Kunstparks Tanzende Säulen

Mit einem eigenen Skulpturenpark erfüllte sich der Bildhauer Tony Cragg in Wuppertal einen Lebenstraum - und beweist, dass die Natur immer noch die schönste Galerie ist. Zehn Kunstparks, die einen Besuch lohnen.

Wuppertal - Wie Schlingpflanzen von einem fernen Planeten winden sich grau schimmernde Metallstämme nach oben. Zwischen Buchen und Eschen wirken die etwa sechs Meter hohen abgerundeten Kolosse wie eine Laune der Natur, so harmonisch fügen sie sich in die Umgebung ein. Ihre gewundene Struktur wirkt willkürlich. Doch wer sie umrundet, kann immer wieder Gesichter, Nasen und Münder erkennen. Wenn im Abendwind die Schatten der Blätter auf der Außenhülle tanzen, scheinen sich auch die Türme zu bewegen.

Die drei "Dancing Columns" sind das wohl eindrucksvollste Kunstwerk im Skulpturenpark Waldfrieden. In einem versteckten Winkel nicht weit vom Wuppertaler Hauptbahnhof hat sich Bildhauer Tony Cragg vor drei Jahren einen Lebenstraum erfüllt: ein eigenes Anwesen mit einem 15 Hektar großen Park, in dem er seine Werke und die seiner Lieblingskünstler zeigen kann.

Der in Liverpool geborene Turner-Preisträger Cragg ist Rektor der Düsseldorfer Kunsthochschule und lebt seit 1979 in Wuppertal. Bekannt ist der 60-Jährige für seine wuchtigen, aufwendig hergestellten Plastik- und Bronzeskulpturen und für seine Experimentierfreudigkeit mit verschlungenen organischen Formen. Sein Atelier liegt nur wenige Meter von dem Waldfrieden-Park entfernt. "Früher kam er ständig auf dem Weg in die Innenstadt hier vorbei", sagt Park-Geschäftsführer Michael Mader.

Die eigentümliche Villa, die der erfolgreiche Lackfarbenunternehmer Kurt Herberts 1948 in dem Park errichten ließ, dürfte ihm schon damals aufgefallen sein. Nach anthroposophischen Grundsätzen erbaut, ist das denkmalgeschützte Bauwerk des Architekten Franz Krause frei von jeglichen rechten Winkeln. Von außen ist das rundliche Einzelstück nicht unbedingt eine Schönheit. "Wie eine unangenehme Umarmung" sei der Anblick des verfallenen Gebäudes zunächst für ihn gewesen, sagte Cragg einmal.

Für jeden Raum ein anderes Weiß

Trotzdem kaufte er das Grundstück und ließ die Villa mit viel Liebe zum Detail renovieren - mit Hilfe seiner Ateliermitarbeiter, die sich mit der Gestaltung runder Formen bestens auskennen. Der geschwungene Verlauf der Wände und die abgerundeten Tür- und Fensterrahmen hielten für die Bauarbeiter einige Herausforderungen bereit. Zudem hatte Cragg ganz klare Vorstellungen zur Wirkung des Interieurs. Er ließ die Räume in verschiedenen Weißtönen streichen, mal mit einem bläulichen, mal mit einem rötlichen Schimmer. "Dadurch hat jeder Raum eine andere Stimmung", sagt Mader, der hier wie der Künstler selbst ein Büro hat.

Für Schaulustige ist die Villa bislang nicht zugänglich. Für Konferenzen und Tagungen können aber immerhin Firmen die Räume buchen. Der Park dagegen ist seit September 2008 für Besucher geöffnet. Es ist ein Ort der Stille und Kontemplation, weitläufig genug, dass sich die Gäste nicht zu sehr in die Quere kommen. Bäume und Bronzen ergänzen sich zu einem Gesamteindruck, der die Grenzen zwischen Kunst und Natur aufheben soll. "Second Nature" heißt auch Craggs aktueller Bildband.

