Patisserie Süße Torten aus Fernost

Mitten im Herzen Frankfurts macht eine Japanerin den Deutschen deren ureigene Domäne streitig: Die Konditorin Azko Iimori bereitet Torten und Gebäck frisch, von Hand und ohne künstliche Zusätze zu. Exotische Grünteetorte und japanischer Baumkuchen locken Gourmets - und sollen ihnen sogar Glück bringen.

Frankfurt/Main - Wie in einem riesigen, gemütlichen Wohnzimmer kommt sich vor, wer die japanische Konditorei "Iimori Patisserie" im Herzen Frankfurts betritt. Nur wenige Meter vom bei Touristen so beliebten Römerberg entfernt können die Gäste in geblümten Sesseln und gepolsterten Stühlen diverser Epochen Platz nehmen, die warme, heimelige Atmosphäre genießen und außerdem süße Köstlichkeiten aus einer scheinbar anderen Welt kosten.

"Wir bereiten alles frisch und von Hand zu, Backmischungen und künstliche Zusätze gibt es bei uns nicht", erklärt die 44-jährige Azko Iimori, die im vergangenen Januar ihre kleine Konditorei eröffnet und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt hat.

Die Gäste des "Iimori" können von Glück sagen, dass sich die Japanerin bereits als kleines Mädchen die Nase an den Schaufenstern der Bäckereien in Tokio platt drückte und selbst irgendwann Konditorin werden wollte. Seit rund 15 Jahren betreibt Iimori zwei Sushi-Restaurants in Frankfurt, seit zwei Jahren ein weiteres in Paris. Doch ihre Leidenschaft galt schon immer den süßen Kleinigkeiten. Grünteetorte oder Milchbrötchen mit grünem Tee finden sich in der Glasvitrine.

Die Rezepte entwickelt Iimori in nächtelangen Treffen gemeinsam mit einem ihrer Bäckermeister. "Er war Meister in meiner Lieblingsbäckerei in Paris, und ich sagte ihm: 'Ich möchte es so gut machen wie du.' Und irgendwann sagte er, er wolle mit nach Deutschland kommen", erinnert sich Iimori, die sechs Mitarbeiter beschäftigt. Zwei Meister stehen in der Backstube, und auch im Geschäft selbst, direkt hinter der Theke mit der bunten Tortenauswahl, wird in einem kleinen Ofen gebacken. Neben fernöstlich schmeckenden Spezialitäten gibt es auch kleine Brote und Baguette nach original französischer Art. Dazu japanische Tees, aber auch Kaffee.

"In Deutschland ist der Genuss verloren gegangen"

In japanischen Einkaufsstraßen reihe sich eine Konditorei an die nächste, sagt Iimori und bedauert umso mehr, dass "in Deutschland der Genuss in den vergangenen zehn Jahren verloren gegangen" sei. Immer wieder habe sie in Bäckereien Schlange gestanden, einen Kuchen gekauft und sei bitter enttäuscht worden. "Quantität geht hier inzwischen vor Qualität. Brot, Kuchen und Gebäck wird fast nur noch industriell hergestellt", bedauert die 44-Jährige.

Japanische Köche und Konditoren, erklärt Iimori, erlernen ihr Handwerk nicht nur in Japan, sondern vor allem auch in Frankreich und Italien. "Sie sind extrem ehrgeizig, denn das Essen hat in Japan auch immer mit Tradition zu tun", sagt die Japanerin. Zu Besuchen bei Familie oder Freunden darf ein Mitbringsel niemals fehlen, und meist handelt es sich dabei um eine kleine Leckerei. Bringt man ein neu entdecktes Gebäck mit, ist das das "tollste Geschenk überhaupt. In Japan schenken wir gerne etwas Leckeres". Hochzeitsgäste erhalten nach japanischer Tradition als Abschiedsgeschenk einen Baumkuchen, denn der bringt Glück. Auch den kann man bei Iimori erstehen.

Petra Knobel, dpa

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