Dienstag, 12. November 2019

Tee-Rarität Der Wilde aus den Bergen

220 Kilometer nördlich von Kapstadt wächst in mehreren hundert Metern Höhe eine ganz besondere Pflanze: Wilder Rotbusch. Der Rooibos kann nur von Hand und nur alle zwei Jahre geerntet werden. Eine Deutsche betreibt eine Spezialitäten-Farm, die den begehrten Skoon-Tee herstellt.

Clanwilliam/Hamburg - Ihr Abitur machte sie in Weinheim an der Bergstraße, in Kiel studierte sie Geologie. Ihr erster Job führte die damals 27-jährige Katrin Ahlsdorff zum Wasseramt ins namibische Windhoek. Dort lernte sie Jannie Nieuwoudt kennen, einen jungen Farmerssohn aus Südafrika. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sie sich. Für ihn ließ die junge Frau die Heimat hinter sich und wanderte nach Südafrika aus.

Heute sind Katrin und Jannie Nieuwoudt verheiratet und betreiben mit großem Erfolg die Jamaka-Farm in den Cederbergen bei Clanwilliam, rund 220 Kilometer nördlich von Kapstadt. Eine ihrer Spezialitäten: wilder Berg-Rotbusch-Tee, der nur dort in 500 bis 800 Metern Höhe wächst.

Das Hauptgeschäft der Farm sind Zitrusfrüchte und Mangos; auch sieben Gästehäuser und ein Campingplatz sichern das Auskommen der Familie. Als besonders wertvollen Schatz der Natur aber sehen die Nieuwoudts den völlig unbehandelten wildwachsenden Tee, den die Südafrikaner Rooibos nennen.

Im Einklang mit der Natur

"Rooibos und Rotbusch - das ist absolut dasselbe", erklärt die Farmerin. "Aber: Angebauter Rooibos wurde durch Züchtung immer mehr verändert." Bei ihrem Tee dagegen hat kein Mensch je Hand angelegt, und so soll es auch bleiben. "Die Pflanzen gedeihen ganz im Einklang mit der Natur, und deshalb haben wir ihn 'Skoon' genannt." In der Sprache Afrikaans bedeutet das rein und schön.

In Südafrika gehört Rooibos-Tee zu den Grundnahrungsmitteln und ist ein Nationalgetränk. Längst aber ist er auch in Deutschland stark gefragt. "Rotbusch-Tee wird bei uns in der Kategorie der Kräuter- und Früchtetees geführt", erläutert Monika Beutgen, Geschäftsführerin des Deutschen Teeverbands in Hamburg. "In relativ kurzer Zeit ist Rotbusch als koffeinfreie Alternative zum schwarzen Tee sehr beliebt geworden."

Er ist reich an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen. Nach wie vor sei Pfefferminztee mit 16 Prozent Marktanteil "der Prinz unter den Kräuter- und Früchtetees". Rotbusch-Tee bringt es immerhin auf 7 Prozent. Beliebt ist das Getränk auch in Mischungen mit verschiedenen Aromastoffen. Aber auch Marmelade und Soßen stellen die Farmer aus ihrem "Skoon"-Tee her - und einen Likör.

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