So erinnern viele der Skulpturen an aus dem Boden schießende Pilzgewächse, die sich harmonisch in die natürliche Umgebung einfügen. Andere dagegen erzielen ihre Wirkung durch ihre extreme Andersartigkeit zwischen den Bäumen und Blättern, etwa das quietschgelbe Objekt "Declination" oder das verschlungene Spiegelgewirr "Distant Cousin".

In einem Museums-Glaskasten sind immer wieder Sonderausstellungen zu sehen, derzeit mit knallbunten Styroporfiguren des Franzosen Jean Dubuffet. Ende September werden sie von Werken des Amerikaners John Chamberlain abgelöst. Praktisch für Cragg: Statt in ferne Städte reisen zu müssen, um Werke anderer großer Bildhauer der Gegenwart zu bewundern, lässt er sie einfach in seinen Wuppertaler Prachtgarten bringen.


Skulpturenpark Waldfrieden: Hirschstraße 12 42285 Wuppertal Telefon: 0202 - 551350

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Eintritt: Erwachsene 8 Euro, Kinder von 6 bis 16 Jahre 4 Euro, unter 6 Jahren frei

Skulpturenpark Katzow: Riesentiere und Industriemüll

Bis zu 17 Meter hoch sind die Ausstellungsstücke des Skulpturenparks Katzow in Mecklenburg-Vorpommern. Aus Holz und Metall schufen Künstler aus insgesamt 23 Ländern großformatige Figuren. Auf insgesamt 18 Hektar Fläche sind verspielte Mobiles zu sehen, riesige Tierfiguren, diverse Industriemüll-Kompositionen, etwa aus einer Trabi-Karosserie mit bunten Klappstühlen.

Mit Kriminächten, Weihnachts- und Frühlingsmärkten sowie organisierten Fahrradtouren bietet der Park auch neben den Ausstellungsstücken reichlich Programm. Im Sommer gibt es hier außerdem regelmäßig einen internationalen Bildhauer-Workshop. Der musste in diesem Jahr aus Geldmangel ausfallen - ein Jammer, denn nur dank dieser Veranstaltungen konnte der Park auf seinen heutigen Umfang anwachsen.


Skulpturenpark Katzow: Dorfstraße 45 17509 Katzow Telefon: 038373 - 20444

Öffnungszeiten: Durchgehend geöffnet

Eintritt: Frei

Im Tal: Schrei im Schacht

Nicht weit vom Dörfchen Hasselbach in Rheinland-Pfalz lockt der Kunstpark "Im Tal" Kulturfreunde an. Da gibt es Installationen wie "Der Schrei" von Bogomir Ecker zu bewundern - sein Werk besteht aus einem 2,10 Meter tiefen Schacht mit einem Gitter davor, in dem sich eine rote Kugel und zwei nachgebaute menschliche Gaumenplatten befindet.

Man begegnet dem "armen Menschen" von Thomas Lehnerer, der in träger Pose vor einem Baum steht. Der "Dreibeiner" von Karl Bobek wirkt wie ein wandernder Geist auf dem Feld. Noch geisterhafter wird es bei der Lichtinstallation "step light" von Quartier vier. Auf der blau leuchtenden quadratischen Plastikfläche bleiben leuchtende Fußabdrücke in hellem Weiß zurück, bis sie nach einigen Minuten undeutlicher werden und verschwinden. Der Trick: Unter der Plane ist eine zähflüssige Glykolschicht angebracht, die von Schritten zur Seite gedrängt wird und die Sicht auf einen darunter montierten Leuchtkasten freigibt.


Im Tal - Kunstverein Hasselbach: Altes Schulhaus, Schulstraße 18, 57635 Hasselbach; Telefon: 02686 - 604

Öffnungszeiten: Durchgehend geöffnet

Eintritt: Frei

Kunststätte Bossard: Malerei, Skulpturen, Gartenkunst

Der Schweizer Maler und Bildhauer Johann Michael Bossard verwirklichte mit seiner Frau Jutta in Jesteburg südlich von Hamburg vor Jahrzehnten seinen Traum: eine Stätte, wo Architektur, Gartenkunst, Malerei und Skulpturen als Gesamtkunstwerk zu bewundern sind.

