Mittwoch, 26. Juni 2019

Edelschokolade Süßes Feuer

2. Teil: Süße Köstlichkeiten auf dem Markt

Die meisten Kreationen beinhalten den Emulgator Soja-Lecithin. Das sei schon in der Rohschokolade enthalten, erklärt sie. Denn Chonchieren, das heißt die Kakaomasse stundenlang rühren und lüften bevor sie zur Rohmasse und schließlich zum Endprodukt veredelt werden kann, würde sie nicht. Das machten die Zulieferer. Ohne den Mischhelfer sei die Verarbeitung der Schokolade allerdings ein zähes Geschäft.

Aus der Ise: Zum Valentinstag gibt's Herzen in allen Größen und Farben
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Sehr wichtig ist der Mutter zweier Kinder nicht nur, die richtige Mischung zu finden, sondern auch der direkte Kundenkontakt. Das ließe sie auch zögern, im Internet einen eigenen Shop aufzumachen. Stattdessen sucht sie jeden Freitag auf dem Isemarkt, einem der schönsten Wochenmärkte in Hamburg, den eigenen Stand auf und verkauft die süße Pracht. Nirgendwo sonst habe sie das direkte Feedback. Sie kenne ihre Kunden seit Jahren. Schließlich habe alles auf dem Markt angefangen. Damals dekorierte sie die Köstlichkeiten noch auf grünem Stoff, inzwischen hat sie dem kleinen, hauseigenen Lieferwagen einen braunen Schokoüberzug verpasst, darauf prangt der Name ihrer Firma: Die Ise. C. W. Praliné.

Schon jetzt arbeite sie am Rande der Kapazitäten. Eine Küche und zwei Lagerräume, in denen die Pralinen, Täfelchen und Kügelchen verpackt werden, und ein Büro - mehr Platz ist nicht vorhanden. Dabei ist Welschlau gerade mal vor einem Jahr aus ihrem Wohnhaus, wo sie im Keller ihre Schokoladenküche eingerichtet hatte, in die großzügigeren Räumlichkeiten umgezogen.

Hamburg von seiner Schokoladenseite

Natürlich war zur Weihnachtszeit Hochsaison, erzählt die Expertin. Da hätten Schüler und Studentinnen beim Verpacken geholfen. Besonderer Clou: Die Schokoladenspezialitäten gibt es neben der gängigen Klarsichthülle auch in kleinen Holzkästen. Inspirationsquelle waren hier wohl Zigarrenkisten. Welschlau lässt die Kisten extra anfertigen und bedrucken. Mit Erfolg, denn die hölzernen Hüllen kommen denkbar gut an - besonders bei Geschäftskunden. Ob die Hamburger Porsche-Niederlassung, die Betreiber der Einkaufszentren ECE oder die Stadt Hamburg selbst, die Schokokiste ist ein gern genommenes Präsent.

Mit Abstand stamme der Großteil der Einnahmen von Firmenkunden, erzählt Welschlau, die aus einem Hobby heraus zu ihrer Berufung fand. "Das Verhältnis zwischen Privatkundschaft und Firmenkunden hat sich im Laufe der Zeit total gewandelt." So prangt je nach Wunsch ein Logo oder ein vorzugsweise Hamburger Motiv auf dem Kistendeckel oder direkt auf der Schokolade. Aufwendig sei die Suche nach einem Illustrator gewesen, der den neuen Jungfernstieg oder die geplante Elbphilharmonie im Stil eines Kupferstichs aus dem 19. Jahrhundert zeichnen könne. Aber sie sei in Deutschland fündig geworden, Gleiches gelte für den Kistenmacher. Die Druckfolien mit Kakaobutter bezieht sie hingegen von einem französischen Unternehmen.

Seit Kurzem ist Welschlau auch in der Hamburger City vertreten. Im Levantehaus und in den Colonnaden habe sie Fachgeschäfte gefunden, die ihre Produkte mit ins Portfolio genommen haben. Eigentlich läuft alles darauf hinaus, weiter zu wachsen. "Aber ich will ja nicht ein großes Unternehmen schaffen", sagt Welschlau. "Ich möchte klein bleiben." Auch das Hamburger Revier reicht ihr vollkommen aus. Natürlich habe sie ebenfalls einige Kunden außerhalb Hamburgs. Doch die Hansestadt liegt ihr am Herzen und hier sei ihr Geschäft.

Auf die Frage, ob sie vom Verkauf des edlen Schmelzes leben könne, sagt Welschlau, dass das mittlerweile möglich wäre. Aber Zahlen seien nicht ihr Ding. Die Anlaufkosten hat sie aus eigener Tasche bezahlt. Ihre Lieblingsschokolade ist die Tafelschokolade mit dem einfachen Namen "Venezuela". "Grand Cru"-Qualität, aus Crillio-Bohnen. "Einer ganz alten Sorte Kakaobohne."

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