Koch-Wettbewerb Brodeln und brutzeln

Die Zeit läuft den Köchen davon. Obwohl die deutsche Nationalmannschaft der Köche nur aus Profis besteht, bei der Abstimmung für das 80-Personen-Menü, dass die Spitzenköche beim Weltcup "American Culinary Classic" auftischen wollen, hapert es noch. Es muss schneller gehen. Ein Trainingsbesuch.

Erfurt - "Wir sind viel zu langsam, Männer", ruft Frank Ottersbach, Teammanager der deutschen Nationalmannschaft  der Köche, über dampfende Töpfe hinweg seinen Kollegen zu. "Da muss mehr Bums in den Topf." Knapp 50 Tage vor dem Koch-Weltcup "American Culinary Classic"  vom 19. bis 22. Mai in Chicago ist die deutsche Mannschaft in Erfurt zum Training angetreten. Fünf Stunden hat sie Zeit, um ihr Drei-Gänge-Menü für 80 Personen zuzubereiten. Doch es holpert noch.

Mit hoher weißer Mütze auf dem Kopf und schwarz-rot-goldenen Streifen am Kragen schneiden, rühren und panieren die fünf Köche neben den Herdplatten. Im Nachbarraum feilt Chefpatissier Fabian Sänger an der Nachspeise. Delikatessen wie mit Süßkartoffeln gebratenes Seeteufelfilet auf Gurkengelee, warme Sülze von der Kalbszunge sowie Ananassorbet mit Curryschaum stehen auf der Menükarte für den Wettbewerb in den USA.

Ins Schwitzen kommen die Köche trotz der Wärme kaum. "Man gewöhnt sich daran", sagt Mannschaftskapitän Sebastian Schulze. Der 24- Jährige wälzt mit einer Farce ummanteltes Seeteufelfilet in Süßkartoffelstreifen. "Nachher wird das kurz in Öl angebraten, damit es knusprig ist, geschnitten und angerichtet."

Neben ihm rührt Ralph Berendt mit einem Schneebesen in dampfenden Töpfen eine Krustentiersoße an. "Die ist hergestellt worden aus Hummerkarkassen - also rein aus den Schalen - angeschwitzt in Öl", erzählt er. Daneben köcheln das Tomatenconfit und der Kaffeeschaum - alles für die Vorspeise. Dabei blickt Berendt immer wieder prüfend durch seine randlose Brille und kostet.

"Die Karotten nicht zu lange im heißen Wasser lassen", mahnt Ottersbach. "Haben wir Eiswasser da?" Das Team will aus den USA in beiden Disziplinen - warme Küche und kalte Kochkunst - mit einer Goldmedaille in die Heimat zurückkehren. Es muss sich gegen elf Mannschaften durchsetzen.

Vor vier Jahren belegten die Deutschen den zweiten Platz in der Gesamtwertung hinter dem Gastgeber USA. Der Weltcup zählt zu den fünf wichtigsten Kochwettbewerben. Er wird alle vier Jahre während der Gastronomie-Messe "Restaurant, Hotel-Motel Show" des Restaurant Verbandes der USA (NRA) ausgetragen.

"Das Couscous ist nicht schön"

"Das Couscous ist nicht schön"

Außer Teammanager Ottersbach arbeiten je zwei Köche an Hauptgang und Vorspeise. Chefpatissier Sänger löst derweil Zuckergranulat in einem Topf auf. "Da werden nachher Haselnüsse eingetaucht - als Dekoration", erklärt der 26-Jährige und rührt mit einem Holzlöffel in der weißen Masse. Auf einem Blech daneben liegen hauchdünne, getrocknete Ananaschips bereit.

Mit Verspätung richtet Ottersbach die Teller an. Er ist unzufrieden: "Das Couscous ist nicht schön", ruft er nach hinten und verteilt Soße auf den Tellern. Doch immerhin ist das Gurkengelee einigermaßen fest geworden. Teamkapitän Schulze sieht erschöpft aus.

"Wenn ein Wettkampf ansteht, wird im Monat zwei Mal trainiert." Das Engagement der Nationalmannschaftsmitglieder, die sonst in Hotels und Restaurants am Herd stehen, ist ehrenamtlich.

"Es ist zu erwarten gewesen, dass vieles noch holpert", bilanziert Ottersbach die Probe. "Das Menü in den Grundkomponenten ist hervorragend. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an." Deshalb will er noch einmal mit der Mannschaft vor dem USA-Trip trainieren. Doch ein Wiedersehen in Erfurt wird es auf jeden Fall geben, denn im Herbst 2008 steht in der Thüringer Landeshauptstadt die "Olympiade der Köche" an. Dann kämpfen mehr als 1000 Köche aus 40 Nationen um Ehre und Edelmetall.

Andreas Hummel, dpa

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