Die Hauptattraktion ist der Kunsttempel, ein bunter Sakralbau mit kleinen Spitzdächern und Glasmalereien. Noch bis zum 31. Oktober ist hier eine Ausstellung zur Architektur des 1950 verstorbenen Bossard zu sehen.


Kunststätte Bossard: Bossardweg 95, 21266 Jesteburg; Telefon: 04183 - 5112

Öffnungszeiten:Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Eintritt: Erwachsene 7 Euro, Besucher unter 18 Jahren und Freundeskreis-Mitglieder frei

Skulpturenpark Köln: Alle zwei Jahre neu

Jörg Immendorff, Anish Kapoor, Barry Flanagan, Peter Fischli/David Weiss: Mit solch berühmten Namen verspricht der Kölner Skulpturenpark ein einzigartiges Kunsterlebnis unter freiem Himmel. Die Kunstsammler Michael und Eleonore Stoffel gründeten den Park im Jahr 1997 als "Ort für die Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Skulptur".

Konzept des Parks ist es, alle zwei Jahre einen Teil der Werke auszutauschen. Noch bis April 2011 läuft hier die Ausstellung "KölnSkulptur 5", für die 17 neue Skulpturen aufgestellt wurden. Besonders sehenswert ist dabei die apokalyptisch anmutende Bronze mit dem sperrigen Titel "Wir, Erzkinder lernen Macht (Süsses Dorf der Verdammtin) = Gören" von Jonathan Meese. Es zeigt den Künstler selbst neben dem Maler Balthus in unförmiger Zwergengestalt und mit Vampirzähnen.


Skulpturenpark Köln: Riehler Straße, 50668 Köln; Telefon: 0221 - 33668860

Öffnungszeiten: Täglich geöffnet: April bis September: 10.30 bis 19 Uhr; Oktober bis März 10.30 bis 17 Uhr

Eintritt: Frei

Damnatz: Ein Götze an der Elbe

Ein Garten der Kunst in Damnatz an der Elbe: Hier haben sich die bildenden Künstler Klaus und Monika Müller-Klug einen Ort für ihre Werke geschaffen, den sie außerdem um die Skulpturen befreundeter Künstler erweitern.

Die meisten Kunstwerke sind aus Holz oder Stein, aber auch der 2,50 Meter hohe "Götze" aus Aluminium, den Klaus Müller-Klug 1972 fertigstellte, findet hier seinen Platz. Das Oeuvre des Künstlers, dessen öffentliche Arbeiten auch in Berlin, Potsdam und Dresden zu sehen sind, umfasst auch Zeichnungen und Radierungen.


Skulpturengarten Damnatz: Am Elbdeich 19, 29472 Damnatz; Telefon: 05865 - 582

Öffnungszeiten:Täglich von 11 bis19 Uhr

Eintritt:Frei

Skulpturenpark Seckach: Wahnsinn und Sandstein

Auf einem 12.000 Quadratmeter großen Gelände im Odenwald legte das Bildhauerehepaar Marianne und Paul August Wagner im Jahr 1989 einen Skulpturenpark an. Die meisten der 80 Skulpturen stellen mehr und weniger skurrile Menschen- und Tierköpfe dar, die humorvoll in Szene gesetzt wurden. Durchaus sehenswert ist auch die in einen Felsklotz gehauene "Venus vom Odenwald", die das Fehlen eines Kopfes durch ansonsten sehr üppige Formen mehr als wettmacht.

In der "Arena des Wahnsinns" finden regelmäßig Open-Air-Konzerte statt. Die Veranstalter haben so viel Freude mit ihrem Park, dass sie schon den nächsten planen: Im 50 Fahrminuten entfernten Ort Breuberg wollen sie ein ungenutztes Gelände zum Freiluftmuseum umbauen.


Skulpturenpark Seckach: Meisenweg 16, 74743 Seckach; Telefon: 06292 - 1262

Öffnungszeiten: Durchgehend geöffnet

Eintritt: Frei, Gruppenführungen können für 50 Euro gebucht werden.

