Weinanbau Deutschland ohne Dornfelder?

Die Vorschläge der Brüsseler EU-Kommission für eine umfassende Reform des Weinmarktes in der Europäischen Union stoßen in Deutschland auf heftige Kritik. Sollte sich Kommissarin Mariann Fischer Boel dennoch durchsetzen, droht vielen deutschen Winzern das Aus.

Brüssel/Berlin - Mit einem weit reichenden Reformpaket will die EU-Kommission den Weinmarkt in Europa neu ordnen und den Wein-See trocken legen. Entsprechende Vorschläge hat die Behörde gerade in Brüssel vorgestellt. Allein rund eine halbe Milliarde Euro koste es die Europäische Union jährlich, überschüssigen Wein zu beseitigen. Gleichzeitig bekräftigte die Kommission das Ziel, rund 200.000 Hektar Weinberge zu roden, und stellte finanzielle Anreize für Winzer in Aussicht, die ihre Weinberge freiwillig aufgeben wollen.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) kündigte seinen Widerstand für den Fall an, dass Brüssel den Vorschlag nicht noch einmal überarbeiten sollte. Agrarminister Horst Seehofer forderte Änderungen: "Auf keinen Fall werde ich Vorschlägen zustimmen, die die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Weinbaus beeinträchtigen", sagte der CSU-Politiker in Berlin. Wenn die Kommission die Reform zügig und mit Aussicht auf Erfolg vorantreiben wolle, sei sie gut beraten, den jetzt vorgelegten Vorschlag erheblich nachzubessern, forderte Seehofer.

Weinbauminister Hendrik Hering (SPD) kündigte ebenfalls "massiven Widerstand" an. In ihrer derzeitigen Form hätten die Pläne "dramatische Folgen für den Weinbau in Deutschland und insbesondere in Rheinland-Pfalz", sagte der Minister in Mainz. Auch Winzer-Verbände laufen Sturm.

Abschied vom Prädikatswein?

Aber worum geht es eigentlich? Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel will die Förderung der Wein-Lagerung streichen, die Etikettierungsvorschriften ändern und eine Anreicherung mit Zucker zu verbieten. Ziel der Reform sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der Erzeuger zu verbessern und verlorene Märkte zurückzuerobern, erklärte die Kommission. Die EU verschwende zu viel Geld, "statt unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und den Absatz unserer Weine zu fördern", so Fischer Boel. Eine groß angelegte Werbekampagne solle für einen besseren Absatz in Drittländern sorgen.

"Ich bin nicht naiv und weiß, dass es im Weinsektor sehr emotional zugeht und dass es viele Gegner meiner Ideen gibt", räumte die dänische Kommissarin ein. Allerdings würde sie lieber Methoden von Produzenten aus Übersee übernehmen wie etwa den Einsatz von Eichenholzchips beim Ausbau des Weines und zugleich die Anreicherung von Zucker verbieten. Die wachsende weltweite Konkurrenz für den europäischen Markt, der nach wie vor die Nummer eins bei Produktion, Verbrauch und Export ist, führe allerdings zu Veränderungen beim Verhalten der Kunden. Darauf müsse man reagieren.

Fischer Boels Vorschlag sieht auch Änderungen bei der Etikettierung vor: Erstmals sollen künftig EU-Weine ohne geschützte Herkunftsbezeichnung die verwendete Rebsorte und den Jahrgang auf dem Etikett nennen dürfen, wie es bei Weinen aus Chile, den USA oder Südafrika üblich ist.

Wenn der Zucker im Wein fehlt ...

Wenn der Zucker im Wein fehlt ...

Europäische Winzerverbände kritisierten das Vorhaben der Kommission und kündigten weiteren Widerstand an. Auch der Deutsche Weinbauverband lehnt die Pläne ab und sieht darin eine Mogelpackung.

Vor allem das geplante Verbot der Anhebung des Alkoholgehaltes durch Zugabe von Rüben- oder Rohrzucker in den Most löst in Deutschland Empörung aus. Die bisher gezahlten Subventionen für Traubensaftkonzentrat, das weiter zur Anhebung des Alkoholgehalt verwendet werden darf, sollen gestrichen werden. Besonders betroffen vom Zuckerverbot wären die deutschen Winzer, die bislang wegen des oft schlechteren Wetters den Alkoholgehalt mit der Zugabe um bis zu 3,5 Prozentpunkte anheben dürfen. Die Anreicherungsspanne soll nach den Kommissionsplänen auf zwei Volumenprozent begrenzt werden.

Dies trifft nach Herings Worten die Winzer in Rheinland-Pfalz ganz erheblich, da der notwendige Alkoholwert bestimmter Weinsorten - etwa Dornfelder oder Portugieser - nicht mehr erreicht werden könne. Rund ein Drittel der Anbaufläche wäre in der Folge nicht mehr rentabel, sagte der Minister. Bei den Weinbaubetrieben würden etwa fünf Milliarden Euro an Kapital vernichtet - es drohten zahlreiche Betriebspleiten

Ähnlich sieht es das Forum der Deutschen Weinwirtschaft, in dem Spitzenverbände der Branche vereint sind. Deutschland produziere keine Überschüsse, sei aber einer der Hauptbetroffenen der Kommissionspläne. Es drohten "große wirtschaftliche Nachteile für die deutsche Weinwirtschaft".

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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