und alles, was dazugehört, regelrecht Kult. Kaffeetrinken wird zelebriert, das fängt schon bei der Zubereitung an. Nicht ohne Grund sind Coffeeshops so angesagt, in denen Gästen italienische Kaffeekultur nahegebracht wird - den geschäftigen Barista und die zischende Espressomaschine inklusive.

Auch bei den Maschinen für den Hausgebrauch steht Kaffeekultur im Vordergrund, wie sich auf der Elektronikmesse Ifa in Berlin zeigt: Die dort vorgestellten Vollautomaten sind Alleskönner in der Zubereitung leckerer Kaffeespezialitäten und schicke Designobjekte in einem.

Siemens zum Beispiel hat seinem EQ.7 einen sensorgesteuerten Durchlauferhitzer verpasst. Dadurch soll der Automat während des gesamten Brühvorgangs die optimale Brühtemperatur halten. Dazu gibt es ein leises und verschleißfreies Keramikmahlwerk, und eine Milchdüse mit "Mehrkammer-Wirbelprinzip". Dieses soll laut Siemens für feinporigen, cremigen Milchschaum sorgen.

Auch der Hersteller De'Longhi verspricht für seinen Vollautomaten PrimaDonna technische Raffinessen. Er soll etwa die Milch je nach gewünschter Kaffeespezialität aufschäumen und erwärmen, heißt es. Zur Wahl stehen Cappuccino, Latte Macchiato oder Caffè Latte. Der Milchbehälter besitzt dafür einen Wahlschalter, durch den beim Aufschäumen die Luftzufuhr reguliert wird. Außerdem lassen sich die Intensität des Kaffees und die Tassenanzahl wählen.

Bedienknöpfe mit Swarovski-Kristallen

Saeco wiederum verbaut in seiner neuen Xsmall-Produktlinie nach eigenen Angaben ein besonders leises Scheibenmahlwerk aus Keramik. Außerdem gibt es ein "Automatic-Dose-System", welches das Mahlwerk automatisch auf die verwendete Kaffeebohnensorte einstellt und auch die jeweilige Mahlmenge bei der Zubereitung entsprechend bemisst. Doch neben aller Technik steht bei den neuen Vollautomaten auch das Design im Vordergrund. "Die Kaffeemaschine ist heutzutage ein modischer Blickfang in der Küche geworden", sagt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Kaffeeverband in Hamburg.

Verbraucher betrachteten einen Vollautomaten auch als Statussymbol, das sie Besuchern gerne vorführten. Aus diesem Grund hat Jura zur IFA eine neue "Signature Line" aufgelegt. Während die Technik im Gehäuse jeweils identisch mit den Standardmodellen ist, gibt es die Z5 beispielsweise mit einer Front aus dem Edelmetall Rhodium. Der Bedienknopf ist mit Swarovski-Kristallen besetzt. Für die J5-Reihe können Kunden eine Front aus verschiedenen Edelhölzern wählen. Und bei der Ena-Reihe sind die Seitenflächen mit hochwertigen Ledersorten bezogen. "Das Design war bei Jura schon immer sehr wichtig", sagt Fritsch. Mit der neuen Designlinie wolle man den Kunden nun ermöglichen, ihr Gerät "noch außergewöhnlicher" zu gestalten.

444.000 Geräte pro Jahr verkauft

2007 wurden 444.000 Geräte verkauft

De'Longhi wiederum hat seine PrimaDonna in ein Gehäuse aus Edelstahl gesteckt, dessen spezielle Beschichtung Fingerspuren verhindern soll. Auch Siemens versteht seinen EQ.7, der in Silber, Schwarz oder in Klavierlackoptik zu haben ist, nicht als rein funktionales Produkt.

Mit der speziellen Lichttechnik der Anzeige werde der Zubereitungsvorgang laut Siemens "zu einer optischen Gesamtinszenierung". Und auch Saeco versteht seine Xsmall-Produktlinie als stylisches Küchenaccessoire im Mini-Format, das sich vor allem an junge Paare und Singles richtet.

Das alles spiegelt die generelle Entwicklung im Kaffee-Bereich wider. "Lifestyle im Kaffeemarkt boomt", fasst Holger Preibisch vom Deutschen Kaffeeverband zusammen. Insbesondere beim Konsum von Espresso und Caffè Crema habe es 2007 ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gegeben. "Dieser Trend geht weiter." Der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum von Kaffee beträgt pro Jahr 146 Liter - das ist mehr als bei Mineralwasser oder Bier.

Der Trend wird laut Preibisch auch durch die Beliebtheit der Coffeeshops gefördert. "Man will heute Kaffee zu Hause in der Qualität zubereiten, wie man es in der Gastronomie kennengelernt hat", sagt Preibisch. 444.000 Geräte hat die Branche nach Zahlen des Messe-Mitausrichters gfu im Jahr 2007 verkauft. Das entspreche einem Umsatz von 266 Millionen Euro. Die Hersteller gingen davon aus, dass sich das in diesem Jahr noch verbessern lässt, so gfu-Sprecher Roland Stehle: "Deutschland ist nun mal das Land der Kaffeetrinker."

Felix Rehwald, dpa

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