Confiserie Schokokunst mit Blattgold

In diesem Laden werden süße Träume wahr. Robert Mense, Inhaber der Hamburger Edelconfiserie "Sweet Dreams", fertigt seine Pralinen in handgeschnitzten Formen, überzieht sie mit Blattgold und versieht sie mit exotischen Aromen von Chili bis Kardamom.

Hamburg - In dem dezent beleuchteten Laden im Hamburger Stadtteil Eppendorf duftet es verführerisch: nach Schokolade, nach Zimt, nach anderen, nicht auf Anhieb zu definierenden köstlichen Aromen. Seit Stunden schon ist Robert Mense mit seinen sechs Mitarbeitern dabei, verschiedenfarbige Substanzen anzurühren und in Formen zu gießen. Verrückte Formen, selbstgeschnitzt. Der 46-jährige Mense und sein 39 Jahre alter Partner Stephen Dyer versprechen ihren Kunden süße Träume, "Sweet Dreams". Und deshalb nennt sich ihre Confiserie auch so.

Mense verheißt mit seinen handgefertigten Pralinen, mit Kuchen und Torten und den hübschen Schokoladentäfelchen exklusiven Genuss. Eigens fürs Fest entworfene Naschereien schmücken die Auslagen in den breiten Schaufenstern. Es funkelt und glitzert. Beim Verzieren der Köstlichkeiten wurde mit Blattgold nicht gespart.

Die Fingerfertigkeit des Chocolatiers wusste auch schon der heutige König von Saudi-Arabien, Abdullah bin Abd al-Aziz, damals noch Kronprinz, zu schätzen. In seinen Diensten stand Mense ebenso wie in denen des Luxuskreuzfahrers "Queen Elizabeth 2", wo er den Briten Dyer kennenlernte.

Auch im Schokoladenland Schweiz sammelte Mense Erfahrungen. Mit dem Geschäft in Hamburg erfüllten er und Dyer sich schließlich Ende der 90er Jahre einen Traum. Ob das die letzte Station des eher umtriebigen Paares ist, kann Mense heute noch nicht sagen. "Wer weiß, was kommt. Wir haben im letzten Jahr unseren Pachtvertrag um zehn Jahre verlängert."

Rosa Pfeffer und Chili

Schon die Ureinwohner Mittel- und Südamerikas wussten die süße Seite der herben Kakaobohne zu nutzen. Von ihnen stammen auch die heute wieder so in Mode gekommenen Rezepte mit Gewürzen wie Chili, Pfeffer, Kardamon oder Ingwer. Auch die Hamburger Schokokünstler haben sich auf überlieferte Rezepturen der Azteken oder Maya besonnen. Sie verarbeiten gern rosa Pfeffer und Chili, auch in Trinkschokolade.

Kakao kommt heute zwar immer auch noch aus den Ursprungsländern in Mittelamerika. Die wichtigsten Anbauländer aber sind längst die früheren europäischen Kolonien in Afrika, so zum Beispiel die Elfenbeinküste. Das krisengebeutelte Land in Westafrika beliefert den Weltmarkt mit etwa 1,3 Millionen Tonnen des edlen Rohstoffes, gefolgt von Ghana (586.000 Tonnen) und Indonesien (445.000 Tonnen).

Neun Kilo Schokolade pro Kopf

Neun Kilo Schokolade pro Kopf

Der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen an Schokoladenwaren lag 2005 bei etwa neun Kilogramm. Der weltweit größte Hersteller kommt aber aus der Schweiz: Barry Callebaut mit Sitz in Zürich gab für das Jahr 2003 an, 14 bis 16 Prozent der Welternte verarbeitet zu haben, was 400.000 bis 450.000 Tonnen Rohkakao entspricht.

Robert Mense und Stephen Dyer denken lieber in kleineren Maßstäben. Sie werkeln tagtäglich auf ihren 80 Quadratmetern "Sweet Dreams" und produzieren per Hand ihre Köstlichkeiten, die sie ausschließlich Freitag, Samstag und Sonntag und im Internet verkaufen. Qualität geht den beiden über alles: "Bloß keine Massenproduktion", sagt Mense, "wir haben uns einen Namen gemacht. Den setzen wir auf keinen Fall aufs Spiel."

Und schon zieht es den gebürtigen Schwaben wieder ans Pralinenblech. "So leicht geht das", erklärt er der jungen Vanessa, die gerade mal einen Monat bei "Sweet Dreams" ist und versucht, einer Praline eine Haube aus Blattgold aufzudrücken. Zaghaft nimmt die junge Frau die nächste Praline in die eine und das kleine Blattgold-Blatt in die andere. Dann rollt sie eine Ecke auf dem Schokoladenhügelchen ab - und schon glänzt die Kuppe festlich.

Frauke Kaberka, dpa

Fotostrecke: "Sweet Dreams" aus Schokolade

Mehr lesen über Verwandte Artikel