Wettbewerb der Spitzenköche Königskrabben und Walfischskelett

Bei der inoffiziellen Kochweltmeisterschaft "Bocuse d'Or" brutzelte und kochte die Elite der Welt. Aus 24 Nationen kamen die Spitzenköche, die sich ein Wettrennen um die spektakulärsten Kreationen lieferten. Der Gewinner steht längst fest, die deutsche Mannschaft ist enttäuscht. Ging alles mit rechten Dingen zu?

Lyon - Ist der beste Koch der Welt wirklich ein Franzose? Umjubelt von hunderten Anhängern hat Fabrice Desvignes aus Paris Mitte dieser Woche in Lyon den Bocuse d'Or gewonnen. Die inoffizielle Kochweltmeisterschaft war ein wahres Sinnenspektakel, Spitzenköche aus 24 Nationen lieferten sich ein Wettrennen um die spektakulärsten Kreationen.

Für das Team des Hamburger Sternekochs Wahabi Nouri, der auf einem enttäuschenden elften Platz landete, ging dabei allerdings nicht alles mit rechten Dingen zu. Der Franzose, so lautet der unerhörte Vorwurf, habe gegen die wichtigste Regel verstoßen.

Den Reiz des Bocuse d'Or, den Jahrhundertkoch Paul Bocuse vor zwanzig Jahren erfand, ist die einmalige Wettkampfform: Die Köche müssen in 18 Quadratmeter großen Boxen - eine neben der anderen - in fünfeinhalb Stunden zwei Gerichte in je zwölf Portionen zubereiten. Die Grundelemente, Fisch und Fleisch, sind jeweils vorgegeben - die Rezepte entwickelt jeder selbst. Nichts darf in dieser Zeit in die Miniküchen hineingebracht werden.

Nur wenige Meter vor der Reihe mit den Kochboxen steht die Tribüne. Am Mittwoch standen dort mehr als 1.000 Gourmetfreunde - am stärksten waren die Norweger und Japaner vertreten - und trieben ihre Kochlöffel schwingenden Landsmänner mit Trommeln, Kuhglocken und Trompeten zu Höchstform an. Unter dem Zeitdruck und Spektakel die hochkomplizierten Gerichte punktgenau fertigzustellen, ist eine nervliche und körperliche Spitzenleistung.

Hat Desvignes geschummelt?

Und gerade dabei soll der Pariser, der beim französischen Senatspräsidenten kocht, geschummelt haben. "Nach etwa eineinhalb Stunden haben vier Leute mehrere schwarze Kisten mit Schalen in seine Box getragen", sagte Khabbaz Hicham, Nouris Assistent, am späten Abend. "In den Schalen waren fertige Teile. Was genau, habe ich nicht gesehen", sagt er. Nouris Box lag direkt neben der Küche von Desvignes. Der Hamburger wittert Verrat, ist von der Manipulation überzeugt: "Ich weiß, was man in fünfeinhalb Stunden hinbekommen kann. Das, was der Franzose gezeigt hat, ist unmöglich in der Frist zu schaffen."

In der Tat präsentierte Desvignes die spektakulärste Kreation: Seine Königskrabben waren in Form eines Walfischskelettes arrangiert, mit beeindruckender Akkuratesse und Eleganz. Das Team des 33-jährigen Cuisiniers war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Der Chef der deutschen Bocuse d'Or-Akademie, Ernst-Ulrich Schassberger, hat an dem faulen Trick keinen Zweifel.

"Es ist schade, wenn der Wettbewerb so zerrissen wird." Seit sieben Jahren sitzt Schassberger in der Bocuse-d'Or-Jury, die die Gerichte in Lyon verkostet. Bislang sei ihm so etwas noch nicht vorgekommen.

Dennoch werde er keinen offiziellen Protest einlegen. "Das macht doch keinen Sinn." Dabei fällt auch sein Geschmacksurteil über Desvignes, der mit dem Goldenen Bocuse nicht nur 20.000 Euro Preisgeld, sondern auch das Ansehen der internationalen Kochzunft einheimst, mäßig aus. Er gab ihm nur 10 von 15 Punkten. "Es gab eine Disharmonie der Elemente, und der Fisch war etwas trocken", konstatiert der deutsche Gourmet.

Doch Schummelvorwürfe hin oder her, für die deutsche Equipe war der Bocuse d'Or eine bittere Enttäuschung. Dem Chef des Hamburger Restaurants Piment unterliefen in Lyon zwei Kardinalfehler: Seine Fischplatte wurde 15 Minuten zu spät fertig. Und auf dem polierten Silber waren "mehrere Stipper", wie sein leidenschaftlichster Fan, die Kochlehrerin Gabriele Kunth, von der Tribune mit dem Feldstecher erkannte.

"Es fehlte die Übung", sagte Nouri später mit hängendem Kopf. "Macht nichts", meinte Lehrerin Kunth. Sie war mit 45 Kochschülern aus Wernigerode nach Lyon gereist. "Für uns war das hier wie das Endspiel der Fußball-WM. Nur dass Frankreich heute Heimvorteil hatte."

Tobias Schmidt, ap

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