Weinlese Italien Qualität statt Masse

Trotz der enormen Hitze sind die italienischen Winzer mit der Weinlese 2003 zufrieden. Zwar fiel die Ernte mengenmäßig gering aus - die Qualität der Reben wird aber als sehr gut beurteilt. Nachteil für die Kunden: Ein Preisanstieg droht.

Rom - Ein Jahrhundertsommer mit Rekordhitze und Trockenheit ist zu Ende. Nun ziehen die italienischen Winzer Bilanz: Der fehlende Regen, eine sich daraus ergebende Insektenplage und Nächte mit Temperaturen bis zu 30 Grad haben den Trauben zu schaffen gemacht.

In Südtirol wurden in den Weinbergen von Monticolo bei Bozen die Weintrauben sogar nachts geerntet, da die Qualität der Trauben beim Transport in die Weinkeller tagsüber sonst unter den hohen Temperaturen gelitten hätte.

Der langersehnte Regen hat bis Ende August auf sich warten lassen, zu spät für die Winzer. Die Ernte ist zwar mengenmäßig geringer als erwartet, doch die Qualität ist exzellent. Produziert wurden 46,3 Millionen Hektoliter. Verglichen mit der Durchschnittsmenge der vergangenen zehn Weinlesen von 55,3 Millionen Hektoliter sind dies zwar fast 20 Prozent weniger, aber immerhin mehr als im vergangenen Jahr, in dem nur 44,5 Millionen Hektoliter geerntet wurden.

"Während der Sommer 2002 mit seinem schlechten Wetter der Traubenernte geschadet hat, haben die diesjährige Hitze und die ausbleibenden Regenfälle die Trauben sogar schneller und besser reifen lassen", erklärt Ezio Rivella, Präsident der italienischen Winzervereinigung (UIV).

Die Ernten von 2002 und 2003 sind die geringsten in den vergangenen 30 Jahren. Dieses Jahr haben vor allem die Regionen Toskana, Latium, die Marken und die Lombardei unter der Trockenheit gelitten. Sizilien und Kalabrien verzeichneten zumindest am Anfang des Sommers Regen.

Doch die Rekordtemperaturen und die Trockenheit haben auch die anderen Weinländer wie Spanien und Frankreich getroffen. "Von den erwarteten 54,8 Millionen Hektoliter wurden nach Angaben des Statistikamtes des französischen Landwirtschaftsministeriums nur 53,6 Millionen erreicht", erklärt Rivella. "Während Spanien nur 42,5 Millionen Hektoliter produziert hat."

Harte Zeiten für Weintrinker also, die im nächsten Jahr mit horrenden Preisen rechnen müssen? "Verglichen mit den Zahlen vom vergangenen Jahr, sind die Preise 2003 um 16 Prozent gestiegen", erklärt Nicola Lasorsa von der Pressestelle des Instituts ISMEA, das die Statistiken des italienischen Marktes landwirtschaftlicher Nahrungsprodukte betreut.

"Die Verteuerung wurde als arrogant eingestuft"

Trotz der vergleichsweise geringen Ernten in den vergangenen zwei Jahren bleibt Italien einer der weltweit wichtigsten Weinproduzenten. Über 18 Prozent des Weines in der ganzen Welt wird in Italien produziert. Frankreich liegt mit 20 Prozent zur Zeit vorne. Der italienische Wein ist auch im Ausland beliebt, auch wenn der Export in den vergangenen Jahren zurückging. Von Januar bis März 2003 wurden 2,9 Millionen Hektoliter exportiert, das sind 17 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Vor allem aus Deutschland ist die Nachfrage zurückgegangen. Dort wurden in den ersten drei Monaten 2003 mehr als 930.000 Hektoliter verkauft, das sind 21 Prozent weniger als 2002. "Die Konkurrenz ist härter geworden, und die Käufer sind nicht mehr bereit, so viel Geld für eine Flasche Wein zu bezahlen", erklärt Lasorsa.

"Die Kontrolle der Preise ist sehr wichtig, wenn man sich gegen die Konkurrenz aus Chile und Südafrika verteidigen will." Emilio Pedron von der Vereinigung "Gruppo Italiano Vini" fügt hinzu: "Die Verteuerung in diesem Jahr wurde von den Käufern - vor allem nach der qualitativ unbefriedigenden Ernte 2002 - als arrogant eingestuft."

Sicherlich würden heutzutage bessere Qualität und weniger Quantität hergestellt, und somit steige der Preis. "Allerdings haben auch die Newcomer-Länder hinsichtlich der Qualitätsverbesserung nicht geschlafen."

Von AP-Mitarbeiterin Alexandra Barone

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