Donnerstag, 20. Juni 2019

Foodstyling Der schöne Schein

2. Teil: Die Zählung der Salamischeiben

Schokolade aus gefärbter Kunstharzmasse

"Es gibt eine alte Weisheit: "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte"", betont der Düsseldorfer Marketingexperte Bernd M. Michael, Präsident des Deutschen Marketing Verbandes. Die Macht der Bilder sei um ein Vielfaches größer als die Wirkung geschriebener Texte. Doch die Kunst sei, Schlüsselbilder in die Köpfe der Kunden einzupflanzen, die sofort die Erinnerung an bestimmte Marken wachrufen. "Aber das gelingt nur etwa zehn Prozent der Foodstylisten."

 So kommen die Löcher in den Käse: Wenn nicht genügend natürliche Blasen da sind, hilft der Foodstylist nach
DPA
So kommen die Löcher in den Käse: Wenn nicht genügend natürliche Blasen da sind, hilft der Foodstylist nach
Darum hat Pöschel viele Tricks auf Lager. Bei Suppen gießt er erst einen festen Spiegel aus Gelee und füllt dann die Suppe auf, damit Croutons oder Fleisch zu sehen sind. Mayonnaise macht Pudding cremig, Pizzaböden werden per Farbsprühpistole nachgebräunt und Schokolade ist aus gefärbter Kunstharzmasse - damit sie beim Dreh nicht schmilzt.

Doch wenn es irgend geht, will er nicht mit künstlichen Dingen arbeiten. "Der Glaube an gutes Essen darf nicht zu kurz kommen", sagt der 40-jährige, der mit 17 Jahren deutscher Jugendmeister der Köche und im Alter von 22 Küchenchef in einem Bielefelder Nobelrestaurant war.

Die Zählung der Salamischeiben

Diese Einstellung schätzt auch der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker. Die Fotos der Produkte sollen Appetit machen, gleichzeitig muss das fertige Essen der Abbildung aber möglichst ähnlich sein. Nur so könne Enttäuschungen vorgebeugt werden, sagt die Leiterin der Marken- und Produktabteilung bei Dr. Oetker, Birgit Kopera.

Daher dürften die Fotos von Tiefkühlpizzen nicht mit zu viel Zutaten werben: "Die Verbraucher zählen die Salamischeiben." Der Hersteller, der rund 300 Produkte im Angebot hat, arbeite mit bis zu zehn Foodstylisten zusammen. Und setzt vor allem auf TV-Spots, allein im vergangenen Jahr waren es 26.

Und wie kommt das bei den Kunden an? Der Rheda-Wiedenbrücker Martin Pollklas fühlt sich der Macht der Bilder durchaus erlegen, er sieht den größten Reiz in den Karten von Eiscafés: Zwar sei ihm bewusst, dass die Eisbecher manchmal "in einem gewissen Kontrast zu ihren Abbildungen" stehen, sagt er. "Aber das Auge isst definitiv mit!"

Thomas Strünkelnberg, dpa

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