Hanseboot Mit der Jacht aus der Krise

Kleine, komfortable Schiffe liegen im Trend. Zwar hat sich der Markt für Boote in Deutschland im vergangenen Jahr halbiert - aber nach dem katastrophalen Umsatzeinbruch schaut die Branche nun wieder optimistisch in die Zukunft. Das Konzept: Mehr Jacht für weniger Geld.

Hamburg - Die deutschen Bootsbauer sind wirtschaftlich in schwere See geraten, doch scheint sich der Sturm zu legen. Ausgesprochen optimistisch zeigt sich die Branche auf der 50. Hanseboot in Hamburg. Norddeutschlands größte Wassersportmesse zeigt: Vor allem mit großen, schnellen sowie kleinen, komfortablen Jachten wollen die Aussteller der Krise entkommen.

Seit den Sommerferien steigen die Produktionszahlen wieder deutlich. Zuvor allerdings hatte sich der Markt im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Der Export brach nach Angaben des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes (DBSV) im ersten Halbjahr um 87 Prozent auf 127 Millionen Euro ein, der Import sank um 37 Prozent auf 83 Millionen Euro. Der katastrophale Umsatzeinbruch folgt auf Jahre boomender Konjunktur bei den Bootsbauern. Die Branche ist nun erwartungsvoll.

"Die Stimmung ist gut", bestätigt Mike Reuer, Verkaufschef des größten deutschen Serienbauers Bavaria in Giebelstadt. Reuer sieht vor allem den Trend zum kleinen, komfortablen Schiff um zehn Meter Länge, das mit einem günstigen Preis und deutlich mehr Leistung als früher locken muss. Auch große und trotzdem günstige Schiffe fänden nach wie vor ihre Käufer. Besonders schlecht hatten sich mittelgroße Boote bis zwölf Meter Länge verkauft.

Ein Schnäppchen für 300.000 Euro

Die Messe zeigt bis zum 1. November viele sportliche Segelyachten, die gleichzeitig bequemes Wohnen ermöglichen. Die leistungsstarken Fahrtenjachten, Performance-Cruiser genannt, bieten alle Annehmlichkeiten, könnten aber auch an Regatten teilnehmen. So sicherte sich Bavaria für seine Hanseboot-Premieren "Cruiser 32" und "Cruiser 55" die Hilfe des für schnelle Rümpfe bekannten Konstruktionsbüros Farr Yacht Design. "Innen geht der Trend ganz klar zum modernen Design", sagt Reuer. Lange Besucherschlangen vor den beiden Schiffen zeigen: Die Rechnung könnte aufgehen.

Den Aufwärtstrend bestätigt Michael Schmidt, Werft-Chef von HanseYachts in Greifswald: "Die Krise ist vorbei, auch wenn wir nicht das Niveau der Boomjahre erreichen werden." Wer kleiner und preiswerter einsteigen will, hat mit Schiffen polnischer Werften mit Preisen ab 23.000 Euro die Chance.

Schnelles, sportliches Segeln ist Schwerpunkt bei den sogenannten Daysailern, Jachten für puren Segelspaß bei vergleichsweise einfacher Handhabung. Aus diesem Angebot ragt die knapp 190 Meter lange Hightech-Segelyacht "Brenta 60" des italienischen Konstrukteurs Luca Brenta nicht nur wegen ihres fast 30 Meter hohen Kohlefasermastes hervor. Die von der Krise schwer getroffene französische Serienwerft Bénéteau folgt ebenfalls dem Motto "viel Jacht für weniger Geld": 300.000 Euro für die knapp 17 Meter lange "Océanis 54" dürften in der angesteuerten Zielgruppe als Schnäppchenpreis gelten.

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