Whisky Last Christmas-Call

Wer jetzt noch nicht alle Weihnachtsgeschenke zusammenhat, spielt sicherlich mit dem Gedanken, den einen oder anderen dann doch wieder mit "einer guten Flasche Scotch" zu bedenken. manager-magazin.de hat mit Whisky-Experten gesprochen, damit beim Last-Minute-Geschenk nichts danebengeht.
Von Arne Stuhr

Hamburg - "Kurz, man ist darauf bedacht, was dem Onkel Freude macht." Nicht nur wegen des anstehenden 100. Todestages des Dichters Wilhelm Busch, sondern auch angesichts vielleicht noch nicht gekaufter Weihnachtsgeschenke kommen manchem diese Zeilen aus Max und Moritz' fünftem Streich derzeit wieder in den Sinn. Gehört es doch nicht nur zum guten Ton, den geschätzten Oheim mit "Zeitung, Pfeife, Fidibus" zu versorgen, sondern am Heiligabend oder zum Jahreswechsel eben oftmals auch mit einer Flasche Hochprozentigem zu bedenken.

Auch für Uwe Lühmann, Inhaber des Wein- und Spirituosenfachgeschäfts "Weinquelle" in Hamburg, ist der Dezember-Ansturm die Belohnung am Ende eines Arbeitsjahres. "Rund zwei Drittel des Gewinns machen wir im Weihnachtsgeschäft", so Lühmann.

Neben des – nomen est omen – reichhaltigen Weinangebots hat sich Lühmann bundesweit auch einen Namen mit seiner Auswahl an Whiskys gemacht. Nicht ohne Stolz erzählt Lühmann, dass er kürzlich drei Flaschen des in der Szene sehr begehrten 1964er Black Bowmore im Angebot hatte – Stückpreis rund 2800 Euro.

Auch bei den geringfügig günstigeren Whiskys sind bei Lühmanns Kunden immer noch die schottischen Single Malts die Favoriten. "Vor allem die Whiskys von der Insel Islay wie eben Bowmore oder Ardberg und Lagavulin sind sehr angesagt", sagt Lühmann.

"Torfige und süße Geschmacksnoten"

Kein Wunder also, dass auch sein persönlicher Tipp, ein "Lagavulin Pedro Ximenez Cask", auf der südlichsten Hebrideninsel gebrannt wurde. "Dieser in Sherryfässern gelagerte Islay-Whisky verbindet einfach vorzüglich torfige und süße Geschmacksnoten", schwärmt Lühmann.

Allerdings kommen nicht alle Kunden nur aus reiner Philanthropie in die "Weinquelle". "Viele beschenken sich auch selbst mit einem guten Tropfen", hat Lühmann beobachtet. Das Motto dabei: "Weniger, aber dafür besser".

Weniger ist hierbei natürlich relativ zu sehen. Experten taxieren allein den Scotch-Markt in Deutschland auf rund 25 Millionen Flaschen jährlich. Bezeichnend wie in vielen anderen Konsumgüterbereichen ist auch hier das Wachstum oben und unten. Sowohl der Handelsmarkensektor (unter 10 Euro) als auch das Premiumsegment (über 20 Euro) konnten zuletzt ordentlich zulegen, während in der Mitte keine Bewegung zu verzeichnen ist.

"Wird der Lebensmitteleinzelhandel eher von preisgünstigen Artikeln dominiert - bei rund 40 Euro ist hier ultimativ Ende - geht das Scotch-Vergnügen im Bereich Fachhandel bei 25 Euro erst los. Und jede zweite in diesem Segment verkaufte Flasche Scotch ist bereits ein Malt", sagt Adam Dittrich, Brand Manager bei Bacardi Deutschland, die im Whisky-Segment mit dem Blended Scotch der Marke Dewar's und dem Single Malt Aberfeldy mitmischen.

"Hier wird orakelt, philosophiert und schwadroniert, was das Zeug hält"

Beim Verbraucher sind laut Dittrich zwei Strömungen zu erkennen, die eine gehe immer mehr ins Spezielle, ja, fast Wissenschaftliche - Einzelfassabfüllungen seien hier gefragt, geschmackliche Kuriositäten und Pretiosen, Fassstärken von "haarsträubenden" 60 Prozent. "Hier wird orakelt, philosophiert und schwadroniert, was das Zeug hält", amüsiert sich Dittrich.

Auf diesen Zug – preislich beginnen diese Whiskys bei rund 35 Euro - seien in den vergangenen zwei bis drei Jahren so einige Hersteller aufgesprungen und produzierten Fassstärke um Fassstärke. "Es wird experimentiert, indem der Whisky in Weinfässern unterschiedlicher Art, in Cognacfässern, ja sogar in Fischfässern gereift wird und dann Staunen oder Entsetzen auslöst", macht Bacardi-Mann Dittrich seine Bedenken gegen diesen Trend deutlich. Das Geschmacksspektrum sei unendlich, die Gefahrenquote, einen miesen Whisky zu erwischen, relativ hoch, das Angebot mittlerweile verwirrend. "Es gibt Hersteller, die jede Woche einen 'neuen' Whisky auf den Markt zu bringen scheinen. Der gemeine Whisky-Trinker ist hier hoffnungslos verloren. Aber spannend ist das allemal."

Den Gegentrend sieht Dittrich in Whiskys, bei denen Verpackung und Geschmack "Klarheit, Eindeutigkeit und Stilsicherheit" ausdrücken. " Whisky, der zum Trinken, Genießen und nicht zum Diskutieren gedacht ist. Das aber bitte schön auf einem qualitativen Toplevel!" Dafür werden dann laut Dittrich auch schon mal "gern 50 bis 100 Euro ausgegeben". Bacardi versucht, sich mit seinen Whiskys in genau diesem Markt zu positionieren. Nicht ohne Erfolg: Der 18 Jahre alte Dewar's wurde unlängst auf der World Whiskies Conference in Glasgow zum "World's Best Blended Scotch Whisky" gekürt.

Dittrichs Fazit: "Scotch wächst - aber auf einem hohen beziehungsweise hochpreisigen Level."

"Nach dem Essen mit einer schönen Havanna"

An genau diese Klientel richtet sich auch das für das kommende Jahr geplante "Schuhseminar mit Whisky-Tasting" des Hamburger Luxushotels Louis C. Jacob. Die Teilnehmer sollen alles über die Herstellung und Pflege von Maßschuhen erfahren und gleichzeitig in die Welt der Malt-Whiskys eingeführt werden. "In unserem Beruf ist man mehr denn je gefordert 'crossover' zu denken und Dinge, die thematisch etwas gemeinsam haben, gekonnt miteinander zu verknüpfen. Whisky und blank geputzte Schuhe sind ein echtes Gentlemen-Thema", erklärt Hendrik Thoma, Master-Sommelier im Jacobs Restaurant, wie es zu der auf den ersten Blick exotischen Kombination kam.

Und zu welchem Gericht würde der Weinexperte Thoma statt eines Rieslings oder Merlots einen Whisky empfehlen? "Schokoladendesserts können zusammen mit einem Whisky wunderbar sein. Ansonsten lieber nach dem Essen mit einer schönen Havanna."

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