Weinbetrug Die Angst geht um

Weinsammler in den USA laufen Sturm. Für Tausende Dollar kaufen sie Weinraritäten, die nicht sind, was sie sein sollten. "Die Fälschungen werden immer professioneller", sagt auch Weinexperte Jan-Erik Paulson im Gespräch mit manager-magazin.de und erklärt, worauf man beim Kauf rarer Tropfen achten sollte.

München - Die Geschichte klingt wie aus einem TV-Krimi. Da erhält ein Weinhändler einen Anruf, bei dem ihm eine ganz besondere Weinrarität angeboten wird. Er fliegt nach Paris, staunt, bezahlt und packt die Flaschen in einen wattierten Koffer, um sie sicher nach Deutschland zu bringen. Kurze Zeit später verkauft er die vermeintlichen Schätze über das Auktionshaus Christie's.

Bei den Weinen handelt es sich um die Jahrgänge 1784 und 1787 der legendären Weingüter Château Lafite, Branne-Mouton, Margaux und Yquem. Die Flaschen sind alle mit den Initialen des dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson "Th. J." graviert. Allein eine Flasche dieses Château Lafite brachte bei der Versteigerung 1985 mehr als 150.000 Dollar ein. Dass es sich dabei womöglich um Fälschungen gehandelt hat, versucht nun ein Gericht in den USA zu klären.

Ein Märchen? Nein. Tatsächlich beschuldigt US-Millionär William Ingraham Koch, Kunst- und Weinsammler, Sieger des America's Cup und Präsident des Energieunternehmens Oxbow, den deutschen Weinhändler Hardy Rodenstock, Fälschungen angeboten zu haben. Der Industrielle hat mehrere dieser Jefferson-Flaschen für etwa eine halbe Million Dollar gekauft. Als er sie im vergangenen Jahr untersuchen ließ, kamen die von ihm beauftragten Experten zu dem Schluss, dass die Gravur von einem modernen Schleifgerät stamme. Koch reichte Klage ein, nun ermittelt das FBI. Ausgang offen. Rodenstock kontert indes, die Flaschen könnten im Nachhinein manipuliert worden sein.

Bei dem schwedischen Händler Jan-Erik Paulson, ein anerkannter Experte für Weinraritäten, der zwei erfolgreiche Weinfonds aufgelegt hat, fragten die US-Ermittler vom FBI ebenfalls nach, erzählt der ausgebildete Zahnarzt im Gespräch mit manager-magazin.de. Er will die Jefferson-Geschichte nicht weiter kommentieren. Zwar kenne er den Fall, habe die Flaschen aber nie gesehen.

Betrugsfälle im Weinhandel habe es schon immer gegeben, sagt der Weinspezialist. Sei es, dass Etiketten gefälscht oder Weine mit anderen gemischt wurden. Früher habe es sich meist um recht plumpe Fälschungen gehandelt, sagt Paulson. Inzwischen beobachte er einen Trend zu professionelleren Betrügereien. Betroffen sei jedoch nur eine kleine Zahl von Rebensäften - beispielsweise ein 1947er Lafleur, ein 1945 Mouton Rothschild oder ein 1900er Margaux.

Mit dieser Meinung ist der Experte nicht allein. Das Blatt "Wine Spectator Magazine" vermutete vor einiger Zeit sogar, dass etwa 5 Prozent der Weine, die bei Auktionen für meist über 1000 Dollar pro Flasche verkauft werden, Fälschungen seien.

So hätten kürzlich Staatsanwälte an verschiedene Weinhändler, Sammler und an die Auktionshäuser Christie's und Zachys in New York Vorladungen geschickt, um Weinfälschern auf die Spur zu kommen, berichtete auch das "Wall Street Journal". Softwarepionier und Weinsammler Russell Frye bekräftigte in der Zeitung, Fälschungen seien besonders im Highend-Bereich ein großes Problem. Die Netzwerke müssten offengelegt und Verkäufer verantwortlich gemacht werden. Der Liebhaber rarer Tropfen hat in den USA zwei Weinhändler verklagt, die ihm Fälschungen angedreht haben sollen.

Französische Winzer wollen ihre Weine schützen

Wasserzeichen für Weinflaschen

"Generell lohnen sich Fälschungen nur für überdurchschnittlich teure Weine", sagt Paulson. Das gelte neuerdings allerdings auch für jüngere Tropfen. Seitdem die Rebensäfte als Geldanlage entdeckt worden seien, wachse die Gefahr von Betrug. Immerhin hatte die "Times" schon eine Rendite von 90 Prozent für Spitzenweine errechnet. Kein Wunder also, dass Weinfonds in den USA und in Europa entstehen. Doch, wo hohe Profite winken, sind schwarze Schafe schnell zur Stelle.

Für den deutschen Verband der Prädikatsweingüter sind Weinfälschungen zwar bislang noch kein Thema. In Frankreich sieht das jedoch schon ganz anders aus. Es sei kein Zufall, dass die Winzer in Frankreich derzeit überlegten, wie sie ihre Weine sichern könnten - beispielsweise mit speziellen Flaschen oder durch Etiketten mit Wasserzeichen, berichtet Paulson. Denn Fälscher könnten Flaschen, Etikett, Korken und Kapsel nachmachen. Betroffen seien davon vor allem jüngere Weine. Wenn die Flaschen nach Jahren der Lagerung geöffnet werden, könne nur schwer nachgewiesen werden, ob vielleicht nicht doch gepanscht wurde. "Bei alten Raritäten ist das etwas anderes, diese Weine sind nicht so leicht nachzumachen", so Paulson.

Wer Wein als Geldanlage sieht, der lässt jedoch die Flasche in der Regel zu. So bleibt den Käufern meist nur, sich auf äußere Details wie Farbe, Flaschenform, Etikett und Kapsel zu verlassen. Wird ein Wein geöffnet, wissen viele Kunden nicht, wie beispielsweise ein echter 1945er Mouton Rothschild mundet. Zwar ist in einschlägiger Literatur nachzulesen, dass dieser Tropfen auch nach Eukalyptus schmecken muss. Fließt der Saft erst durch die eigene Kehle, glaubt man schnell, das Gelesene zu erkennen. Doch kann man Gewissheit haben?

Paulson verlässt sich auf seine langjährige Erfahrung. Ihm seien ebenfalls schon Fälschungen angeboten worden, erzählt er. "Die meisten davon waren aber recht stümperhaft." Einmal sei der Jahrgang auf den Flaschen einfach mit Kugelschreiber übermalt worden. Ein anderes Mal machten ihn schon die Fotos der angebotenen Weine stutzig. "Als ich gegen Bezahlung eine Flasche zur Probe bestellte, meldete sich der Anbieter nicht mehr." Bei derartigen Vorfällen warnen sich die Weinhändler schon einmal untereinander.

Sein Rat an Laien: Vor einer Investition sollte immer ein Experte mit gutem Ruf zurate gezogen werden oder auf renommierte Händler zurückgegriffen werden. Die seien zwar etwas teurer, dafür habe man aber die Sicherheit. Er selber schaue sich immer die Verkäufer genau an. "Die müssen vertrauenerweckend sein", sagt Paulson. Zudem lasse er sich Rechnungen zeigen oder achte darauf, dass die Flaschen direkt von den Weingütern kommen. Teuren Wein über Ebay und Co. zu ersteigern, davon hält Paulson jedenfalls nichts.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.