Wein-Festival Ein Schlückchen Reichtum

Circa 1400 Euro kostet die teuerste Weinprobe auf dem diesjährigen Rheingauer Wein- und Gourmet-Festival. Sterneköche und ausgezeichnete Sommeliers haben weltweit die besten Rebensäfte und schönsten Gerichte zusammengetragen - eine Raritätenshow mitten in Deutschland.

Wiesbaden - Ein einziges Probeschlückchen vom legendären Mouton Rothschild kostet so viel wie sonst eine gute Flasche, und die Sterneköche streichen für ihr Tagwerk fünfstellige Gagen ein: Das Rheingau-Gourmet&Wein-Festival , das am 1. März im hessischen Hattenheim und verschiedenen Rheingau-Weingütern zum elften Mal startet, setzt voll auf Spitzengenießer, die nicht aufs Geld schauen müssen.

Für sie präsentieren die Veranstalter die erste Garde der deutschen Küchenchefs und fliegen auch hoch dekorierte Köche aus der ganzen Welt ein. Auf die zahlungskräftigen Gäste warten gesponsorte Limousinen; nach dem Essen gibt es kostenlos Kaffee, 21 Jahre alten Weinbrand und Edel-Zigarren aus der Karibik.

Das Festival gilt als eines der renommiertesten weltweit und ist trotz der schwer verdaulichen Preise von 200 bis 300 Euro pro Person beim Galadinner und 1390 Euro für die teuerste Weinprobe meist schon nach kurzer Zeit ausverkauft - bei der Weinprobe dauerte es dieses Jahr nur 48 Stunden. "Wir führen für die Spitzenveranstaltungen lange Wartelisten, aber meist kommt von diesen Gästen trotzdem keiner zum Zug", sagt Initiator Hans-Burkhardt Ullrich vom Hattenheimer Hotel- Restaurant "Kronenschlösschen".

Sein ursprüngliches Ziel, im gastronomisch flauen Vorfrühling das Geschäft anzukurbeln, hat Ullrich lange hinter sich gelassen. Das knapp zweiwöchige Festival hat inzwischen einen Etat von rund 600.000 Euro und präsentiert Drei-Sterne-Köche gleich reihenweise: Mit dabei Harald Wohlfahrt vom Restaurant "Traube Tonbach" im baden- württembergischen Baiersbronn, Jean-Georges Klein (Restaurant L'Arnsbourg/Elsass), Christian Bau (Hotel Schloss Berg/Saarland) und Joachim Wissler (Grandhotel Schloss Bensberg/Bergisch Gladbach).

Bei Ullrichs Sterne-Arrangements kochen sie an aufeinander folgenden Tagen: So können Gourmets vom 4. bis 6. März für 1095 Euro erst den Schweizer Zwei-Sterne-Koch Daniel Bumann und dann die Drei-Sterne-Koryphäen Bau und Klein genießen. Dazwischen wird im "Kronenschlösschen" übernachtet. Für Unersättliche steht am 5. März zusätzlich eine 480 Euro teure Weinprobe mit französischem Chateau Petrus auf dem Festprogramm. Petrus aus Pomerol bei Bordeaux gilt als einer der teuersten Weine der Welt.

Der Stargast kommt aus China

Der Stargast kommt aus China

Seine Gäste nennt der Restaurantchef "ganz normale Leute" - viele mittelständische Unternehmer, die in unauffälligen Autos und gern auch mal leger angezogen zu Tisch kommen. "Das ist hier kein Jetset, hier wird nicht geprotzt, die Leute geben ihr Geld unauffällig aus", sagt Ullrich.

200 bis 300 Euro für ein Galadinner hält er auch keineswegs für überhöht. Schließlich müssten die Köche ihre eigenen Restaurants schließen und reisten meist mit einer ganzen Crew in den Rheingau. "In den Fünf-Sterne-Hotels der ganzen Welt werden jeden Tag klaglos 500 Euro für eine Übernachtung gezahlt. Es gibt zigtausende, die das können."

Für das bisschen Geld mehr bekommen die Gäste einen Hauch Exotik oder fast aristokratisches Flair. Stargast ist in diesem Jahr die chinesische Musikerin und Köchin JinR, die bei Peking ein Restaurant betreibt. Sie beginnt ihren ersten Kochauftritt am 2. März mit einer chinesischen Teezeremonie und Musik auf einem traditionellen Instrument.

Am letzten Tag, dem 13.3., geht das Festival auf "Landpartie": Dann fährt die Genießergemeinde in den standesgemäßen Fahrzeugen in die Pfalz zum Weingut Bürklin-Wolf, um im "Englischen Garten" des Hausherrn Croquet zu spielen.

Rolf Schraa, dpa

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