Sonntag, 25. August 2019

Parfums Duftende Reise ins Ich

Diese Frau weiß, wie die Schönen und Reichen riechen: Zu den Kunden der Parfümeurin Kim Weisswange zählen Michelle Pfeiffer, Prince Charles, Glenn Close und Pierce Brosnan. Im "Home of Fragrance" können sich aber auch ganz normale Leute eigene Kreationen mischen lassen.

Hamburg - Die Duftsphäre eines Menschen ist ein äußerst privater Bereich. Das merkt man spätestens dann, wenn man bei der Parfümerin Kim Weisswange neugierig nach einem Flakon greift, der mit "HRH The Prince of Wales Unique Body Oil" etikettiert ist. Freundlich, aber bestimmt entwindet sie dem Gast das Fläschchen, ehe es zum Schnuppern kommen kann: "Tut mir leid, aber hier werden Persönlichkeitsrechte berührt." Nur wer Prince Charles wirklich nahesteht, darf auch wissen, wie His Royal Highness zu riechen geruht.

Die Spezialität der 44-jährigen Weisswange sind "unique perfumes", Düfte, die individuell für einen Menschen abgemischt sind. Bis zu 20 Düfte kreiert die Parfümeurin am Tag: "Ich schreibe mir die Rezepte auf wie Partituren", erklärt Weisswange.

Grundlage ihrer Arbeit ist ein Fragebogen, auf dem der Auftraggeber 32 Duftkategorien von "ozeanisch" über "citrisch", "erogen" und "harzig" bis zu "zimtig" nach seinen Vorlieben bewertet - und auch Auskunft darüber geben muss, was sein Lebensmotto, seine Lieblingsspeisen, die bevorzugte Musik und die angestrebte Wirkungsweise des Parfums sind. Dann wird gemischt. Das fertige Duftwasser braucht drei bis sechs Wochen Reifezeit, bis sich alle Essenzen miteinander verbunden haben.

Wie teuer es wird, hängt ganz von den Inhaltsstoffen ab. 50 Milliliter Eau de Toilette sind schon ab 135 Euro zu haben, aber nach oben sind die Grenzen offen. Blütenessenzen von Rosen, Orangenblüten und Jasmin sind besonders kostbar. Der teuerste Duftstoff ist das Destillat des Adlerholzes, das in Spitzenqualitäten bis zu 1,5 Millionen Euro pro Kilogramm kosten kann. "Es gibt Leute, die gern andere übertrumpfen. Die kommen zu uns und sagen: Wir hätten gern das teuerste Parfum der Welt. Das ist bei uns sehr einfach", stellt Weisswange lakonisch fest.

Für einen arabischen Kunden kreierte Weisswange einen 75.000 Euro teuren handgefertigten Flakon. Öffnete man die mit Koransuren in Blattgold verzierte Lackbox, stieg der Flakon durch einen verborgenen Mechanismus empor. Dem Duftatelier sind etliche Kunsthandwerker assoziiert: Ein Schreiner in London fertigt die Schatullen, ein Unternehmen bei Milano die Stoffe für die Innenauskleidung, und ein Hamburger Goldschmied ist für edelmetallische Extravaganzen zuständig.

Persönlich liebt Weisswange es eher schlicht. Wenig Make-up, ein dunkler Hosenanzug, sanfter Blick, sparsame Gesten. Und auch der Raum, in dem sie ihre Kunden in den Geschäftsräumen des Hamburger Nobelviertels Winterhude empfängt, hat nichts von der barocken Opulenz mancher ihrer Flakons: Transparente Stühle, blasse, duftarme langstielige Rosen, weiße Wände. Auf dem Tisch das norwegische Edelwasser Voss, Weisswange und ihre Geschäftsführerin Hedda Möller trinken schwarzen Kaffee und Coke Zero. Sechs Testflakons in chanelig-kantiger Schlichtheit stehen auf dem Tisch, ein Regal zeigt die aktuellen Kreationen.

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