Wies'n-Biere Bayerische Braukünste

Schlank und elegant oder eher voll und rund, blond oder brünett? Nicht Frauen oder Männer, sondern Oktoberfestbiere standen knapp zwei Wochen vor dem Anstich in München auf dem Prüfstand. Wie unterschiedlich schmecken ein Paulaner, Löwenbräu oder Spaten?

München - Es ist die erste gemeinsame Wies'n-Bierprobe in der Geschichte des Oktoberfestes. Die fast vollzählig versammelten Münchner Brauer und Wirte nippten Anfang der Woche im Biermuseum in drangvoller Enge um die Wette. Galt es doch, die Qualität jedes einzelnen Gerstensaftes zu prüfen.

Vom 22. September an werden zum größten Volksfest der Welt rund sechs Millionen Gäste erwartet; sechs Millionen Liter Bier werden durch durstige Kehlen rinnen. Bis zu 6 Prozent des Bier-Ausstoßes der Münchner Brauereien sind Oktoberfestbier, dabei fließen bis zu 2 Prozent auf die Wiesn, das restliche Oktoberfestbier wird über den Handel verkauft.

Das rechte Schmecken des Bieres allerdings will gelernt sein. "Man darf es nicht über den Trampelpfad laufen lassen, wo man Sauerkraut und Haxe drüberschiebt", erläutert der Vorsitzende des Vereins Münchener Brauereien, Karl-Heinz Knoll. Vielmehr muss der Gerstensaft an der Zunge vorbeilaufen und dann - ähnlich wie beim Wein - beim Ausatmen auch über die Nase geschmeckt werden.

Als überparteilicher Tester leitete Bier-Sommelier Wolfgang Stempfl die Probe - mit allen Sinnen: Zuerst prüft der Blick Farbe und Aussehen, dann ist der Geruchstest dran, danach erst rinnt der Tropfen durch Mund und Kehle. Ein Kriterium ist die Feinporigkeit des Schaumes. "Der Schaum beim Bier ist wichtig, wir wollen ja keinen Apfelsaft." Doch zuviel Schaum und damit zuwenig Bier darf nicht im Glas sein - die Schankmoral ist ein Dauerthema der Wiesn.

Gefühl von wogenden Getreidefeldern

Der Fachmann findet im Bier ungeahnte Fülle. "Wir haben Biere dabei, die sind weich und anschmiegsam, und andere sind etwas herber", meint Stempfl. Das Augustiner vermittelt ihm das "Gefühl von wogenden Getreidefeldern", ist kellerfrisch und "vom Körper her ganz weich und rund".

Das Paulaner sei im Abgang weich und rund, die Farbe des Hacker-Pschorr erinnere an Bernstein. Beim Hofbräu-Bier schmeckt der Experte eine weiche Malznote, anmutend gar an Karamell und Vanille, beim Spaten registriert er eine "starke Hopfenblume" und beim Löwenbräu einen "schlanken und eleganten Körper".

Das helle Oktoberfestbier hat nicht nur mehr Stammwürze als normales Bier, auch der Alkoholgehalt ist mit 5,9 bis 6,3 Prozent gut einen Prozentpunkt höher. Das bekommen die Gäste zu spüren, denn in den vollen und schwül-warmen Wiesn-Zelten trinkt es sich leicht. Und weniger als eine Maß - also ein Liter Bier - ist nicht zu haben. Erst in diesem Jahr wurde die Maßkrug-Pflicht verbindlich festgeschrieben.

Mancher Wirt schmeckte bei der Wies'n-Bierprobe erstmals sämtliche Biere seiner Kollegen - denn während des Volksfestes herrscht Hochbetrieb. "Da hat keiner Zeit dazu", sagt Wirt Peter Pongratz. "Es ist schon lustig, mal alle Biere durchzuprobieren - die Unterschiede sind wirklich extrem." Trotzdem kommt er zu dem Schluss: "Meins schmeckt mir natürlich schon am besten."

Sabine Dobel, dpa

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