Räucherlachs-Test Fünf mal "sehr gut", fünf mal "sechs"

Lachs, der Fisch zum Fest, kann eine Gaumenfreude sein. Bekömmlich und gesund ist er von Natur aus außerdem. Doch wer falsch einkauft, könnte sich auch eine Krankheit einfangen, so die alarmierenden Test-Ergebnisse der Fachzeitschrift "Öko-Test".

Frankfurt/Main - Geräucherter Lachs ist gesund: Der orange-rosafarbene Fleisch enthält viel Omega-3-Fettsäuren, die Blutgefäße und Herz schützen - und geschmacklich bestens zum Sylvester-Sekt passen.

Mehrere Millionen Tiere werden in Aquakulturen vor den Küsten Norwegens, Schottlands und Irlands gehalten, um den Nachschub der Nr. vier unter den beliebtesten Speisefischen zu sichern.

Zum Problem für den Verbraucher kann allerdings die Bakterienart Listerien werden. Nach einer Untersuchung des Frankfurter Magazins "Öko-Test" (Dezember-Ausgabe) sammeln sich in vielen in Deutschland verkauften Räucherlachsen so genannte aerobe Bakterien, die die Warnwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie deutlich überschreiten.

Von 19 Lachs-Paketen, die die "Öko-Test"-Redaktion in Super- und Bio-Märkten einkaufte, brachten 5 nach der Untersuchung im Labor ein "sehr gut" als Note mit. Für 55 Cent pro 100 Gramm bietet Penny seinen "Prima Kost - Echter Räucherlachs" an - und erntete im Test die Top-Note. Auf Platz zwei im Preis-Leistungsverhältnis findet sich "Krone Fisch - Echter Räucherlachs", der 80 Cent pro 100 Gramm kostet. "Räucherlachs - Schlemmer - Markt Qualität" vom Anbieter Top-Lax erreichte ebenfalls ein "sehr gut", verglichen mit dem Penny-Preis wird aber mehr als das Siebenfache für dieselbe Menge verlangt, 3,98 Euro für 100 Gramm.

Vier Proben "hochgradig verdorben"

Unter den drei europäischen Ländern, in denen sich die meisten Lachsfarmen befinden, hebt der Bericht Norwegen hervor, weil hier viele Züchter die Anzahl der Tiere pro Kubikmeter Wasser freiwillig beschränken. Während vor einigen Jahren noch Lachse mit einem Gewicht von insgesamt 40 Kilogramm pro Kubikmeter in den schwimmenden Netzgehegen lebten, haben heute viele norwegische Fischfarmen auf 25 Kilogramm reduziert. Norwegen ist weltweit der größte Lachsanbieter.

Das Hauptproblem bei den sechs Lachs-Verarbeitern, die ein "mangelhaft" oder "ungenügend" von den Testern verliehen bekamen, waren Probleme mit Keimen, vier Proben waren demnach "hochgradig verdorben", heißt es in dem Testbericht. Der Lachs, der in allen 19 Fällen ein "sehr gut" für die luftdichte Verpackung erntete, war von den Testern kurz vor Ablauf des auf der Verpackung aufgedruckten Verbrauchsdatums gekauft worden.

Dabei war die in sieben Räucherlachsen festgestellte Anzahl von Enterobakterien und das vermehrte Vorkommen von E.coli-Bakterien in drei Proben ein Hinweis auf "unsaubere Verarbeitung". Eine akute Gesundheitsgefahr geht davon im Regelfall jedoch nicht aus.

Welche Lachs-Marken im Test nur "ungenügend" erreichten

Welche Lachs-Marken im Test nur "ungenügend" erreichten

Die Öko-Test-Redaktion schätzt jedoch das Vorkommen von Listerien in sieben Proben als so gefährlich ein, dass Schwangeren vom Verzehr von Räucherlachs "vorsichtshalber" abgeraten wird. Auf die Test-Ergebnisse, die für die Händler Aldi Nord, Lidl, Edeka, Rewe und Wal-Mart  nicht gut ausfielen, reagierten die Supermarkt-Ketten mit einer einleuchtenden aber nicht befriedigenden Antwort.

Sie "können sich die hohe Keimbelastung nur mit einer Unterbrechung der Kühlkette erklären", berichtet das Magazin aus den Stellungnahmen der Unternehmen. "Aldi Nord hat sich bei uns allerdings gar nicht gemeldet", sagte eine Öko-Test-Sprecherin gegenüber manager-magazin.de. "Hochgradig verdorben" waren laut Öko-Test vier Proben, darunter zwei Bio-Produkte.

Unter anderem entdeckten die Tester Listerien, die bei geschwächten Menschen Krankheiten auslösen können - meist allerdings nur in sehr geringen Mengen. In einer Lachs-Seite fanden sich den Angaben zufolge jedoch 80.000 Listerien pro Gramm. Der Warnwert liege bei 100 Listerien pro Gramm, deshalb dürfte dieser Lachs nach Ansicht von "Öko Test" gar nicht verkauft werden. Es handelt sich um die Edeka-Marke "Gut & Günstig - Ahoi Echter Räucherlachs".

Verbrauchertipp: Lachs vorübergehend einfrieren

Probleme mit Keimen ließen sich vermeiden, wenn Räucherlachs weit vor dem Ende des Verbrauchsdatums verzehrt und immer gut gekühlt werde. Lachs, der nicht sofort verbraucht werde, sollte nach dem Rat von "Öko Test" vorübergehend eingefroren werden.

Dies schützt allerdings nicht vor einem Inhaltsstoff, dessen Vorkommen die Öko-Test-Redaktion in sieben Räucherlachs-Marken nachwies: Der künstliche Farbstoff Canthaxanthin. Im Gegensatz zum gebräuchlichen Astaxanthin, das in allen Produkten enthalten war, kann Canthaxanthin laut Öko-Test zu Sehstörungen führen.

Mit "ungenügend" wurden bewertet:

  • Delikato Echter Skandinavischer Räucherlachs (Odin Seafoods, Aldi Nord)
  • Füllhorn Öko-Räucherlachs aus Irland (Rewe)
  • )
  • Gut & Günstig - Ahoi Echter Räucherlachs (Euco/Edeka)
  • Laschinger Aqua Group Räucherlachs aus Schottland (Laschinger)
  • Stührk Holsteiner Räucherlachs Premium (Stührk Import)

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