Museum Insel Hombroich: Labyrinth trifft Schnecke

Vom verwitterten Park zum gepflegten Kunstparadies: Der Düsseldorfer Kunstsammler Karl-Heinrich Müller kaufte das Anwesen Insel Hombroich in Neuss im Jahr 1982, um den Park für einen Dialog von Kunst und Natur zu öffnen.

Dominiert wird der Park von insgesamt zehn Bauten des Bildhauers und Architekten Erwin Heerich mit Titeln wie "Labyrinth", "Zwölf-Räume-Haus" und "Schnecke". In den Gebäuden sind Teile der Sammlung des Parkgründers zu sehen, mit Werken von Paul Cézanne, Henri Matisse, Hans Arp, Rembrandt van Rijn und Yves Klein.

Neben Heerich besitzen auch die bildenden Künstler Anatol Herzfeld und Gotthard Graubner Ateliers auf der Insel Hombroich. Der Philosoph Walter Biemel beschrieb den einzigartigen Reiz des Ortes in einem Essay so: "Es ist die Freiheit für das, was unser Leben beglückt, beschwingt, bewegt. Es ist zugleich die Stille - die alles Störende abhält und uns so zu uns selbst finden lässt."


Museum Insel Hombroich: Minkel 2, 41472 Neuss-Holzheim; Telefon: 02182 - 2094

Öffnungszeiten: Täglich geöffnet; 1. April bis 30. September: 10 bis 19 Uhr; 1. bis 31. Oktober: 10 bis 18 Uhr; 1. November bis 31. März: 10 bis 17 Uhr; Geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember und am 1. Januar

Eintrittspreise: Samstags, Sonntags und an Feiertagen Erwachsene 15 Euro, Schüler und Studenten bis 25 Jahre sowie Behinderte 7 Euro; Montags bis Freitags Erwachsene 12 Euro, Schüler und Studenten bis 25 Jahre sowie Behinderte 6 Euro

Max-Buchhauser-Garten: Stilmix am Straßenrand

Eine Reihe von bis zu drei Meter hohen, vielgesichtigen Steinkolossen säumt die Frankenstraße in Regensburg. Die Skulpturen gehören zum Max-Buchhauser-Garten, der eine bizarre Mischung aus Kunststilen der letzten fünf Jahrtausende präsentiert. Da sind ägyptische Pharaonen und altgriechische Bartträger ebenso vertreten wie mittelalterliche Einflüsse und zeitgenössische naive Bildhauerei.

Benannt wurde die Anlage nach einem Regensburger Gärtner und Hobbybildhauer. An der Nordseite der Donau entstand eine bislang wenig bekannte Sammlung grotesker Kunst, die bestimmt einen Zwischenstopp wert ist.


Max-Buchhauser-Garten: Direkt an der B8, Frankenstraße, 93059 Regensburg

Öffnungszeiten:Durchgehend geöffnet

Eintritt:Frei

Skulpturensammlung Viersen: Streit um neuen Stern

Das auffälligste Kunstwerk der Sammlung in Viersen ist ein mehr als zehn Meter in die Luft ragender knallroter Stahlstern mit dem Titel "New Star" - eine Großplastik des US-Bildhauers Mark di Suvero, die für einen heftigen Kontrast zum benachbarten Rathaus sorgt. Als das Werk im Jahr 1992 aufgestellt wurde, protestierten zahlreiche Bürger gegen den ungewöhnlichen Blickfang, doch inzwischen dürften sich die Viersener daran gewöhnt haben.

Die bronzene "Wirbelsäule" von Tony Cragg ist ein weiteres Highlight der zeitgenössischen Skulpturensammlung, die sich zum Großteil im Rathauspark neben der Städtischen Galerie befindet.


Skulpturensammlung Viersen: Verein für Heimatpflege Viersen, Dr. Albert Pauly, Rahserstr. 321, 41749 Viersen; Telefon: 02162 - 7430

Öffnungszeiten:Durchgehend geöffnet

Eintritt: Frei

Kunstparks: Skulptur trifft Natur

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