Filmkoch Suppe für Matt Damon

Zu seinen Kunden gehörten schon Jackie Chan, Christian Bale und Jude Law. Auch die "Matrix"-Schöpfer Andy und Larry Wachowski hat der Caterer Matthias Fehrenbach betreut - vom Kochen für Stars und Sternchen am Set.

Berlin - Wenn Liebe durch den Magen geht, dann müsste halb Hollywood Matthias Fehrenbach zu Füßen liegen. Der Caterer hat Hollywoods profitabelsten Star Matt Damon bereits zweimal bei Dreharbeiten der "Bourne"-Reihe mit heißer Suppe durch eisige Berliner Winternächte gebracht.

So auch Anfang des Jahres beim "Bourne Ultimatum", das in der vergangenen Woche in den Kinos angelaufen ist. Gerade hat der Besitzer vom Star's Dinner Express die Comicverfilmung "Speed Racer" der "Matrix"-Schöpfer Andy und Larry Wachowski betreut. Bis November verköstigt er noch Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu beim "Baader-Meinhof-Komplex", außerdem steht Tom Tykwers "The International" mit Clive Owen und Naomie Watts an. "Jetzt gerade ist die Hölle los", meint der Caterer zum Drehboom in Berlin.

Die Kochkünste von Fehrenbach und seinem Team sind derart gefragt, dass der 48-Jährige sogar Superstar Tom Cruise eine Absage erteilen musste. Für die kurzfristige Anfrage, das zweite Kamerateam bei dessen Stauffenberg-Drama "Valkyrie" zu verköstigen, habe er schlichtweg keine Zeit gehabt, sagt Fehrenbach.

Großdemo auf Babelsberg

Während bereits bei "Speed Racer" rund 500 Leute gleichzeitig auf dem Gelände des Filmstudios Babelsberg zu Mittag essen wollten, mussten die Caterer an einem Wochenende parallel 1100 Teammitglieder und Komparsen beim "Baader-Meinhof-Komplex" versorgen, als dort Mitte August eine Großdemonstration gedreht wurde. "Eine gnadenlose Zahl", meint Fehrenbach, der mit seinen 15 bis 20 Mitarbeitern in solchen Zeiten 14-Stunden-Schichten schiebt.

Für den Stress kann sich der Koch aus dem Schwarzwald, der schon für Stars wie Jackie Chan, Christian Bale, Jude Law und Joseph Fiennes gekocht hat, bei der Bundesregierung bedanken. Bevor deren Deutscher Filmförderfonds Anfang des Jahres in Kraft trat, hatte Fehrenbach nach eigenen Angaben anderthalb Jahre lang keine Hollywood-Produktion betreut. Nun wird jedoch bis 2009 der Filmstandort Deutschland jährlich mit 60 Millionen Euro gefördert. Dank des Geldsegens haben sich Deutschland und vor allem Berlin praktisch zum Hinterhof Hollywoods entwickelt.

"Speed Racer" wurde mit neun Millionen Euro gefördert, eine Million Euro dürften nach Schätzung Fehrenbachs für die Verpflegung der Crew draufgegangen sein. Tykwers "The International" erhielt 5,8 Millionen aus dem Fonds, "Valkyrie" mit Cruise als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Hauptrolle kam wohl auch dank einer Fördersumme von 4,8 Millionen Euro nach Berlin. Allerdings brachte der Superstar laut Fehrenbach seinen eigenen Caterer aus den USA mit.

Staudensellerie zum Frühstück

Staudensellerie zum Frühstück

Während Hobbyköche bereits bei vier Gästen ins Schlingern geraten, behält der 48-Jährige auch bei Sonderwünschen seiner berühmten Kunden die Ruhe. Bei der Science-Fiction-Produktion "Aeon Flux" musste Fehrenbach 20 Veganer und 60 Vegetarier zufriedenstellen, darunter auch Hauptdarstellerin und Oscar-Preisträgerin Charlize Theron, die sich im Kühlhaus ihr Menü zusammenstellen durfte.

Echte Superstars sind nach Fehrenbachs Erfahrung aber meist unkomplizierte Esser. "Je bekannter die Leute sind, desto cooler sind sie. Komisch sind meistens eher Jungaufsteiger und Nebendarsteller", sagt er. Oscar-Gewinnerin Susan Sarandon wünschte beim "Speed Racer"-Dreh gerade mal Staudensellerie und Grapefruit zum Frühstück und Regisseur Larry Wachowski sorgte am Büffet allenfalls mit seiner Vorliebe für Frauenkleider für Aufsehen.

Die Arbeit eines Caterers besteht nach Ansicht Fehrenbachs aber nicht nur darin, Schauspieler und Kameramänner mit vollem Magen an den Set zurückzuschicken. "Je erschöpfter das Team ist, desto mehr müssen wir uns bemühen, dass das Essen dann stimmt", sagt Fehrenbach, dessen Team sogar Spätzle und Brot selbst herstellt.

Bei anstrengenden Dreharbeiten achte er deshalb besonders auf genügend Vitamine und leichte Kost, um die Moral aufrechtzuerhalten. Da mögen Hollywoodstars noch so pflegeleicht sein: "Wenn ich jeden Tag Schweinekoteletts koche, hab ich hier Riesenärger."

Nina Jerzy, ddp

Kochen für Hollywoodstars: Babelsberger Impressionen

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