Wein Chinesischer Chardonnay

Aus entlegenen Regionen kommen erstaunlich gute Weine. Wer jetzt an abgeschieden liegende Güter in französischen Kleinstdörfern denkt, liegt falsch: Aufstrebende Winzer gibt es in der brasilianischen Pampa ebenso wie in Georgien und China. Wer sich auf die neuen Weine einlässt, wird mit überraschenden Entdeckungen belohnt.

Düsseldorf - Ein Cabernet Sauvignon aus Israel, ein Chardonnay aus China oder ein Merlot aus der brasilianischen Pampa: Weine aus exotischen Anbauregionen stehen auch bei einigen deutschen Weinhändlern im Regal. Allerdings führen sie neben den großen europäischen Weinländern wie Frankreich, Spanien und Italien ein Nischendasein auf dem Importmarkt.

Für neugierige Weintrinker sind einige Tropfen jedoch durchaus mal eine Probe wert, meinen Experten. Was auf den ersten Blick exotisch oder gar billig wirkt, stelle sich nicht selten als richtig guter Tropfen heraus - auf der am Dienstag zu Ende gegangenen Fachmesse ProWein gab es bei Ausstellern aus 43 Ländern etliche Entdeckungen zu machen.

Wolfgang Lehmann hat in seinem Weinhandel im hessischen Nauheim nach eigenen Angaben Flaschen aus mehr als 30 Ländern im Sortiment. Für ihn gehören China oder Indien zu den "mittelfristig interessanteren Ländern" aus der Riege der Exoten. "Leute, die dorthin reisen, berichten von fantastischen Weinen". Diese würden jedoch derzeit noch überwiegend von "Geschäftsleuten vor Ort getrunken, die es sich leisten können". Indien beispielsweise biete gute trockene Rotweine.

Moldawien im Export nur knapp hinter Deutschland

"Georgien gilt als eines der ältesten Weinbauländer der Welt, ebenso Moldawien", sagt der Autor und Weinexperte Fabian Lange in Frankfurt. Mit der Öffnung der ehemaligen Ost-Block-Staaten versuchten diese nun immer stärker, im Westen Fuß zu fassen. Nach einer Statistik der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) lag beispielsweise Moldawien in einer Rangfolge der wichtigsten Weinexportländer 2004 mit 2,3 Millionen Hektolitern auf Rang zehn - nur knapp hinter Deutschland.

"Oft kann man in Georgien noch archaische Methoden beobachten, etwa die Weinbereitung in vergrabenen Amphoren", berichtet Lange. Die Weine schmeckten zwar bisweilen für deutsche Zungen fremd - so erinnere traditioneller georgischer Wein an Sherry. "Es ist aber eine interessante Nische für Weintrinker, die das Besondere suchen."

Lange beobachtet insgesamt den Trend, Weine auch in - für uns - exotischen Regionen nach den internationalen Geschmacksstandards zu produzieren. Er findet es aber bedeutend interessanter, die Eigenheiten der jeweiligen Anbaugebiete herauszuarbeiten und etwa die dort typischen Trauben zu keltern, statt überall auf der Welt nur Cabernet Sauvignon oder Chardonnay. Für die Anbaugebiete in der Pampa von Uruguay und Brasilien in Südamerika wäre beispielsweise der rote Tannat typisch - der dort neben weltweit etablierten Rebsorten wie Merlot wächst.

Von gut bis gruselig

Von gut bis gruselig

Von chinesischem Wein werden die europäischen Konsumenten bald noch mehr hören, prognostiziert Lange. Dem pflichtet auch der Sommelier Hendrik Thoma aus Düsseldorf bei: "Die Entwicklung in China ist enorm."

Zwar sei auch "Gruseliges" dabei, aber er habe schon einen bemerkenswert guten Cabernet Sauvignon probiert. Was die Menge anbelangt spielt das asiatischer Land bereits jetzt ganz oben mit in der Liga der Weinnationen - jedoch wird bislang nur ein Bruchteil der Ware exportiert.

Im Jahr 2004 wurden nach OIV-Statistiken in China über elf Millionen Hektoliter Wein produziert - mehr als in Deutschland. Mit 490.000 Hektar Fläche, die 2006 mit Weinreben bepflanzt waren, lag das asiatische Land weltweit nach Spanien, Frankreich, Italien und der Türkei an fünfter Stelle. Zum Vergleich: In Deutschland wachsen Reben auf 102.000 Hektar und damit immer noch weniger als etwa in der Ukraine. Allerdings macht die OIV bei diesen Angaben zu den Rebflächen keinen Unterschied, ob aus den Trauben Wein, Rosinen oder Tafeltrauben hergestellt werden.

Klein, aber fein ist dagegen der Weinbau in Israel. Dort haben sich edle Tropfen ambitionierter Winzer bereits seit einigen Jahren auch weltweit einen Namen gemacht. Von Fachzeitschriften zu einem der "dynamischsten Weinbauländer der Welt" gekürt präsentiertesich das Heilige Land in diesem Jahr erstmals mit einem Gemeinschaftsstand auf der ProWein.

Andrea Löbbecke, dpa

Weine: Starker Auftritt der Exoten

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