Schnupftabak Nase voll im Rauchverbot

Raucher müssen in die Ecke. Immer häufiger beschränkt sich der freie Auslauf für Zigarettenqualm auf kleine Ghettos, im Zweifel ist Rauchen verboten. Darüber freuen sich die Hersteller von Schnupftabak, die Nikotin in gesellschaftlich akzeptierten Dosen anbieten.

Geisenhausen - An immer mehr Orten des öffentlichen Lebens ist Rauchen verboten, in Bahnhöfen, Büros oder Restaurants. So mancher greift da zur vermehrt zur rauchfreien Alternative - sehr zur Freude der Schnupftabak-Hersteller.

Die niederbayerische Firma Pöschl in Geisenhausen bei Landshut profitiert nach eigener Einschätzung bereits von diesem Trend, der Umsatz legte im vergangenen Jahr um knapp 7 Prozent zu.

Kein Grund, nicht weiter die Werbetrommel zu rühren: "Die Menschen in unserer leistungsorientierten Gesellschaft brauchen mehr denn je Genuss- und Entspannungserlebnisse", erklärt denn Geschäftsführer Ernst Pöschl den Erfolg. "Um frei im Kopf zu werden, suchen viele nach kurzer, intensiver Erfrischung."

Zwar betont man bei Pöschl, dass man generell gegen jede Art von Rauchverbot sei. Schließlich solle jeder selbst entscheiden, wie er Tabak genießen will. Dennoch hofft das Unternehmen auf neue Kunden. In Deutschland gönnen sich derzeit rund eine Million Menschen gelegentlich eine Prise, hauptsächlich in Süddeutschland, Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Auch in Tschechien, Polen, Österreich, Italien, Frankreich und Großbritannien ist der Schnupftabak beliebt.

Krebsforscher wollen weiter prüfen

Schnupfer gibt es aber auch im Norden, und prominente noch dazu. Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt war für die Freude an der Prise bekannt, und auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hat meist ein Döschen griffbereit.

Gesundheitsexperten verweisen allerdings darauf, dass auch das Schnupfen von Tabak nicht unbedenklich ist. Wissenschaftler des Krebsforschungszentrums Heidelberg und der Universität Ulm haben die Wirkung von Schnupftabak auf die Atemwege untersucht. Ihre Studie geht davon aus, dass Schnupfer durchschnittlich 0,1 bis 0,2 Gramm Tabak pro Prise aufnehmen. Bei einer angenommenen Tagesmenge von zwei Gramm Snuff oder Schmalzler würden etwa 14 Milligramm Nikotin absorbiert.

Zwar konnten die Forscher bisher kein erhöhtes Risiko für Erkrankungen des oberen Atmungs- und Verdauungstraktes oder der Nase und der Nasennebenhöhlen nachweisen. Für eine abschließende Klärung bedürfe es aber weiterer Studien, betonen sie.

Die 1902 gegründete Firma Pöschl ist weltweit der größte Hersteller. Sie produziert über 90 Prozent des Schnupftabaks in Deutschland, international stammt jede zweite Dose aus dem niederbayerischen Familienunternehmen. Insgesamt sind rund 600 Mitarbeiter in dem Konzern beschäftigt, die Hälfte davon im Ausland.

Die Konjunkturflaute hat sich laut Pöschl bei dem mittelständischen Unternehmen kaum bemerkbar gemacht. 2003 machte die Firma mit dem Verkauf von 250.000 Kilogramm Schnupftabak einen Umsatz von rund 160 Millionen Euro, zehn Millionen mehr als im Jahr zuvor.

Damit die Erlöse weiter zulegen, arbeitet das Unternehmen permanent an neuen Produkten. Der Renner ist aber mit mehr als neun Millionen Boxen pro Jahr weiterhin die "Gletscherprise". Für Fußballfans gibt es auch einen "FC Bayern Snuff". Ob sich die aktuelle Krise des Erstligisten auf die "Snuff"-Verkäufe auswirkt, ist jedoch nicht bekannt.

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