Stint-Saison Delikatesse aus der Elbe

Freude bei den Feinschmeckern: Die Stint-Saison hat begonnen. In diesem Jahr wird der sogenannte Gurkenfisch jedoch zu einer raren Delikatesse, da der Fisch aufgrund der warmen Temperaturen schwieriger zu fangen ist.

Brunsbüttel - Der Wind bläst eisig von Westen. Wellen klatschen rhythmisch gegen die Bordwand des 20 Meter langen Kutters Ostetal. Mit hochgezogenen Schultern stemmt sich Elbfischer Walter Zeeck gegen die feuchte Kälte. Wie jeden Winter macht er in der Elbmündung einen Knochenjob: "Damit die Gourmets lecker essen können", wie er sagt. Die Stint-Saison hat begonnen.

Der Stint lebt im nördlichen Atlantik und in der Ostsee. Jeden Winter zieht er in großen Schwärmen ins Brackwasser der Flussmündungen, um sich dort langsam dem Süßwasser anzupassen, ehe er im Frühjahr stromaufwärts zum Laichen weiter zieht.

Früher galt der lachsähnliche Fisch als "Arme-Leute-Essen". Noch Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er an den Ufern der Elbe mit Netzen in solchen Massen gefangen, dass die Bauern ihn an ihre Hühner und Schweine verfütterten und als Dünger auf ihre Felder warfen.

Heute ist der handlange Fisch nach Angaben der Landwirtschaftskammer fischereiwirtschaftlich kaum von Bedeutung. Doch in Norddeutschland werde der wegen seines eigentümlichen Geschmacks auch Gurkenfisch genannte Stint von Feinschmeckern heiß geliebt, sagt Zeeck. Ob frisch gebraten oder geräuchert, ob als Suppe oder eingelegt in Sauer - der Stint gilt als Kultfisch, der auf vielen Speisekarte nicht fehlen darf.

Zeeck ist Stint-Fischer in sechster Generation. Er hat an seinem Kutter keine Schleppnetze, sondern sogenannte Hamen. Das sind Netze, die im Wasser beidseitig vom Schiff in der Strömung verankert werden. Ebbe und Flut treiben die Fische umweltschonend ins Netz, sagt er.

Schlechte Fangquoten

Schlechte Fangquoten

Seinen Fang transportiert Zeeck lebend in der "Bünn" - einem fest im Schiff eingebauten Wasserkasten, der ständig von außen mit Frischwasser durchspült wird. Alle zwei Tage legt er mit seinem Fischkutter an und verkauft den lebenden Stint - an Privatleute, Fischhändler und Restaurants.

Normalerweise zieht Zeeck im Bereich Brunsbüttel und Cuxhaven jeden Tag bis zu einer halben Tonne der Fischdelikatesse aus der Elbe. Doch zurzeit zappeln nur ein Drittel bis ein Viertel des normalen Fangs in seinen Netzen. "Bei den warmen Temperaturen und dem Weststürmen sammeln sich die Fische nicht an unseren Fangplätzen, sondern sind überall verteilt", sagt Zeeck und lacht: "Stint ist zurzeit eine rare Delikatesse."

Auf der Unterelbe werfen noch drei Fischer ihre Netze nach dem Stint aus. Manchmal versuchen sich auch Krabbenfischer in der Wintersaison mit dem Stintfang. "Doch meist werden sie damit nicht glücklich", weiß Zeeck.

Der Grund ist eher psychischer Natur: Beim Hamen-Fischen liegen die Kutter meist nur wenige Meter vom Ufer entfernt, doch die Fischer dürfen nicht nach Hause an Land, erklärt Zeeck. "Sie können es oft mental nicht verarbeiten, dass sie genauso von ihren Familien getrennt sind, als würden sie vor Grönland fischen."

Die Elbfischer folgen dem Stint auf seiner langsamen Wanderung flussaufwärts, bis er im März Finkenwerder erreicht. Dann beginnt die Stint-Saison in der Oberelbe. Dort warten schon sehnsüchtig die Reusenfischer auf den leckeren Fisch.

Wolfgang Runge, dpa

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