Parfums Duftende Reise ins Ich

Diese Frau weiß, wie die Schönen und Reichen riechen: Zu den Kunden der Parfümeurin Kim Weisswange zählen Michelle Pfeiffer, Prince Charles, Glenn Close und Pierce Brosnan. Im "Home of Fragrance" können sich aber auch ganz normale Leute eigene Kreationen mischen lassen.

Hamburg - Die Duftsphäre eines Menschen ist ein äußerst privater Bereich. Das merkt man spätestens dann, wenn man bei der Parfümerin Kim Weisswange neugierig nach einem Flakon greift, der mit "HRH The Prince of Wales Unique Body Oil" etikettiert ist. Freundlich, aber bestimmt entwindet sie dem Gast das Fläschchen, ehe es zum Schnuppern kommen kann: "Tut mir leid, aber hier werden Persönlichkeitsrechte berührt." Nur wer Prince Charles wirklich nahesteht, darf auch wissen, wie His Royal Highness zu riechen geruht.

Die Spezialität der 44-jährigen Weisswange sind "unique perfumes", Düfte, die individuell für einen Menschen abgemischt sind. Bis zu 20 Düfte kreiert die Parfümeurin am Tag: "Ich schreibe mir die Rezepte auf wie Partituren", erklärt Weisswange.

Grundlage ihrer Arbeit ist ein Fragebogen, auf dem der Auftraggeber 32 Duftkategorien von "ozeanisch" über "citrisch", "erogen" und "harzig" bis zu "zimtig" nach seinen Vorlieben bewertet - und auch Auskunft darüber geben muss, was sein Lebensmotto, seine Lieblingsspeisen, die bevorzugte Musik und die angestrebte Wirkungsweise des Parfums sind. Dann wird gemischt. Das fertige Duftwasser braucht drei bis sechs Wochen Reifezeit, bis sich alle Essenzen miteinander verbunden haben.

Wie teuer es wird, hängt ganz von den Inhaltsstoffen ab. 50 Milliliter Eau de Toilette sind schon ab 135 Euro zu haben, aber nach oben sind die Grenzen offen. Blütenessenzen von Rosen, Orangenblüten und Jasmin sind besonders kostbar. Der teuerste Duftstoff ist das Destillat des Adlerholzes, das in Spitzenqualitäten bis zu 1,5 Millionen Euro pro Kilogramm kosten kann. "Es gibt Leute, die gern andere übertrumpfen. Die kommen zu uns und sagen: Wir hätten gern das teuerste Parfum der Welt. Das ist bei uns sehr einfach", stellt Weisswange lakonisch fest.

Für einen arabischen Kunden kreierte Weisswange einen 75.000 Euro teuren handgefertigten Flakon. Öffnete man die mit Koransuren in Blattgold verzierte Lackbox, stieg der Flakon durch einen verborgenen Mechanismus empor. Dem Duftatelier sind etliche Kunsthandwerker assoziiert: Ein Schreiner in London fertigt die Schatullen, ein Unternehmen bei Milano die Stoffe für die Innenauskleidung, und ein Hamburger Goldschmied ist für edelmetallische Extravaganzen zuständig.

Persönlich liebt Weisswange es eher schlicht. Wenig Make-up, ein dunkler Hosenanzug, sanfter Blick, sparsame Gesten. Und auch der Raum, in dem sie ihre Kunden in den Geschäftsräumen des Hamburger Nobelviertels Winterhude empfängt, hat nichts von der barocken Opulenz mancher ihrer Flakons: Transparente Stühle, blasse, duftarme langstielige Rosen, weiße Wände. Auf dem Tisch das norwegische Edelwasser Voss, Weisswange und ihre Geschäftsführerin Hedda Möller trinken schwarzen Kaffee und Coke Zero. Sechs Testflakons in chanelig-kantiger Schlichtheit stehen auf dem Tisch, ein Regal zeigt die aktuellen Kreationen.

"Ich bin selbst wie ein Flakon"

"Ich bin selbst wie ein Flakon"

"Wir leben in einer optischen Welt", sagt Weisswange, "dabei ist es so wichtig, wie jemand riecht. Geruch ist der archaischste Sinn; wir kommen blind und taub auf die Welt, aber riechen können wir sofort. Der biochemische Austausch von Botenstoffen entscheidet sofort über Sympathie."

Ist es dann nicht schwierig, für unsympathische Kunden zu arbeiten? "Wenn ich diese Arbeit mache, dann muss ich mein Ego komplett beiseite lassen", sagt Weisswange, "das ist eine Frage des Abstraktionsgrades. Im Grunde bin ich selbst wie ein Flakon." Die gebürtige Südafrikanerin, die schon als Kind schnuppernd über die Märkte ihrer Heimat schlenderte, ist seit mehr als 20 Jahren im Parfumgeschäft. "Duft ist eine Aura, die den Menschen unterstützen soll", meint sie, "ich bin über die Jahre zum Menschenkenner geworden." Gerade bei sehr prominenten Menschen sei das Image oft gegenpolig zur wahren Persönlichkeit - da werde das Finden der richtigen Essenzen zur "Reise ins Ich über die Welt der Düfte".

Für den Formel-1-Manager Flavio Briatore etwa habe sie einen "warmen, sinnlichen, kaum wahrnehmbaren" Duft geschaffen; die Schauspielerin Michelle Pfeiffer sei "bauernmäßig erdverbunden". "Mit angewandter Aromatherapie kann ich sogar Menschen mit Kopfschmerzen oder Flugangst helfen."

"Ein Großteil unserer Bestellungen kommt aus den USA", erklärt Geschäftsführerin Möller, "Deutschland ist mittlerweile nur noch ein sehr kleiner Markt für uns." Die Unique Perfumes sind auch nur eines der Standbeine des Geschäfts - für die Modetochter des Otto-Konzerns "Apart" kreiert Weisswange neue Düfte, mit ihren "private labels" versorgt sie Modemacher und Designer mit eigenen Duftlinien. "Wir machen alles von der Idee bis zum fertigen Produkt", sagt Möller. Genaue Zahlen will sie nicht nennen, aber: "Wir machen Millionenumsätze mit zwölf fest angestellten Mitarbeitern und etlichen freien, vom Chemiker bis zum Biologen."

Hat eine Parfümeurin einen Lieblingsduft? Weisswanges Antwort kommt sofort: "Bergamotte. Bergamotte aus Reggio. Das ist mir noch nie zu viel gewesen." Das aus Zitrusfrüchten gewonnene Bergamotteöl ist einer der Hauptbestandteile von Kölnisch Wasser und aromatisiert auch Earl-Grey-Tee.

Früher sei es für sie schwer erträglich gewesen, starken Gerüchen ausgesetzt zu sein: "Im Restaurant war es kaum zu ertragen, wenn jemand stark parfümiert am Nebentisch saß. Mit jedem Bissen hatte ich das Parfum auf der Zunge. Aber ich habe meine Nase durch Meditationstechniken mit einem Riegler versehen, mittlerweile kann ich so etwas abschalten."

Wenn gar nichts mehr geht, greift die Parfümeurin zur Zigarettenschachtel, wenn auch selten. Dabei legt sie Wert auf exquisiten Tabak: Es muss schon die Luxusmarke "Black Russian Sobranie" sein. "Schließlich kommt die Bezeichnung Parfum vom lateinischen per fumum, durch den Rauch", erklärt Weisswange.

Fotostrecke: Die Parfümerin der Stars

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